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VW T5 Multivan: Groß(t)raum-Transporter

"Der Multivan-Fahrer schließt einen Bund mit den modernen Nomaden...", verkünden die VW-Autobauer in der Pressemitteilung, die sie ihrem neuen T5 Multivan mit auf den Weg gegeben haben. Die komfortable Version des schlichten VW-Buses ist ein großer Wurf - auch ohne das sinnfreie Geplapper seiner Schöpfer.

Große Worte für ein großes Auto: "Der Multivan-Fahrer schließt einen Bund mit den modernen Nomaden...", verkünden die VW-Autobauer in der Pressemitteilung, die sie ihrem neuen T5 Multivan mit auf den Weg gegeben haben. Die komfortable Version des schlichten VW-Buses ist ein großer Wurf - auch ohne das sinnfreie Geplapper seiner Schöpfer.

Dezentes Lifting

Optisch gab es für die VW-Designer wenig zu tun. Auch wenn der VW Bus inzwischen "MPV" (Multi Purpose Vehicle) heißt und von den Konzern-Strategen in einer Reihe mit Luxus-Kreuzern wie Phaeton und Touareg geparkt wird - schon immer musste das Design des VW Bus hinter der Funktion zurückstehen. Punkt. So beschränkte man sich auch bei der Entwicklung des T5 darauf, die bekannten Proportionen ansprechend zu verhüllen.

Ist der VW Multivan sein Geld wert?

Schicke Klarglas-Scheinwerfer, glatte Flächen und ausgeprägtere Stoßfänger können die zweckorientierte Herkunft des Multivans dennoch kaum verbergen. Einmal Bulli, immer Bulli. Der neue neue Multivan erinnert an einen, wenn auch sehr stromlinienförmigen, Brotkasten auf vier Rädern. Und das ist gut so. Immerhin gilt es ja einen Ruf zu verteidigen. Der wird unter den jüngsten Renovierungsarbeiten garantiert nicht leiden.

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Luxuriöses Transport-Monster

Die auf den ersten Blick größenwahnsinnige Positionierung neben Phaeton und Touareg ist auf den zweiten Blick gar nicht so abwegig. Mit seinem recht spartanischen Urahn, dem VW Samba Bus, hat der Multi-Transporter außer der zweckorientierten Außenhaut nur noch wenig gemein. Schon seit vielen Jahren kommt es nicht mehr darauf an, möglichst viele Passagiere bequem von A nach B zu bringen. Längst leisten sich Kleinfamilien und sogar Singles den Multivan als luxuriöses Transport-Monster für jede Gelegenheit. Dafür dürfen dann auch ein paar Euro mehr auf der Rechnung stehen.

Platz satt

Dank seiner Ausmaße hat sich der Mutlivan längst aus der Riege der Mini-Vans verabschiedet. Bei einer Länge von 4,89 Metern wird die Fahrt ins Parkhaus zur echten Mutprobe. Dafür entschädigt ein beinahe konkurrenzloses Platzangebot. Von der knackigen Enge, mit der vor allem Fond-Passagiere in Mini-Vans oftmals zu kämpfen haben, können sich Multivan-Passagiere nur berichten lassen. Nun soll zum reichhaltigen Platzangebot auch noch echtes Wonzimmer-Feeling hinzukommen. Ganz so, wie in den übrigen VW-PKWs, zu denen der Multivan noch immer nicht gehören darf. Nach wie vor wird der Luxus-Laster von der VW-Nutzfahrzeugsparte in Hannover auf die Räder gestellt.

Aufgepeppte Ausstattung

Dementsprechend wenig ist vom robusten Charme des VW-Transporters geblieben. Billige Plastikabdeckungen und das einst spartanische Armaturenbrett erstrahlen im wohnlichen Charme von Softlack, hochwertigen Materialien und allerlei elektronischen Lebenserleichterern. So sind im Multivan höhenverstellbare Sitze, Joystick-Schaltung und ein mehrfach variables Lenkrad ebenso selbstverständlich, wie diverse Cupholder und eine Klimaanlage. Außerdem gibt es ohne Aufpreis zwei Einzelsitze in der zweiten Reihe, eine Liegesitzbank, Zentralverriegelung und einen Seitentisch ohne Aufpreis. Mit Zweiliter-Vierzylinder-Triebwerk kostet der Standard-Multivan üppige 32.900 Euro - und bleibt damit nach wie vor für eine junge Familie kaum zu finanzieren.

Komfort ist teuer

Wobei die knapp 33.000 Euro natürlich nur eine Einstiegsgröße sind. Wer mehr investieren will, kann von der vollen Kreativität des VW-Autobauer profitieren. 2.400 Euro zusätzlich muss man nach Hannover schicken, um mit einem Comfortline-Multivan vorfahren zu können. Dafür wird der "Laderaum" mit Teppichboden ausgekleidet (Kinder-Schoko-Finger aufgepasst), ein weiterer Einzelsitz eingesetzt sowie ein klappbarer Mitteltisch eingebaut. Größte Erleichterung dürfte aber die zweite Schiebetür sein, die beim Basismodell nicht mal auf Wunsch zu bekommen ist.

