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Wo Anonymous draufsteht, ist Pegida drin

Nachdem Anonymous dem IS den Krieg erklärte, steigt die Zahl der Facebook-Fans. Dumm nur, dass die beliebteste deutsche Facebook-Seite gar nichts mit Anonymous zu tun hat - dafür aber umso mehr mit rechter Hetze.

Anonymous

Nicht jeder der Anonymous bei Facebook sucht, landet auch auf der richtigen Seite

Die grausamen Attentate des IS in Paris bewegten die Menschen. Angesichts der brutalen Gewalttat mitten in einer europäischen Metropole fühlten sich viele Menschen hilflos. Als das Internet-Kollektiv Anonymous den Terroristen den Kampf ansagte und damit selbst handelte, war das Interesse auch bei unseren Lesern riesig. Bei Facebook stieg die Zahl der Fans der größten deutschen Anonymous-Seite kräftig an. Das Problem: Die Seite verbreitet kaum News zu der Hacker-Truppe. Dafür aber jede Menge rechter Verschwörungstheorien.

Dass die Gemeinschaftsseite "Anonymous" (nur im Link durch die Bezeichnung "Anonymous.Kollektiv" erkennbar) nicht von aktiven Anonymous-Mitgliedern betrieben wird, ist schon länger bekannt. Bereits im Frühjahr 2014 tauchte ein Video im Netz auf, in dem sich eine Anonymous-Gruppe aus Nordrhein-Westfalen von ihr distanzierte - wegen deutlich rechter Tendenzen. Genützt hat es wenig. Die Seite hat fast 1,5 Millionen Fans. Schuld ist wohl auch die Funktionsweise von Facebook. Seiten mit vielen Fans tauchen bei einer Suche am weitesten oben auf. Viele Fans wussten beim Abo vermutlich gar nicht, wem sie da eigentlich einen Daumen hoch gaben.


Pegida und Verschwörungstheorien

Von Treue-Bekundungen an Pegida-Chef Lutz Bachmann, über jede Menge Hetze gegen Flüchtlinge bis zu einer gehörigen Dosis Antiamerikanismus inklusive 9/11-Verschwörung: Die vermeintliche Anonymous-Seite Anonymous.Kollektiv bietet so ziemlich alles, was das braune Herz begehrt, ohne direkt rechtsradikale Ausfälle zu riskieren. Stramm Pro-Russland, gegen den Islam, Zuwanderung und "die da oben" und natürlich die Lügenpresse wird da gewettert. Wäre nicht die von Anonymous bekannte Guy-Fawkes-Maske im Profilbild, würde man kaum auf die Idee kommen, auf welcher Seite man sich da gerade befindet.

Auffällig ist der scheinbar sehr große Hass auf die Mainstream-Medien. Während Anonymous sich normalerweise sehr gut darauf versteht, die klassischen Medien für die eigene PR zu benutzen, finden sie beim "Kollektiv" nur als Feindbild statt. Als einzige Medienseite wird ständig auf das "Compact Magazin" verwiesen. Die Facebook-Seite übernimmt Artikel und linkt regelmäßig auf das Abo der Papierausgabe des rechtspopulistischen Magazins.

Anonymous-Themen sind Mangelware

Die Werte der durchaus diffusen Anonymous-Bewegung vertritt die Seite dagegen nicht. Klassische Themen der Bewegung wie die Netzneutralität, der Kampf gegen Scientology und gegen Zensur finden auf der vielgelikten Facebook-Seite praktisch nicht statt. Die lose Gruppe von Internetaktivisten hattein der Vergangenheit dank ihrer offenen Strukturen zwar für eine ganze Reihe zum Teil auch widersprüchliche Positionen gestanden. Rassistische Hetze gehört allerdings nicht dazu, im Gegenteil. Im Kern ist die Hacker-Truppe eigentlich unpolitisch. Das kann man von "Anonymous.Kollektiv" allerdings nicht sagen.

mma

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