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25. Februar 2009, 14:48 Uhr

Der Trend heißt überleben

Auf deutschen Straßen sterben so wenig Menschen wie nie, trotz immer dichteren Verkehrs. Oft bewahrt die Hightech-Medizin Unfallopfer vor dem Tod, vor allem aber sind es die Hightech-Autos mit ihrer modernen Sicherheitstechnik. Die Überlebenschance ist in einem neuen Fahrzeug ungleich höher als in einem alten - da bekommt die Abwrackprämie einen ganz neuen Sinn. Von Michael Specht

Verkehrstote, Verkehr, Unfallzahlen, Tote

Fahrer konnte nahezu unverletzt aus dem Unfallwagen herausklettern© Lija Peter/DDP

Den derzeitigen Dax-Stand von unter 4000 hat die Zahl der in Deutschland im Verkehr Getöteten noch nicht erreicht, aber sie ist auf dem besten Weg dorthin. Seit Jahren kennt die Kurve nur eine Tendenz: nach unten. Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden sank die Zahl der Verkehrstoten gegenüber 2007 um fast zehn Prozent auf 4500. Das ist erneut der niedrigste Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 1953. Bereits 2007 vermeldete man einen historischen Tiefststand von 4970. Insgesamt zählte die Polizei 2008 in Deutschland 2,27 Millionen Unfälle. 2400 Menschen starben in Pkw, neun Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Technik mindert die Folgen

Noch 1992 lag die Zahl der im Pkw Getöteten bei mehr als dem Doppelten. Doch Jahr für Jahr wurden die Autos sicherer. Sie erhielten neben optimierten Knautschzonen und steiferen Fahrgastzellen auch bessere Bremsen. Das Antiblockiersystem (ABS) war nicht länger der automobilen Oberklasse vorbehalten, sondern hielt sogar Einzug in die Kompakt- und Kleinwagenklasse. Als größter Retter bei Unfällen gilt jedoch der Sicherheitsgurt, heute durchweg gekoppelt mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer. Und schließlich half der Airbag, die Zahl der Verletzten und Toten weiter zu reduzieren. In modernen Pkw stecken heute bis zu sieben Airbags. Selbst unter mancher Lenksäule entfaltet sich ein Luftsack, um auch noch die Beine des Fahrers zu schützen.

Unfälle vermeiden

Während die passive Sicherheit im Auto weitgehend ausgereizt ist, konzentrieren sich die Entwickler verstärkt auf die aktive Sicherheit. Hierzu zählt seit gut einem Jahrzehnt der Schleuderschutz ESP, der ins Bewusstsein der Bevölkerung rückte, als die Mercedes A-Klasse 1997 bei einem Ausweichmanöver (Elchtest) umkippte. Fortan rüstete Daimler alle seine Autos serienmäßig mit der modernen Elektronik aus und brachte die anderen Hersteller in Zugzwang. Heute liegt die Ausrüstungsrate beim ESP für Neuwagen bei über 60 Prozent. Noch immer zu wenig, wie die Autoversicherer finden. Besonders Kleinwagen und die sogenannten Utilities (Kastenwagen wie Renault Kangoo, Citroen Berlingo oder Fiat Doblo) werden häufig ohne ESP angeboten. Studien haben ergeben, dass jährlich 37 000 Unfälle mit Verletzten und 1100 Unfälle mit Getöteten in Deutschland vermieden werden könnten.

Sicherheitsvorreiter E-Klasse

Jetzt startet die nächste Generation der Fahrerassistenz-Systeme. "Das Ziel heißt Unfallvermeidung", sagt Dr. Joerg Breuer von Mercedes-Benz. In der neuen E-Klasse können (gegen Aufpreis) zum Beispiel Sensoren nicht nur Temposchilder lesen, Fußgänger bei Nacht erkennen, den Toten Winkel und die Spurhaltung überwachen, das Licht automatisch der Umgebung anpassen, sondern auch den Abstand zum Vordermann messen und im Notfall sogar eine Vollbremsung auslösen. Selbst die Müdigkeit des Fahrers wird überwacht. Wird sein Fahrstil auffällig, erscheint im Display das Symbol einer dampfenden Tasse Kaffee.

