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Galeria Karstadt Kaufhof-Besitzer René Benko: Der Immobilienmogul, dem Deutschland Milliarden überlassen soll

René Benko
Verklärtes Lächeln auf dem Gesicht von René Benko
© Frank Rumpenhorst / Picture Alliance
Der Unternehmer René Benko hat sich verstrickt: in Österreichs politischem Korruptionsgewirr und deutschen Coronahilfen. Steht das Aus des eigentlich erfolgreichen Unternehmers bevor?

Für die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sieht es derzeit nicht gut aus. Das Unternehmen muss gerettet werden – wieder einmal. Erst zwang Corona die Firma dazu, den Weg zum Insolvenzgericht anzutreten. Jetzt ersucht der Handelsriese erneut Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Und das, obwohl der Konzern seit Beginn der Corona-Pandemie 680 Millionen Euro an Staatshilfen erhalten hat.

Dass der Eigentümer René Benko, geborener Österreicher, Immobilienmogul und überhaupt recht erfolgreicher Unternehmer, den deutschen Staat nun erneut wegen Milliardenhilfen anpumpt, könnte ihn in Erklärungsnot bringen. Denn bisher hat Benko lediglich 15 Prozent Eigenbeteiligung angeboten. Ob der deutsche Staat der Handelskette noch mal unter die Arme greifen wird?

Eine Antwort steht noch aus. In der Koalition mehren sich aber Stimmen gegen eine weitere Geldspritze und auch das Finanzministerium steht dem kritisch gegenüber. Wohl zu Recht, denn es stellt sich die Frage, warum der deutsche Steuerzahler für etwas einspringen sollte, das ein Multimilliardär mit seinem privaten Vermögen zum Teil selbst stemmen könnte.

Der Schulabbrecher aus Innsbruck sitzt laut dem Magazin "Trend" auf einem Vermögen von 4,6 Milliarden Euro und rangiert damit auf Platz sechs der reichsten Österreicher. Laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" waren es 2021 sogar noch 5,6 Milliarden Euro. Das Blatt "Der Standard" bezeichnete ihn einst als "Goldjungen mit Pokerface".

Galeria Karstadt Kaufhof: das ewige Sorgenkind

Benko entstammt vergleichsweise einfachen Verhältnissen, der Vater Beamter, die Mutter Erzieherin. Er selbst widmete sich lieber dem Umbau von Dachböden zu Luxuswohnungen als dem Abitur. Damit wurde Benko schließlich zum Multimilliardär und stieg ins Immobiliengeschäft ein. Das Schlaglicht in Tirol: der Erwerb des Kaufhauses Tyrol in der Innsbrucker Innenstadt.

Heute gehört Benko die Signa Holding, das österreichische Immobilienunternehmen mit Anteilen in ganz Europa und darüber hinaus. Zudem darf sich Benko als Besitzer vom Alsterhaus in Hamburg, des Upper West am Berliner Ku’damm sowie des KaDeWe in der Bundeshauptstadt rühmen. In Wien lässt er gerade ein Pendant errichten. In Hamburg soll bis 2025 der Elbtower hochgezogen werden und dieses Jahr erst kaufte Benko die britische Luxuskaufhauskette Selfridges auf. Außerdem unterhält er eine Hälftebeteiligung am Chrysler Building in New York und ist Anteilseigner an der österreichischen "Kronen-Zeitung".

Nicht zu vergessen auf der Liste: Galeria Karstadt Kaufhof, das große Sorgenkind. Neun Monate, nachdem Benko Galeria und Karstadt zusammengeführt hatte, machte das Coronavirus alle weiteren Pläne des Österreichers zunichte. 40 Filialen mussten geschlossen und etwa 4000 Stellen abgebaut werden. Ein Schuldenschnitt von mehr als zwei Milliarden Euro sollte den Neustart ermöglichen. Doch vergebens: Nach aktuellem Stand sollen mindestens ein Drittel der verbliebenen Warenhäuser geschlossen werden, damit der Rest des Konzerns überleben kann.

Benko kassierte hierfür schon Vorwürfe von der Gewerkschaft Verdi. "Unsere Kolleginnen und Kollegen in den 131 Warenhäusern fragen sich, wo der Eigentümer ist in dieser existenziell höchst bedrohlichen Situation für 17.400 Menschen und ihre Familien", monierte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger zuletzt. Möglicherweise zu Recht, denn der Signa-Chef hat sich bisher nicht zu der Lage seines Handelsriesen geäußert.

Ob Benko nachts die Augen überhaupt noch schließen kann? Fraglich, aber nicht ausgeschlossen. Denn der Handelsriese ist derzeit nicht das einzige Problem des Unternehmers.

