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VW T5 Multivan 4Motion: Der Phaeton-Bulli

Allradantrieb, Diesel-Bi-Turbo, Automatik und jede Menge Luxus machen den VW Multivan zu einer der teuersten Kita-Kutschen der Welt. Wer ihn sich leisten kann, merkt schnell: Der Super-Bulli ist jeden Euro wert.

Von Michael Specht

Leiden gewöhnliche Vans unter dem biederen Reihenhaus-Image eines "Soccer-Mom’s-Car", perlt derartige Schmähungen am Volkswagen T5 ab wie Wasser an einer Lotusblüte. Vielleicht liegt das an seiner alten Hippie-Historie, als man mit VW-Bus, Joint und Gitarre noch nach Freiheit und Liebe suchte. Die Aufkleber hießen nicht "Baby on board", sondern "Peace" und "Atomkraft, nein danke".

Heute hat sich der VW T5 nicht nur zum erfolgreichsten Liefer- und Nutzfahrzeug etabliert (50 Prozent Marktanteil in Deutschland), sondern er gilt auch als ein Geheimtipp unter gut situierten Familienvätern (mit drei Kindern oder mehr) oder jung gebliebenen Outdoor-Aktivisten (Surfer, Paraglider, Biker). T5, das Kürzel reicht und jeder weiß, was gemeint ist: Ein Volkswagen in seiner größten Artenvielfalt. Klempner wählen die Kastenform, die Post die Hochdachversion, Hoteliers den Caravelle, Maurer die Pritsche, Camper den California und Papis eben den Multivan.

Wer sich durch die nicht enden wollenden Preislisten und Ausstattungs-Optionen wühlt, braucht dafür ein ganzes Wochenende. Unter den insgesamt 480 Varianten ist eine dabei, die auf der Welt noch ihres gleichen sucht: "VW T5 Multivan Highline 2,0 l BiTDI DSG 4Motion". Übersetzt in ganzen Worten: Das Topmodell der Baureihe Multivan verfügt nicht nur über einen Zweiliter-Commonrail-Diesel, doppelter Turboaufladung und dem Allradantrieb 4Motion in 4. Generation, sondern auch über ein Siebengang-Direktschaltautomatikgetriebe. "So etwas finden Sie bei keinem Mitbewerber", freut sich VW-Marketingleiter Kai Brinkmann.

Winterkorn-Qualität

Der Einstieg in die Highline-Welt des Mulitvans erreicht Premium-Status. Er ist so etwas wie der "Phaeton-Van" von VW. Nichts erinnert hier an Kastenwagen und Kleintransporter. Fahrer und Passagiere empfängt der Duft von Leder. Velours bekleidet den gesamten Boden. Eine 3-Zonen-Klimaautomatik fächelt kühle Luft individuell auch in den Fond. Die seitlichen Schiebetüren öffnen und schließen per Fernbedienung elektrisch, ermöglichen jedem einen würdevollen Ein- und Ausstieg. Die beiden Sitze in der mittleren Reihe lassen sich stufenlos mittels Schienen im Boden verschieben und um 180 Grad drehen. Der T5 Highline gleicht einer Designer-Lounge.

Durchs Cockpit scheint Qualitäts-Fanatiker und VW-Chef Martin Winterkorn persönlich gekrochen zu sein, um Spaltmaße und Materialgüte zu prüfen. Besser verarbeitet ist keine anderer Van in dieser Klasse. Hinzu kommt die Volkswagen-typische Funktionalität. Die klar gezeichneten Analoginstrumente lassen sich sehr gut ablesen, sämtliche Schalter und Hebel intuitiv bedienen. Schnörkel und Schnick-Schnack überlassen die Wolfsburger anderen.

Fahren wie in einer Limousine - nur höher

Wundert es da noch, dass auch das Fahren sich diesem Niveau angleicht? Der T5 lässt sich komfortabel, geschmeidig und handlich wie ein Pkw bewegen - nur man sitzt höher und genießt den besseren Ausblick. 180 PS mobilisiert ein neuer Zweiliter-Vierzylinder-Diesel, dank moderner Common-Rail-Direkteinspritzung und doppelter Turboaufladung. Er ersetzt das alte Fünfzylinder-Pumpe-Düse-Aggregat und schlägt diesen in Leistung, Drehmoment, Laufkultur, Sauberkeit sowie Verbrauch deutlich. Was das Topmodell der Multivan-Baureihe aber einmalig im Segment macht, ist sein Allradantrieb 4Motion in Verbindung mit einem Automatikgetriebe. Aus dem Regal zogen die Techniker jedoch kein konventionelles Wandler-Räderwerk, sondern die Creme des Getriebebaus: das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Damit wechseln die Gänge nahezu unmerklich und im Bruchteil einer Sekunde. Das DSG lässt sich zwar auch manuell bedienen - der Knüppel sitzt griffgünstig nur eine Handbreit vom Lenkrad entfernt -, doch schon nach kurzer Zeit ist man der Spielerei müde und übergibt zurück an den Computer. Dieser findet eh die besseren Schaltpunkte und spart dadurch Sprit.

4Motion für alle Fälle

Vom Allradantrieb selbst ist nichts zu merken - zumindest nicht auf trockenen Straßen - wie wir sie bei einer ersten Testfahrt in Oberbayern hatten. Die VW-Ingenieure sind jedoch stolz darauf, die 4Motion-Technik so weit verfeinert zu haben, dass man jetzt "die kürzesten Reaktionszeiten" gegenüber vergleichbaren Antrieben hat. Weniger als eine hundertstel Sekunde vergeht, bis die Kraft an dem Rad ist, an dem sie gebraucht wird - kürzer als ein Wimpernschlag. 4Motion kann alle Zustände abdecken. Null Prozent vorne und 100 Prozent hinten und umgekehrt. 50:50 oder sämtliche Verhältnisse dazwischen.

Der Luxus-Liner unter den T5-Modellen bleibt ein außergewöhnliches Auto. Dass nicht all zu viele Väter sich ihn gönnen werden oder gönnen können, dafür sorgt auch sein außergewöhnlicher Preis. 58.536,10 Euro. Das schafft nicht einmal Mercedes mit seinem besten Viano mit Sechszylinder und Automatik. "Der hat auch keinen Allradantrieb und ist nicht so üppig ausgestattet", sagt VW-Mann Kai Brinkmann.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.