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Aufgrund anhaltender Hitze: Pommes, Milch, Gemüse: Welche Produkte durch die Dürre teurer werden könnten

Die Trockenheit und Hitze in Deutschland hält weiter an. Bauern sind um ihre Ernten und Erzeugnisse besorgt und stellen Preiserhöhungen in Aussicht. Es gibt in der Landwirtschaft aber auch Profiteure des heißen Wetters.

Pommes, Milch, Getreide: Welche Produkte durch den Super-Sommer teurer werden könnten

Vertrocknete Maispflanzen stehen auf einem Feld. Dem Bauernverband zufolge zeichnen sich schon jetzt in Teilen des Landes große Ernteausfälle ab, weil etwa Getreide und Gras nicht ausreichend wachsen.

DPA

Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet angesichts der anhaltenden Trockenheit und Hitze in Deutschland in diesem Jahr mit der "schlechtesten Ernte" des Jahrhunderts. Die Ernteausfälle ziehen sich dabei "durch alle Kulturen hinweg", egal ob Getreide, Raps, Grünfutter oder Kartoffeln, sagte DBV-Vizegeneralsekretär Udo Hemmerling der Nachrichtenagentur AFP. Bis auf Regionen ganz im Süden sei praktisch das gesamte Bundesgebiet betroffen.

Das könnte Auswirkungen auf die Produktpreise haben. So fordert etwa die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) unlängst höhere Preise für Agrarprodukte wegen der Hitze. "Eine existenzbedrohliche Krise kann nur gemildert werden durch eine schnelle und faire Anhebung der Erzeugerpreise." 

Dürre in Deutschland könnte Produktpreise erhöhen

So haben etwa die Milchbauern angesichts der anhaltenden Dürre deutlich höhere Milchpreise gefordert. "Nötig wären 41 Cent pro Liter", sagte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Hans Foldenauer, dem "Tagesspiegel". Bundesweit würden im Schnitt derzeit aber nur 31 bis 32 Cent gezahlt. Die anhaltende Hitze in Deutschland macht vielen Bauern zu schaffen, weil sie wegen der schlechten Ernten Futter zukaufen müssen. "Auf dem Feld steht nichts mehr", sagte Foldenauer der Zeitung. Dadurch hätten die Bauern steigende Kosten, aber es fehlten die nötigen Mittel. Viele Milchkühe, die für die Milchproduktion nicht mehr gebraucht würden, würden deshalb jetzt früher geschlachtet als vorgesehen, sagte der Verbandssprecher. Staatliche Hilfen lehnte er allerdings als "Heftpflasterpolitik" ab. "Die paar Euro vom Staat können unsere höheren Kosten nicht abdecken", sagte Foldenauer.

Auch Kartoffeln und Kartoffelprodukte könnten wegen der schlechten Kartoffelernte teurer werden: Die kartoffelverarbeitende Industrie warnt vor Qualitätsproblemen und drohenden Engpässen. Mit der Trockenheit spitze sich die Lage "dramatisch" zu, hieß es in einer Stellungnahme des Bundesverbands der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK). Schon jetzt werde mit Ernteausfällen bei Kartoffeln von bis zu 40 Prozent gerechnet, berichtete BOGK-Geschäftsführer Horst-Peter Karos. "Wenn kein Wetterumschwung kommt, ist die Missernte da", sagte Karos. Aufgrund der Dürre gerieten die Kartoffelpflanzen vermehrt unter Stress und stellten das Wachstum ein, sodass die Knollen klein blieben. Auch eine Beregnung - sofern überhaupt möglich - nütze wenig. Vor allem Knollen in Übergröße, wie sie etwa zur Produktion von Pommes Frites, Chips und Kartoffeltaschen benötigt würden, seien bereits jetzt auf zahlreichen Böden kaum oder gar nicht mehr vorhanden.  

