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6. April 2010, 14:20 Uhr

Mini mit Familienanschluss

"Autodesign ist nicht Kunst sondern harte Arbeit!" – Gert Volker Hildebrand, Mini-Designchef, erklärt, warum der Countryman noch ein echter Mini ist und welche Essentials, aus einem Auto erst einen Mini machen.

Mini Countryman, BMW, Mini Design

Der Countryman gehört schon jetzt zu den Stars der Sommersaison© Hersteller

Herr Hildebrand, auf der Autoshow in New York ist er einer der Neuheiten und in diesem Sommer kommt er auf den Markt: Der Mini Countryman. Was ist an dem Gelände-Mini anders?

Der Mini Countryman ist ein völlig neues Konzept. Es ist der erste Mini über vier Meter, er hat vier Türen, vier Sitze, ein Helmdach und wird optional mit Vierradantrieb angeboten. Das vierte Mitglied der Mini-Familie steht höher, die Grafik der Leuchten ist anders und er hat eine erhöhte Sitzposition. Wir haben diesen Schritt auf der Automobilausstellung in Paris 2008 mit dem "Crossover Concept Car" schon angedeutet.

Was sind aus dem Blickwinkel des Designers die Essentials, die einen Mini, wenn auch größer und höher, noch einen Mini sein lassen?

Letztendlich sind es nicht die Designer, es ist der Kunde, der entscheidet, ob ein Mini noch ein Mini ist. Der bestimmt, ob dieses neue Auto akzeptiert wird. Wir haben das 2001 schon einmal erlebt, als aus einem "Drei Meter Fünf" langen Klassiker ein erwachsenes Auto mit allen Sicherheitsaspekten geworden ist. Damals haben wir uns auch gefragt: Ist das noch ein Mini? Und wir haben mit dem neuen Mini den Zeitgeist getroffen.

Der Mini Countryman hat im Vergleich zum Mini einen ganz anderen Ausdruck in den Augen.

Ja, Sie haben Recht. Bisher präsentierte sich die Mini-Familie etwas weicher im Ausdruck. Der Mini Countryman präsentiert sich insgesamt etwas maskuliner.

Das heißt, die Mini-Familie hat ein männliches Mitglied bekommen. Ist diese Familie beliebig erweiterbar?

Beim Mini Countryman haben wir erkannt, dass viele Mini-Besitzer mit ihrer Familie oder mit ihren Hobbies oder ihrem Freizeitverhalten aus dem ursprünglichen Mini herausgewachsen sind. Die Geschichte der letzten 10 Jahre hat gezeigt, dass der Mini in seinen Varianten akzeptiert wird. Das Cabrio mit seinem Faltdach ist heute eine Ikone. Zwei weitere Modell-Konzepte haben wir vergangenes Jahr auf der IAA gezeigt: den Mini Roadster und das Mini Coupe. Damit werden wir mit dem Mini Countryman, dem Mini Hatch, dem Mini Clubman und dem Mini Cabrio bald sechs Modelle in der Familie haben. Nur zur Erinnerung: Im Frühjahr 2000 stand auf der Automobilausstellung in Paris ein einziges Fahrzeug auf der Bühne.

Was verbindet die Mini-Modelle der Flotte und was unterscheidet sie?

Raymond Loewes prägte das Design Theorem: MAYA- Most Advanced, Yet Acceptable - äußerst fortschrittlich, aber immer noch annehmbar. Es muss genug Verbindungselemente geben, damit es ein Mini ist und genug Unterscheidungsmerkmale, damit jedes Produkt für sich alleine stehen kann.

Beim Mini sind das drei Dinge, die die Gemeinsamkeiten schaffen. Erstens die Proportionen, die kurzen Überhänge, das Verhältnis, das der Autokörper zur Reifengröße hat.

Zweitens die Skulptur. Die ganze Skulptur ist speziell. Der Mini hat eher eine weiche, erotisch feminine Muskulatur und zeigt keine Ecken und Kanten. Die Proportion hingegen ist eher stabil männlich. Als Drittes wären die grafischen Elemente zu nennen. Die typischen Leuchten, der sechseckige Grill, die Chromelemente wie der Griff und der Spiegel. Die grafischen Elemente sind eher kindlich verspielt. Diese drei Elemente sind "Human Body Archetyps". "Mann - Frau - Kind" entsprechen der Proportion, der Skulptur und der Grafik.

Verbirgt sich beim Mini über das Design- und Fahrkonzept hinaus eine Weltanschauung?

