Google bricht mit der Gratiskultur

31. Oktober 2011, 11:02 Uhr

Google erschließt sich neue Einnahmequellen. Weitgehend unbeachtet hat der US-Internetkonzern vor wenigen Tagen auf seiner Website neue Nutzungsbedingungen für den Kartendienst Maps veröffentlicht. Unternehmen müssen nun in die Tasche greifen. Von Bernhard Hübner

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Google Maps - in Zukunft für Unternehmen kostenpflichtig©

Viele Unternehmen dürfen Google Maps seit Anfang Oktober nur noch gegen Bezahlung in ihre Webseiten einbinden. Die Entscheidung markiert einen Kulturbruch für die gesamte Branche. Lange hatte Google mit seinen Gratisangeboten die Internetindustrie und die Erwartungen der Nutzer geprägt. Mittlerweile aber suchen viele Anbieter nach neuen Umsatzquellen abseits des traditionellen Anzeigengeschäfts und erwägen Bezahlmodelle.

Googles Vorpreschen zeigt, dass der Konzern seine Abhängigkeit vom Anzeigenverkauf verringern will. Das Unternehmen wird von Anlegern und Analysten häufig für diese einseitige Ausrichtung kritisiert: Im dritten Quartal stammten nur vier Prozent der 9,7 Mrd. Dollar Umsatz aus anderen Quellen. Maps finanziert Google bisher vor allem mit lokalen, in die Karten eingebundenen Werbeeinblendungen. In einem Blogeintrag beschrieb Maps-Produktmanager Thor Mitchell die Umstellung als notwendig, um die "langfristige Zukunft" des Dienstes zu sichern.

Eine kommerzielle Nutzung von Maps ist künftig nur für bis zu 25.000 Seitenaufrufe am Tag kostenlos. Bei höheren Werten will Google 4 bis 10 Dollar je 1000 Aufrufe berechnen. Dabei wird nicht gezählt, ob oder wie oft Nutzer eine Karte anklicken, sondern wie viele Nutzer eine Seite öffnen, auf der die Karte angezeigt wird.

Gnadenfrist bis 2012

In dem vergangene Woche veröffentlichten Blogeintrag räumte Google Kunden eine Gnadenfrist ein: "Wir werden Ihre Kreditkarte mit der zusätzlichen Nutzung dann belasten, wenn wir ab Anfang 2012 die Nutzungsbeschränkungen durchsetzen", schrieb Mitchell. Unternehmen könnten dann die Gebühren bezahlen, eine Maps-Premier-Lizenz für mindestens 10.000 Dollar jährlich erwerben - oder die Kartennutzung reduzieren.

Es ist das erste Mal, dass Google ein Gratisangebot für bestehende Kunden kostenpflichtig macht. Bislang ist Maps für alle öffentlich zugänglichen Internetseiten kostenfrei. Bezahl-Websites hingegen müssen Gebühren entrichten, ebenso Kunden, die Zusatzfunktionen nutzen wollen.

Die Neuregelung kann deshalb für Tausende Internetunternehmen weltweit teuer werden. Die deutsche Privatzimmervermittlung Wimdu, im Frühjahr von den Samwer-Brüdern gegründet, droht mit einer Abkehr von Google Maps: "Wir ziehen in Betracht, den Anbieter zu wechseln, wenn Google nicht von seinem Vorhaben zurücktritt oder besondere Konditionen anbietet", sagte Wimdu-Entwicklungschef Frederik Vollert der "Financial Times Deutschland". Google verkündete via Twitter, betroffen seien "nur die obersten 0,35 Prozent" aller Websites.

Bing und Nokia warten schon

Das Bezahlmodell könnte Google Marktanteile kosten. Der Konzern ist die Nummer eins bei Online-Landkarten. Tausende Unternehmen von Reiseanbietern über den Rabattdienst Groupon bis zum Empfehlungsportal Qype benutzen Google Maps als zentrales Element ihres Onlineauftritts. Microsoft versucht aber schon länger, Google mit dem eigenen Bing-Kartendienst Nutzer abzujagen.

Geschäftskunden schätzen zwar die einfache Handhabung von Google Maps. So ist der Marktführer für Online-Hotelbuchungen, HRS, vor einem Monat von Bing zu Google Maps gewechselt - und will dem Angebot treu bleiben. "Wir haben eine Lizenz erworben und bezahlen bereits für die Einbindung des Dienstes", sagte ein HRS-Sprecher. Doch Google droht neue Konkurrenz: Nokia hat vergangene Woche angekündigt, seinen Kartendienst von der eigenen auf andere Handyplattformen auszuweiten.

Gefunden in ...

Gefunden in ... ... der Onlineausgabe der "Financial Times Deutschland"

 
 
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