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte, sie sei "sehr besorgt über die Auswirkungen der Dürre, unter der viele Bauern vor allem im Norden und im Osten Deutschlands leiden müssen". Die Lage sei alarmierend: "Es zeichnen sich geringere Getreideerträge, starke Trockenschäden bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben ab. Viele Viehhalter haben Not, ihre Tiere zu versorgen, weil das Gras als Futter fehlt." Eine kleine Entlastung sei für den einen oder anderen Bauern, dass die Erzeugerpreise um etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen seien. Das komplette Bild dürfte erst nach der Erntebilanz Ende August vorliegen. Klöckner kündigte an: "Auf dieser Grundlage werden wir die Entscheidung möglicher Hilfen - zusätzlich zu den bereits bestehenden - treffen können, die gegebenenfalls der Bund mit den Ländern zusammen anbieten kann."

Auch bei Herbstgemüse könnte es zu Preissteigerungen kommen - vor allem bei Bohnen und Erbsen, die sich über den Regen regenerieren. Hier werden Ernteminderungen von bis zu 50 Prozent befürchtet. Die Hersteller könnten dabei sowie bei anderen Frischeprodukten Probleme bekommen, ihre Lieferverträge mit dem Handel einzuhalten, fürchtet Freitag. Hemmerling vom DBV sagte dazu, das Ende sei noch nicht genau absehbar, Preissteigerungen sehe er aber ebenfalls bereits bei Kartoffeln sowie an den Getreidemärkten.

Bier-Brauer und Winzer können kaum meckern

Es gibt in der deutschen Landwirtschaft aber auch Profiteure des heißen Wetters. So startet die Traubenlese in diesem Jahr schon Anfang der kommenden Woche (6. August) - und damit so früh wie nie zuvor. "Der Entwicklungsstand der Reben ist dem 30-jährigen Mittel um gut drei Wochen voraus", teilte das Deutsche Weininstitut mit. Die bisherige Rekordmarke hatten die Jahre 2007, 2011 und 2014 mit einem Lesebeginn jeweils am 8. August gehalten. Die ersten Trauben der diesjährigen Lese gehen in die Federweißer-Produktion. Auch manchen Obstbauern kommt die trockene Hitze derzeit eher entgegen.

Das weitgehend trockene und heiße Sommerwetter hat auch den Absatz von Bier in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 angetrieben. Die produzierte Menge stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent auf 47,1 Millionen Hektoliter, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Daran änderte auch die aus Sicht der deutschen Nationalmannschaft verpatzte Fußball-WM wenig.

"Letztlich ist das Sommerwetter für den Bierabsatz entscheidender - und das spielt in diesem Jahr mit", erklärte der Deutsche Brauer-Bund. Vor diesem Hintergrund blickten die Unternehmen weiterhin optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. Dazu dürften auch die höheren Preise beitragen, die die Branche seit dem Jahresbeginn im Handel durchgesetzt hat. Im Juni mussten die Biertrinker im Schnitt 4,1 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor, haben die Testkäufer des Statistikamtes festgestellt.

Deutscher Bauernverband fordert finanzielle Hilfe

Die wochenlange Dürre könnte aus Sicht des Deutschen Bauernverbands (DBV) viele Landwirte ohne rasche Hilfe in Existenznöte treiben. Präsident Joachim Rukwied appellierte vor Beratungen über die Folgen der starken Ernteeinbußen in dieser Woche an die Politik, betroffene Betriebe finanziell zu unterstützen. "Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen", sagte er der Funke-Mediengruppe. Betriebe, deren Erträge um mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegen, müssten direkte Hilfen erhalten. 

Das derzeitige Wetter "geht an die Existenz vieler Betriebe, weil sie ein ganzes Jahr in ihre Ernte investiert haben und jetzt nichts zurückbekommen", sagte DBV-Vizegeneralsekretär Udo Hemmerling zur Begründung. Die Milliarde sei dabei eine Schätzung, der eigentliche Schaden werde "das Mehrfache betragen".

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fs / DPA / AFP