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28. August 2010, 10:32 Uhr

Vom Festival zum Surfstrand im Luxus-Camper

Mit dem eigenen Wohnmobil auf Reisen gehen ist der Traum vieler Urlauber. stern.de-Redakteur Gerd Blank hat die Komfort-Version des T5 von VW getestet und verrät, ob das Gefährt als Surfmobil taugt oder doch eher ein mobiles Rentnerglück ist.

Als mir das Autoressort für ein Festivalwochenende ein Wohnmobil zu Testzwecken avisiert hatte, war ich glücklich - schließlich heißt mein Festival der Wahl seit Jahren "Hurricane" - und der Name ist dort auch seit Jahren schon Programm. Also diesmal kein Zelt, das nach drei Tagen Regen und Rockmusik erst einmal tiefengetrocknet werden müsste.

Vor knapp einem Jahr bin ich das erste Mal mit einem T5 ein paar Tage unterwegs gewesen. Daher war ich ganz zufrieden mit der Wahl meines Kollegen: ein VW T5 California Comfort. Ich hatte aber keine Ahnung, wie komfortabel Camping mit solch einem Fahrzeug tatsächlich werden könnte.

Das Fahrzeug ist ein echtes Raumwunder, das Platzangebot überzeugte sofort. Insgesamt vier Personen können mit dem California auf Reisen gehen, für jeden gibt es einen eigenen bequemen Sitz mit Gurt. Das ist nicht selbstverständlich für Wohnmobile, oft dürfen nur Fahrer und Beifahrer in der Kabine Platz nehmen. Jeweils zwei Personen müssten sich einen Schlafplatz teilen, zwei im Fahrgastraum auf den umklappbaren Hinterplätzen und zwei im "ersten Stock". Der California verfügt über ein Hochstelldach unter dem sich ein bequemes Lattenrostbett befindet. Allerdings handelt es sich im Prinzip nur um ein Zeltaufbau, was für keinerlei Schallschutz sorgt.

Viel Platz für zwei Personen

Auf dem Festival waren wir nur zu zweit, daher war das Platzangebot mehr als ausreichend. Normalerweise nehme ich zum Festival ein Pavillon-Zelt mit, diese Aufgabe erfüllte die am California montierte Markise. Auch auf einen Tisch und Stühle konnte ich getrost verzichten, diese waren ebenfalls bereits im Wagen dabei: Der Tisch steckte in der seitlichen Tür und die beiden Klappstühle in der Heckklappe.

Beim California wird jeder verfügbare Platz mehr oder weniger sinnvoll genutzt. Überall befinden sich Fächer, Schränke, Ablageflächen und Stauraum. So musste ich mir keine Gedanken machen, ob ich meine Ausrüstung überhaupt verstauen konnte. Doch das war längst nicht alles. Der Gasherd mit zwei Kochstellen, ein kleines Waschbecken und eine großzügige elektrische Kühlbox bildeten die komfortable Küchenzeile. Apropos Kühlbox: Auch ohne externen Stromanschluss blieben Bier und Fleisch bis zu zwei Tage kalt. Kühlung und Hochstelldach werden über einen Bordcomputer gesteuert.

Der Innenraum des T5 lässt sich fast komplett durch Rollos oder spezielle Stoffvorhänge vor fremden Blicken schützen. Auch die Soundanlage mit eingebautem Navigationssystem weiß zu beeindrucken.

Fahren wie im Pkw

Normalerweise fahre ich einen Polo, ich bin also Volkswagen gewohnt. Und obwohl der T5 natürlich deutlich größer als der Polo ist, fühlt sich das Fahren mit dem Bus auf der Strasse an, als ob ich nie ein anderes Fahrzeug unterm Hintern hatte. Es ist wie nach Hause kommen, nur dass man das Zuhause immer dabei hat.

Nach dem Festival ging es gleich weiter an die Nordsee, denn ich wollte herausfinden, ob das Wohnmobil auch für den Surftrip taugt. Ganz klar: Hierfür ist der Wagen nicht ausgelegt. Der Kiteschirm lässt sich zwar prima unter den Hintersitzen verstauen, für das Kiteboard ist dort allerdings schon kein Platz mehr, ich musste es zwischen den Sitzen festkeilen. Als ich mit dem Wagen an die bekannten Surfspots gefahren bin, wurde das Fahrzeug kaum beachtet. Dabei hätte ich eigentlich erwartet, dass man sich die Nase an den Scheiben bei dem herrlichen Gefährt platt drückt. Doch Pustekuchen, die Komfort-Variante des T5 war für die meisten anderen Surfer so interessant wie ein Wanderurlaub im Harz.

Ganz anders beim Einkaufen. Kaum stand der Wagen auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt, kam ein aufgeregter älterer Herr auf mich zu. "Ist das der neue T5?", fragte er mit einem anerkennenden Lächeln und erzählte mir, ohne meine Antwort abzuwarten, dass er ja schon immer VW-Wohnmobile gefahren sei und dass es nichts Besseres gäbe. Auch die Ausstattung gefiel ihm, nachdem er einen Blick in den Innenraum geworfen hatte.

Moderner Luxus für ältere Semester

Okay, ich bin keine Zwanzig mehr, aber ich bin auch noch nicht so alt, dass ich ein Rentermobil fahren will. Ich will ein sportliches, ein schönes und irgendwie cooles Fahrzeug, mit dem ich verreisen kann, in dem ich schlafen kann. Aber halt, all das bietet der T5 in Perfektion. Und doch ist das Interieur ganz klar nicht für meine Altersklasse, sondern für eine ältere Zielgruppe konzipiert. Ein Auto für all jene, denen ein echtes Wohnmobil zu groß und unhandlich ist. Und vor allem ein Auto für all jene, die es sich überhaupt leisten können, dieses Geschoss zu fahren. In der getesteten Ausstattung kostet der T5 California Comfort locker 60.000 Euro.

Wer bequem und flexibel im eigenen Auto verreisen möchte und statt im Hotel lieber in der eigenen Bettwäsche schläft, findet mit dem California Comfort einen tollen Reisebegleiter. Die luxuriöse Ausstattung und das großzügige Raumangebot lassen jedes Camperherz höher schlagen. Auf der Autobahn zahlt sich der starke Motor auf: Der T5 erreichte locker 180 Stundenkilometer. Für ein Spaß- und Surfmobil ist der Camper allerdings dann doch eine Nummer zu teuer. Durch die vorgegebene Raumaufteilung fehlt es zudem an Flexibilität. Dennoch fiel es mir nicht leicht, den Fahrzeugschlüssel wieder abzugeben - denn auch wenn Bequemlichkeit und voll ausgestattetes Campen spießig sein mag, man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Gerd Blank
 
 
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