René Benkos politische Irrungen und Wirrungen

Wer in der Wirtschaft erfolgreich sein möchte, braucht Kontakte. Und die hat Benko zuhauf. Dummerweise zählt Thomas Schmid zu Benkos engeren Kontakten. Schmid hatte die Öffentlichkeit zuletzt vor allem durch seine brisanten Aussagen über österreichische Politiker, allen voran Ex-Kanzler Sebastian Kurz, in Aufruhr versetzt. In dem Gespräch mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Österreich (WKStA) hat der ehemalige Finanzminister auch über Benko ausgepackt.

Der Unternehmer soll Schmid einen gut bezahlten Posten in der Signa Holding angeboten haben, um eine Steuerprüfung zu beeinflussen. Das versprochene Jahresgehalt hätte bei 300.000 Euro gelegen, zuzüglich Boni und Dienstwagen. Sebastian Kurz soll von Schmids Unterstützung gewusst haben. Nun ermittelt die WKStA wegen Bestechung bzw. Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch. Mitte Oktober wurde die Signa wegen der Vorwürfe von der WKStA durchsucht.

Noch gilt die Unschuldsvermutung – wie bei allen, die in der Kurz-Affäre auf der Anklagebank sitzen. Weder Benko noch sein Sprecher der Signa Holding haben sich bisher zu den Vorwürfen geäußert.

Schwer wiegt auch der Chorherr-Prozess, der im November gestartet ist. Benko soll den früheren Grünen-Politiker aus Wien, Christoph Chorherr, bestochen haben, um ein Bauprojekt in der Landeshauptstadt voranzutreiben. Auch im Ibiza-Skandal war Benko verwickelt. Der frühere FPÖ-Politiker und Vizekanzler Heinz-Christian Strache nannte Benko in einem heimlich gefilmten Video auf Ibiza als Spender für seine Partei, der über einen Tarnverein Geld einzahlt. Benko stritt die Vorwürfe ab, Strache entschuldigte sich.

Naht das Ende des Benko-Imperiums?

Dass Benko juristisch abgestraft wird, wäre zumindest nicht das erste Mal. 2014 war er bereits wegen eines Bestechungsversuchs zu einer Bewähungsstrafe verurteilt worden.

Und jetzt? Zumindest für die Verwicklung in der Kurz-Affäre kann man sagen: Sollten sich Schmids Aussagen bewahrheiten, dann könnte Benko sein unternehmerisches Know-how hinter Gittern mit Sebastian Kurz teilen. Österreichs Ex-Kanzler war nach seinem politischen Aus selbst in die Start-up-Szene abgetaucht.

Für Benko wäre eine Gefängnisstrafe ein Desaster. Denn der Unternehmer hat noch viel vor. Allein für Österreich und die Schweiz hat seine Signa noch rund 75 Entwicklunsgvorhaben auf der Liste. Das lässt sich die Holding 26 Milliarden Euro kosten.

In Deutschland ist Benko wegen seiner kriminellen Vorgeschichte umstritten, im besten Fall nicht gern gesehen. Lokalpolitiker aus Berlin, wo der österreichische Unternehmer die halbe Stadt umkrempeln will, sehen die jüngsten Korruptionsvorwürfe als "Alarmsignal". Katalin Gennburg, Stadtentwicklungs-Sprecherin der Linkenfraktion im Abgeordnetenhaus, plädiert gegenüber dem "Spiegel" dafür, die Zusammenarbeit mit Benko "sofort zu beenden". Seine Methoden bezeichnet sie als "hochproblematisch" und fürchtet, Berlin könne alsbald die "Geisel eines Gangsters sein".

Die jüngsten Untersuchungen in der Signa Holding haben nun auch Investoren verschreckt. So scheint es zumindest. Eine 300 Millionen schwere Signa-Anleihe verlor nach der Durchsuchungsnachricht massiv an Wert. Zwischendurch war das Papier nicht mehr als 55 Cent wert. Zwar wirkt es so, als wären allein die Vorwürfe Schuld an dem Verfall. Tatsächlich stand die Anleihe aber schon davor unter Druck. Grund hierfür könnte auch die unsichere Lage auf dem Immobilienmarkt sein.

Immerhin schaffte es Benko zuletzt die Bedenken der Investoren auszuräumen. Nach einer Vorstellung einer neuen Projektentwicklung gab er zumindest den Anwesenden das Gefühl, ein "richtig guter Verkäufer" zu sein, wie es ein Investor formulierte. Und trotzdem bleibt die Frage, ob Benkos Geschäftsmodell in den nächsten Jahren bestehen kann.

Das Beispiel Galeria Karstadt Kaufhof zeigt eigentlich, dass die Zeit der Riesenketten in Zeiten von Pandemie, Inflation, Krieg, explodierender Energiepreisen und Unsicherheiten auf dem Immobilienmarkt zunehmend dem Ende entgegengeht. Oder zumindest hart kämpfen muss. Dabei geht es vor allem ums Geld, das in finanziell knappen Zeiten nicht mehr ganz so locker fließt.

Quellen: Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), Capital.de, "Der Standard", "Der Spiegel", "Süddeutsche", mit Material von DPA

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