Nicht nur Autotechnik hilft

Doch nicht nur die Technik der Autos hilft, Unfälle zu vermeiden oder abzumindern. Auch der Straßenbau trägt dazu bei, dass weniger passiert. Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ereignen sich jährlich knapp 50.000 Unfälle mit Personenschäden, weil Autos von der Straße abkommen. So sollen nun vermehrt Rüttelstreifen am Fahrbahnrand eingefräst werden. Einfluss auf die Reduzierung von Unfalltoten aber hat nicht zuletzt auch die medizinische Versorgung. Dass selbst Schwerstverletzte überleben, denen Ärzte früher keine Chance mehr gegeben hätten, zeigt den hohen technischen Standard in der modernen Medizin.

Weiche Faktoren

Der Einfluss psychologischer Faktoren ist schwerer zu fassen, sollte aber nicht unterschätzt werden. Die Zeiten in denen riskante Überholmanöver generell als "männlich" galten sind vorbei. Auch die Toleranz gegenüber Alkohol am Steuer nimmt ab. Bei den sogenannten Disco-Toten ist dieser Trend noch nicht angekommen, aber der größere Teil der Bevölkerung würde sich heute nicht mehr von einem Betrunkenen kutschieren lassen.

Altwagen können Todesfallen sein

Und schließlich könnte sogar die Abwrackprämie der Bundesregierung eine weitere Hilfe sein, Menschen vor dem Unfalltod zu bewahren. Denn nicht nur auf die Umwelt (und Wirtschaft) hat der Kauf eines Neuwagens einen positiven Einfluss. Auch beim Thema Sicherheit liegen die alten Gurken ganz hinten. Crashversuche, die der stern vor knapp zwei Jahren mit einem Golf I und einem Golf V unternahm, zeigten, dass bei identischen Bedingungen nach EuroNCAP (64 km/h versetzt gegen die verformbare Barriere) die Insassen im neuen Golf nur leichte Verletzungen davon getragen hätten, jene im alten Golf dagegen mausetot gewesen wären.

