Ich kann Ihnen nicht sagen, wer am Ende übrig bleiben wird - Google oder irgendein Unternehmen, das es heute noch gar nicht gibt. 1983 hätten Sie vielleicht gesagt: "Lotus! Denen gehört die Zukunft!" Es ist sehr schwer, Voraussagen über den Erfolg einer einzelnen Firma zu treffen. Google könnte durch einen Fehltritt genauso verschwinden, wie Lotus verschwunden ist. Sicher scheint mir, dass wir in den nächsten fünf Jahren eine massive Marktbereinigung sehen werden.
Ich glaube, es gibt eine enorme Chance, das Prinzip der Live-Software und der kollektiven Intelligenz auf weite Teile unseres Lebens zu übertragen. Nehmen Sie Ihr Mobiltelefon: Wie sähe ein Web-2.0-Handy aus? Das hat nichts mit Facebook zu tun; mir geht es um das Adressbuch, um die Liste der Telefonnummern. Im Augenblick steht da vielleicht: "Dies sind Ihre zehn jüngsten Anrufe." Was ist mit den anderen tausend passiert? Die sind alle in der Datenbank des Mobilfunkanbieters gespeichert - warum werden sie dort versteckt? Der Anbieter weiß, wen ich anrufe, er kennt mein soziales Netzwerk. Warum nutzt er es nicht? Ein Web-2.0-Telefon könnte zum Beispiel sagen: "Hier sind Ihre Top-Kontakte, hier ist eine Liste von Leuten, mit denen Sie lange nicht mehr gesprochen haben, und dies sind Kontakte, deren Telefonnummer sich geändert hat." Für Banken gilt Ähnliches. Ich bin ein Investor von Wesabe, einer Online-Community rund um persönliche Finanzen. Da erfahren Nutzer zum Beispiel, dass ihre Nachbarn, die beim Supermarkt um die Ecke einkaufen, im Durchschnitt 20 Dollar weniger ausgeben als sie selbst bei einer anderen Kette.
Von Nutzern, die ihre Kontoauszüge, Kreditkarten-Abrechnungen und andere Finanz-Informationen bei Wesabe eingeben. Der persönliche Datenschutz ist gesichert, aber es können allgemeine Erkenntnisse gewonnen werden, von denen alle profitieren.
In den meisten Fällen sind die Daten ohnehin längst irgendwo gespeichert. Das Internet macht nur deutlich, wie wenig Privatsphäre wir inzwischen haben. Natürlich haben Sie Recht: Viele Menschen machen sich deshalb Sorgen. Aber im Allgemeinen nimmt man gewisse Abstriche in Kauf, wenn man sich Vorteile davon verspricht. Ich nutze zum Beispiel einen Dienst namens Doppler - ein großer Hit unter Vielreisenden. Man gibt ein, wohin man fliegt, und kann sehen, ob Freunde und Bekannte zufällig ebenfalls in der Stadt sind. "Oh, du bist auch in Tokio! Super." Oder schauen Sie sich Google an: Es gibt viel Aufregung darüber, was Google alles über uns weiß. Du lieber Himmel! Direktmarketing-Firmen hier in den USA wissen mindestens genauso viel über uns. Aber der Unterschied ist, Google stellt mit seinem Wissen etwas Nützliches an und lässt sich Dinge einfallen, die unser Leben leichter machen. Deshalb haben am Ende viele Menschen kein Problem damit. Es ist ein kleines Opfer der Privatsphäre, gewiss, aber so tasten wir uns Stück für Stück an Grenzen heran. So ist das immer bei Erfindungen, die sich durchsetzen: Sie verändern auch unsere Kultur.
Ich glaube, Computer werden zunehmend mit der Welt um uns herum verschmelzen und sie grundlegend verändern. Der Gedanke, dass man sich vor einen Bildschirm setzt und mit Tastatur und Maus arbeitet, wird uns schon in wenigen Jahren sehr altmodisch vorkommen. Schauen Sie sich nur Nintendos Wii-Spielekonsole an, die man mit Gesten steuert, oder Apples iPhone, das auf Fingertippen reagiert. Auch Spracheingabe wird sicher dazukommen. Wir werden mit unseren Computern reden, wir werden ihnen zuwinken, und all das wird mit Web-2.0-Diensten zusammenwachsen. SAP hat eine experimentelle Software entwickelt, bei der Gebäude mit Sensoren ausgestattet sind und Daten an die "Second Life"-Community weitermelden. Wenn also im wirklichen Leben eine Tür aufgemacht wird, öffnet sie sich automatisch auch bei Second Life. Das ist ziemlich cool.
Ich habe festgestellt, dass technische Revolutionen oft damit beginnen, dass Menschen aus Spaß an etwas Neuem herumbasteln. Denken Sie nur an die Anfänge des PCs: Steve Wozniak baute den ersten Apple-Rechner daheim in der Garage zusammen. Ich nenne das gern "die Alpha-Geeks beobachten". Den Jungs geht es ums Vergnügen - erst später kommen die Unternehmer und machen ein Geschäft daraus. Wir bei O'Reilly schauen uns das alles an, und wenn wir irgendwo besonders viel Begeisterung entdecken, schauen wir genauer hin und fragen: Was ist da los?
Als wir von der Ostküste zurück nach Kalifornien gezogen sind, sagte meine Frau: "Ich möchte irgendwo leben, wo ich gar nicht mehr in Urlaub fahren will, weil es so schön ist." Und dies ist wirklich eine der schönsten Ecken der Welt. Wir genießen es hier sehr, und ich glaube, es hat uns sogar genützt, vom Silicon-Valley-Rummel so weit weg zu sein. Es gibt uns als Beobachter eine besondere Perspektive.