Noch ist nicht Schluss. Wer 39.600 Euro locker machen kann, darf sich anstatt der kleinen Ferienwohnung auch ruhig einen Multivan mit Highline-Ausstattung ordern. Als Gegenleistung bauen die fleißigen VW-Werker Lederbezüge, Climatronic, Tempomat, Regensensor für die Scheibenwischer und zwei elektrisch zu öffnen und zu schließende Schiebetüren ein.

Munteres Sitze-Schieben

Unabhängig vom Geldbeutel können sich Bulli-Kunden auf ein variables Innenraumkonzept freuen. Rückbank und Einzelsitze sind beim neuen Multivan in so genannten "Trägerschienen" verankert. Dadurch lässt sicht sämtliches Gestühl im Fond hin- und herschieben. Wer nicht unbedingt seinen gesamten Hausstand auf einen Schlag transportieren möchte, schiebt einfach die Sitzreihen zusammen und vergrößert dadurch den Stauraum. Ein Ausbau der hinteren Sitzgelegenheiten ist auch nicht wirklich empfehlenswert. Zwar stehen nach dem Ausbau aller "Möbel" aberwitzige 4.525 Liter Stauraum zur Verfügung - dennoch ist es nicht wirklich prikelnd, 42 Kilo Einzelsitz aus dem VW-Bus zu wuchten. Diesen üppigen Gewichts-Aufschlag muss man für die Ausstattung der Sitze mit Dreipunkt-Gurten bezahlen.

Bisher ein Manko bei den Multivans: die Ablagen. Hier haben die Hannoveraner einen Blick nach Fernost gewagt. Bei japanischen Vans längst Pflicht, wurde nun auch beim Bulli jeder Hohlraum zum Staufach umgebaut. Ob im Fahrzeugboden, unter den Sitzen oder in den Seitenverkleidungen - Unterbringungsmöglichkeiten fürs kleine Reisezubehör gibt es reichlich.

Flott Fortkommen

Kaum Sorgen muss man sich auch ums zügige Fortkommen machen. Zum Start stehen gleich fünf Motoren zur Wahl. Neben den beiden Benzinern (115 bzw. 231 PS) werden wohl vor allem die Diesel-Triebwerke (105, 131 und 174 PS) Freunde finden. Erst recht, da die jeweiligen Spitzenmotorisierungen wahlweise mit Sechsgang-Schaltung oder -Automatik zu haben sein werden.

Verstärkte Gespräche

Wie weit die Ingenieure in ihrem Spieltrieb gehen durften, beweist das Kürzel DVE. Hinter dem "Digital Voice Enhancement" steckt die Lösung für ein Problem, mit dem sich Generationen von VW-Bus-Fahrern anfreunden mussten: dem Geräuschpegel. Bisher war eine stressfreie Unterhaltung zwischen den Fond-Passagieren und der Cockpit-Besatzung nur bei Schritttempo möglich. Beim Beschleunigen und auf der Autobahn gaben Motor- und Windgeräusche den Ton an. Zusätzlich zu aufwendigen Dämm-Maßnahmen und einer komplizierten Fahrwerkstechnik rückt man bei Volkswagen diesem Problem elektronisch entgegen. Sechs versteckte Mikrofone verstärken die Gespräche im Fahrzeug über die Boxen der Musikanlage so stark, dass eine entspanntes Gespräch möglich sein soll. Dabei ist immer nur das Mikrofon aktiv, das dem lautesten Sprecher am nächsten ist. Einziger Haken: um DVE nutzen zu können, ist die Kombination aus teurem Delta-Radio und Navigation nötig.

Motor2.0 Benziner3.2 Benziner1.9 TDI2.5 TDI2.5 TDI
BauartVierzylinderVR6VierzylinderFünfzylinderFünfzylinder
Hubraum1984 cm³3189 cm³1896 cm³2460 cm³2460 cm³
Leistung kW / (PS)85 (115)/170 (231)/77 (105)/96 (131)/128 (174)/
Getriebe5-Gang manuell6-Stufen-Automatik5-Gang manuell6-Gang manuell6-Gang manuell
Leergewicht21842299219922742274
Anhängelast2000 kg2500 kg2200 kg2500 kg2500 kg
Höchstgeschw.163 km/h205 km/h159 km/h168 km/h188 km/h
0-100 km/h17,8 s10,5 s18,4 s15,3 s11,8 s
Verbrauch11,0 l Super12,2 l Super7,7 l Diesel8,0 l Diesel8,0 l Diesel
Preis ab32.900 €45.340 €33.700 €35.500 €
Jochen Knecht
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