Bei verdächtigen Beschwerden sollten Betroffene sofort einen Hautarzt oder Allergologen aufsuchen. Er versucht zu bestimmen, ob und welches Medikament für die jeweilige Reaktion verantwortlich ist und welcher Mechanismus zugrunde liegt. Dadurch lässt sich das Risiko für künftige Kontakte mit dem auslösenden Arzneimittel abschätzen.
An erster Stelle der Ursachenforschung steht eine ausführliche Anamnese. In diesem ersten Gespräch zur individuellen Krankengeschichte will der behandelnde Arzt vor allem folgende Fragen klären:
Bei der Anamnese sind vor allem jene Präparate wichtig, die in den letzten vier Wochen vor Ausbruch der Beschwerden neu eingenommen wurden. Oft sind diese Arzneimittel für die Symptome verantwortlich, auch wenn sie zunächst einige Tage problemlos vertragen wurden.
"Nach Abklingen der Beschwerden und nach Absetzen der Präparate sollte der Patient allergologisch getestet werden - sehr gründlich und bis maximal sechs Monate nach Auftreten der Symptomatik", sagt Allergologe Merk. "Danach nimmt die Aussagefähigkeit der Resultate erheblich ab." Die allergische Reaktion kann nicht nur durch den Wirkstoff des jeweiligen Präparates, sondern auch durch darin enthaltene Hilfs- und Zusatzstoffe, etwa Farbstoffe, verursacht werden.
Um dem Auslöser auf die Spur zu kommen, setzt der Allergologe vor allem Hauttests, Lymphozyten-Transformationsstests (LTT) und Bluttests ein. Da diese Untersuchungen bisher nur für wenige Substanzen, etwa für Penicilline und lokale Betäubungsmittel standardisiert sind, lassen sie oft keine verlässlichen Schlüsse zu. Bei einer positiven Reaktion im Hauttest kann man zwar von einer Sensibilisierung des Patienten gegenüber der Testsubstanz ausgehen; fehlt die Reaktion aber, lässt sich die Sensibilisierung nicht ausschließen.
So bleibt zur Klärung in bestimmten Fällen, wie bei einer pseudoallergischen Reaktion, nur ein Provokationstest. Hierbei nimmt der Patient das in Frage kommende Präparat unter ärztlicher Aufsicht zunächst in nur sehr geringer Dosis ein, die langsam gesteigert werden kann. Entwickelt er daraufhin erneut Symptome, ist eine Unverträglichkeit gesichert. Nachteile des Provokationstests sind, dass dadurch der für die Reaktion verantwortliche Mechanismus weiterhin unbekannt bleibt und der Test nicht ungefährlich ist. Falls es in der Vergangenheit schon einmal zu schweren Reaktionen bis hin zum allergischen Schock gekommen ist, sollte er, wenn überhaupt, nur in einer Klinik mit entsprechender Notfallversorgung durchgeführt werden.
Eine Variante der allergischen Hautreaktion auf Medikamente ist zum Beispiel die sogenannte fixe Arzneimittelreaktion. Sie tritt nach Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere von nichtsteroidalen Antirheumatika oder Schlafmitteln auf, und zwar immer wieder an denselben Körperstellen. Besonders in den Körperfalten und an den Genitalien bilden sich rundliche, münz- bis handtellergroße, violette bis tiefrote und leicht geschwollene Ausschläge, die bei Abheilung eine schiefergraue Pigmentierung hinterlassen.
Da unerwünschte Arzneimittelwirkungen mitunter die gleichen Beschwerden hervorrufen können wie andere Krankheiten, sollten neben dem Medikament auch weitere Ursachen in Betracht gezogen werden. Entzündliche Veränderungen auf großen Flächen der Haut kommen zum Beispiel auch bei Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln, Scharlach oder Dreitagefieber vor. Im Gegensatz zu den arzneimittelbedingten Beschwerden werden diese Hautläsionen von Mikroorganismen wie Bakterien und Viren verursacht.