Der Mini ist natürlich in erster Linie ein Fahrzeug, aber bei den Mini-Kunden hat sich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Design, Ausdruck und Agilität des Fahrens stellen mehr Persönlichkeit dar, als bei anderen Autos. Aus dieser Formgenese, diesem menschlichen Antlitz gibt es die Antizipation: "Mensch - Nutzer – Fahrzeug". Das heißt: Beim Mini identifiziert sich der Kunde mit dem Charakter des Fahrzeugs. Das ist dann schon eine Weltanschauung. Das sieht man vor allem auf den Mini-Treffen, dass die Kunden sich etwas mehr mit ihrem Produkt identifizieren, als bei anderen Autos.

Mini heißt "klein". Welche Herausforderung stellt sich an den Designer, um das Prädikat "klein" zu verdienen und zu erhalten? "Klein" ist kein absolutes Mass. Das Besondere am Mini ist der nicht verschwendete Raum. Der klassische Mini war Drei Meter Fünf. Der heutige Mini ist Drei-Meter-Fünfzig und der Mini Countryman ist Vier-Meter-Zehn. Ein Mini hat den größtmöglichen Innenraum zur Außengröße, das bedeutet "klein" beim Mini. Wenn sie sich in den Mini Countryman setzen, werden sie das sofort spüren. "Klein" heißt auf gar keinen Fall "Verzicht".

Das Buch zum Thema

Das Buch zum Thema Mini Designer Gert Volker Hildebrand und Design Professor Otmar Wickenheiser haben auf über 400 Seiten in 25 Kapiteln und in umfangreichen Designschritten den Mythos Mini nachgezeichnet. "MINI DESIGN –Past Presence Future" ist im Motorbuch Verlag erscheinen und kostet 98 Euro

Marina Kramper
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
dist-bln (09.04.2010, 12:47 Uhr)
MINI- "Verbrauch"
zu den aktuellen MINI- Motoren... bzw. dem aktuellen MINI
ein Freund fährt einen neues Mini- Cabrio mit 90 PS- trotz Start-Stopp+ anderer Sparmaßnahmen und obwohl er kein Raser o.ä. ist, verbraucht er in der Stadt knapp 10 L im Durchschnitt...
eine andere Freundin ebenfalls neuem MINI unterwegs- das gleiche in Grün
LaoLu (09.04.2010, 02:26 Uhr)
DER MINI,
er, das Original, der Einzige, hat nichts, aber auch gar nichts mit kleinen und billigen Autos zu tun, rdiess!
Auch wenn er aus eben diesen Gründen Ihr Erster war.
Der BMC Mini, dieser Geniestreich von Alec Issigonis, war bis Ende des letzten Jahrtausends eben DER Mini, man grüßte sich, und man schlug die Grußhand vor die Augen, wenn einem ein BMW Mini entgegenkam.
Trotzdem muß ich sagen, daß BMW mit ihrem Retro ein pfiffiges Auto mit einem kleinen Quentchen Mini gelungen war.

Das kann man vom abgebildeten Countryman mit Sicherheit nicht sagen.
rdiess (08.04.2010, 14:51 Uhr)
Wer den Namen kauft...
... ist juristisch berechtigt, die Kiste "Mini" zu nennen, moralisch nicht. Der richtige Mini war originell und 1972 mein erstes Auto. Das konnte ich mir für meine damalige Kohle leisten. Wer kann sich heute mit 21 einen "Mini" neu kaufen, wenn er nicht von zu Hause den goldenen Schnuller im Mund hat? Für den Preis des jetzigen "Minis", insbesondere, wenn man einen intensiven Blick in die Aufpreisliste wirft, gibt's heute schon richtige Autos. Wenn Frau Kramper mal journalistisch tätig sein möchte, anstatt sich einen Artikel diktieren zu lassen, empfehle ich ihr, nach den wahren Mini-Nachfolgern Ausschau zu halten. Die gibt es wirklich.
Lazarus09 (08.04.2010, 11:58 Uhr)
** Es ist der erste Mini über 4 Meter **
Das Konzept des Fahrzeugs komplett aus den Augen verloren wie beim Smart 4/4.

Statt Innovation ..BULLSHIT
LaoLu (08.04.2010, 01:39 Uhr)
Autodesign ist was, bitte????
Das, was sich auf dem verwaschenen Foto oben links erkennen läßt, erinnert mich eher an Designversuche chinesischer oder indischer Kleinsthersteller...
Plakatgucker (07.04.2010, 22:37 Uhr)
Rocklängen
Bei Mini muß ich irgendwie immer an Rocklängen denken. Es ist mal wieder Krise.
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