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Von Michael Specht
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
moorchen (26.02.2009, 11:52 Uhr)
nicht immer sicherer
Wenn ich meinen Passat Bj. 1997 mit ABS und 4 Airbags verschrotten lasse, und mir dafür einen Scoda oder Dacia kaufe, fahre ich besimmt nicht sicherer und entspannter als jetzt. Ausserdem wären dann 6000 bis 7000€ weniger im Portemonais.
Eisenbaer (26.02.2009, 09:39 Uhr)
Ein Wagen der Mittelklasse aus den neunziger Jahren....
...besitzt laut den letzten Crashtestergebnissen des ADAC weniger Sicherheit als ein aktueller Kleinwagen vom Schlage eines Ford Fiestas. Und allen CO2-Fanatikern die immer wieder darauf herumreiten, wie viel CO2 bei der Herstellung eines neuen Fahrzeugs verbraucht würden bitte ich die Gegenrechnung aufzumachen, wie viel CO2 bei der Abarbeitung eines körperlichen Unfallschadens eines Autolenkers anfallen, der statt in einem modernen Fahrzeug in einer alten Rostlaube gesessen hat. Für diesen Mehrverbrauch lassen sich bestimmt eine ganze Menge Neuwagen bauen...
bennibenni (26.02.2009, 00:05 Uhr)
Sicherheit fur Fussganger
Das wahre Problem ist leider nicht die Sicherheit der Autofahrer sondern die der Fussgänger,die 5 Mal öfter verletzt werden von Autos.natürlich die Stossstangen der Autos besser und grösser zu gestalten ware sinnvoll aber erscheint "unschön" fur Autofirmen oder unestetisch ......
stwberlin (25.02.2009, 19:57 Uhr)
Guter Kompromiss
Ein Artikel, der die vielen Ursachen eines erfreulichen Phänomens zu fassen versucht, und der dennoch recht kompakt ist. Ein guter Kompromiss !
.
Den anderen Kommentatoren : wenn moderne Autos wesentlich sicherer sind als alte, aber zu aufwändig produziert werden, muss man die Porduktionsverfahren umweltfreundlicher machen. Deswegen ein altes Auto zu fahren ist sträflicher Leichtsinn. Energie ist nahezu ungebrenzt vorhanden, solange die Sonne scheint, das Material eines KFZ kann heutzutage zu weit über 90% recycled werden - bleibt also nur der CO2-Austoss als Problem, wenn das denn überhaupt nachweislich eins wäre...
107Summer (25.02.2009, 19:22 Uhr)
@hevosenkuva
Na ja, nicht jedes neue Auto ist ein getarnter Ferrari, der nur konstruiert wurde, um damit rumzurasen, auch wenns Spass macht.
Ansonsten gebe ich ihnen Recht: Jedes neue, anstelle eines alten Autos, kostet Resourcen und schädigt die Umwelt. Da aber eine Marktwirtschaft entsprechenden Umsatz voraus setzt, kommen wir nicht drumrum weiter zu produzieren. Oder wollen Sie die Marktwirtschaft abschaffen?
Als Techniker kann ich ihnen sagen, dass es ohne weiteres möglich ist Fernseher für 15 Jahre Betrieb auszulegen, Autos könnten für 30-40 Jahre ausgelegt werden, von anderen Dingen ganz zu schweigen, allerdings müsste man die Preise entsprechend korrigieren und nicht vergessen: Autos kaufen keine Autos, entweder hat man kein Geld, um sich ein so teures Umwelt-Auto zu kaufen oder aber die Dinger stehen sich auf der Halde die Reifen platt, weil kaum eine Nachfrage vorhanden ist (alle 30 Jahre ein neues Auto kaufen, wovon soll die Wirtschaft lebeb?).
Deswegen sind Autos der späten 90er Jahre die langlebigsten überhaupt, alles was danach kam wurde dermaßen mit Elektronik vollgesopft, dass es einem finanziellen Selbstmord gleich kommt, die Dinger länger als 8 Jahre zu fahren. Sozusagen ein künstliches pushen des Marktes. Marktwirtschaft halt.
Umweltschutz setzt Planwirtschaft voraus, aber dann würde es uns Menschen deutlich schlechter gehen, deshalb wird auch in Zukunft alles rücksichtslos in Grund und Boden produziert werden, Börse und Wirtschaftswachstum setzt entsprechden Umsatz, auch mit Rohstoffen, voraus.
hevosenkuva (25.02.2009, 19:00 Uhr)
neu macht schon Sinn
Bei der Produktion eines Neuwagens wird so viel CO2 freigesetzt, Energie verbraucht und Ressourcen verschlungen, das würde zum jahrelangen Betrieb mehrerer Gebrauchtwagen reichen.

Und man kann natürlich viel besser durch die Gegend rasen und seine Individualität ausleben. Autofahren ist Lebensfreude. Wenn dabei der eine oder andere Gegner auf der Strecke bleibt, Pech. Sie hätten ja Auto fahren können statt Fahrrad oder uralte Blechkisten.

Eine aktive Lebensführung braucht ein entsprechend agiles, turboschnelles und richtungsweisendes Gefährt (von Gefährte = Geselle, Kamerad).

107Summer (25.02.2009, 17:57 Uhr)
neu hat schon Sinn
verstehe diese Youngtimer Nostalgiker nicht, sie buttern Unmengen an Geld in ihre Schlitten rein und meinen dass sei cool, dabei sind ihre hochgeputzten Käfer, Minis, Kadets oder Golf 1 im Falle eines Unfalls, nichts weiter als rollende Särge. Menschen die natürlich gezwungen sind solche Rostlauben zu fahren, tun mir sehr leid.
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