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Ölpreis: OPEC erhöht Förderquote

Die Opec hat sich auf eine Erhöhung der Fördermengen in zwei Schritten geeinigt und liefert ab sofort 2,0 Millionen Barrel pro Tag mehr. Dennoch bleibt die Opec damit hinter den Erwartungen zurück. Der Ölpreis klettert trotzdem munter weiter.

Die OPEC hat sich am Donnerstag auf eine Erhöhung ihrer Förderquote um zwei Million Barrel pro Tag geeinigt. Diese Maßnahme zur Eindämmung der Ölpreisexplosion soll im Juli beginnen. Im August kann die Quote noch einmal um 500.000 Barrel gesteigert werden, falls dies nötig werden sollte, erklärte der saudi-arabische Ölminister Ali Naimi nach einem OPEC-Treffen in Beirut. Die Erhöhung blieb jedoch unter dem Vorschlag Saudi-Arabiens zurück, das die Produktion in einem Zug um 2,5 Millionen Barrel ausweiten wollte.

Ölpreis stieg weiter

Damit blieb die OPEC hinter den Erwartungen zurück und die Märkte reagierten prompt: Binnen weniger Minuten nach der Entscheidung kletterte der Ölpreis in New York am Donnerstagnachmittag um 49 Cent nach oben. Beobachter werteten die Vereinbarung als Kompromiss zwischen dem größten Produzenten innerhalb des Kartells, dem mit den USA verbündeten Saudi-Arabien, und kleineren Ländern wie Libyen und Iran, die eine derart starke Produktionsausweitung ablehnten. "Wir glauben, dass es keine Knappheit am Markt gibt. Und wir sollten in den kommenden Monaten sehr vorsichtig sein", erklärte der iranische Ölminister Bidschan Mandar Sangeneh.

Die zunächst informelle Vereinbarung sollte am Abend hinter verschlossenen Türen offiziell beschlossen werden. Die OPEC trägt etwa ein Drittel zur weltweiten Ölproduktion bei. Saudi-Arabien hatte als wichtigstes OPEC-Land unabhängig von der Entscheidung der Organisation Erdöl exportierender Staaten bereits die eigene tägliche Fördermenge um 600.000 Barrel erhöht. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten angekündigt, die Ölförderung ihrerseits um mehr als 400.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Kuwait wollte die Produktion im Verlauf dieses Monats um 100.000 Barrel aufstocken.

Terrorgefahr für Preis wichtiger

Experten erwarteten von der Entscheidung zunächst keine größeren Auswirkungen auf den Ölpreis. Der wird nach allgemeiner Einschätzung vor allem von der Terrorgefahr in Nahost und der großen Nachfrage in China und den USA bestimmt und weniger von den Produktionsmengen, die derzeit auf den Weltmarkt gelangen.

Manuel Frondel, Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen, erklärte, die OPEC habe ein dauerhaftes Interesse, dass der Ölpreis wieder etwas sinkt. "Dauerhaft hohe Ölpreise würden ihr nämlich Konkurrenz besorgen, Konkurrenz von bisherigen Marktteilnehmern, die bei niedrigen Preisen nicht im Rennen waren, weil es bislang unwirtschaftlich war, deren Ölquellen anzuzapfen," sagte er dem Norddeutschen Rundfunk. Er denke da insbesondere an Kanada, dessen Ölschiefer- und Ölsandvorkommen bislang nicht rentabel zu fördern gewesen seien, bei hohen Ölpreisen ab 40 Dollar pro Barrel aber "interessant und wirtschaftlich zu fördern" seien.

"Abhängigkeit vom Öl beenden"

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat ein Ende der Öl-Abhängigkeit und eine globale Energiewende hin zu einer stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien gefordert. Die aktuell hohen Ölpreise zeigten dringlich die Notwendigkeit, belastbare und konkrete Absprachen für eine Umorientierung zu den regenerativen Ressourcen wie Sonne, Wind, Wasser und Biomasse zu treffen, betonte der Kanzler am Donnerstag auf der Weltkonferenz für erneuerbare Energien in Bonn. Die hohen Preise verbauten global die Chancen für wirtschaftliche Entwicklung, bedrohten den Aufschwung in den Industrieländern und behinderten weltweit die Bekämpfung von Armut und Hunger.

Eine Umorientierung weg vom Öl sei auch ein "Gebot der Sicherheit", denn die einseitige Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Öl spiele dem Terrorismus in die Hände, sagte Schröder vor Regierungsdelegierten aus 154 Ländern. Die "Verwundbarkeit" gegenüber solchem Terrorismus habe sich durch diese Abhängigkeit enorm erhöht. Die Anschläge in Saudi-Arabien und auch im Irak machten auf dramatische Weise deutlich, dass eine Energieversorgung, die auf möglichst viele verschiedene Energieträger setze, für die internationale Sicherheit "überlebenswichtig" sei. Ähnlich äußerte sich der britische Premierminister Tony Blair, der zu der Konferenz per Video zugeschaltet wurde.

Mineralölwirtschaft rechnet nicht mit fallenden Preisen

Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) rechnet nicht damit, dass nach dem OPEC-Beschluss zur Ausweitung der Ölförderung die Preise drastisch fallen werden. "Die Entscheidung der OPEC war ja erwartet worden und trotzdem bleiben die Preise hoch“, sagte MWV-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow. Sie erinnerte daran, dass für die derzeitigen hohen Preise vor allem psychologische Effekte wichtig seien: "Es gibt genug Rohöl, der Preis lieg eher an psychologischen Faktoren", sagte sie. So beeinflusse etwa die Sorge die Ölmärkte, Terroristen könnten mit Anschlägen etwa in Saudi-Arabien den Ölnachschub stoppen.

Zugleich wies sie darauf hin, dass Benzin in Deutschland trotz der hohen Ölpreise wieder etwas billiger geworden sei. "Der Preis für einen Liter Super liegt wieder unter dem Höchstwert von 1,21 Euro", sagte sie. Laut Shell betrug der Durchschnittspreis am Donnerstag 1,19 bis 1,20 Euro. Meyer-Bukow vermutete, dass die starke Benzin-Nachfrage aus den USA in Europa wieder nachgelassen habe. Seit einigen Jahren kaufen US-Kunden im Frühjahr große Mengen Benzin in Europa, weil die Kapazitäten der alten US-Raffinerien nicht ausreichen, um dort die Lager für den höheren Bedarf im Sommer zur Hauptreisezeit zu füllen.

DPA