Die Videospiel-Messe E3 geht zu Ende. Und mit ihr verschwindet die Hoffnung auf kreative Spielkonzepte. Zwischen Blockbustern und simplen Handy-Spielen scheint kein Platz zu sein für innovative Computerspiele. Vor allem aufwendige Fortsetzungen sorgen für Spielspaß bei den Massen. Von Carsten Görig, Los Angeles

Die Videospiel-Ikone "Super Mario" verewigt als Rucksack. Der knuddelige Klempner eroberte schon mehr als ein Dutzend Spiele© Danny Moloshok/Reuters
Lange Schlangen, laute Musik, bunte Spiele-Trailer: In Los Angeles endet die größte Videospielmesse der Welt. Zwischen verkleideten Nerds und Messe-Hostessen in kurzen Röcken sonnt sich die Gaming-Industrie im Glamour der Filmstadt und beweist Stärke mit Blockbustern. Zwar wird das Daddeln auch dieses Jahr nicht neu erfunden - langweilig wird es trotzdem nicht. Dafür sorgen vor allem die zwei neuen Geräte von Sony und Nintendo. Sony führt mit "Playstation Vita" eine neue tragbare Konsole ein, Nintendo setzt mit der "WiiU" auf eine neue Heimkonsole.
Vor allem der Wii-Nachfolger hat das Potential, das Spiel-Erlebnis tatsächlich zu verändern. Weg vom Bildschirm und rein in den Raum. Beide Geräte versprechen viel. Ob sie diese Versprechungen einlösen können, wird die Zukunft zeigen. Bei Sony noch in diesem Jahr, bei Nintendo erst 2012. Zur Zeit aber herrscht Stillstand.

Die Messe-Hostessen versuchen die überwiegend männlichen Fachbesucher von den Spielen zu überzeugen© Phil McCarten/Reuters
Was die Plakate an den Messehallen bereits andeuten, setzt sich innen fort: Es ist die Messe der Blockbuster, der großen Titel. Ob es der neue Teil des Kriegsshooters „Call of Duty: Modern Warfare 3“ ist, der Historienthriller „Assassin’s Creed“ oder das Science Fiction-Spektakel „Deus Ex: Human Revolution“: Es sind eingeführte Marken, die im Mittelpunkt stehen, große, teuer produzierte Spiele, Fortsetzungen erfolgreicher Serien. Und es sind auch diese Spiele, an denen sich die längsten Schlangen bilden, während die leicht bekleideten Damen an anderen Ständen nur als Fotomodell herhalten müssen: „Darf ich ein Bild mit dir aufnehmen?“, ist eine oft gestellte Frage.
Zum Glück müssen sich nur wenige dieser Messehostessen so erniedrigen wie die Damen, die bei Temperaturen um die 15 Grad auf einem Parkplatz vor den Messehallen im Bikini Autos waschen. Sie werben für einen weiteren großen Titel, „Saint’s Row“, ein Spiel, das schlechten Geschmack zelebriert.
Die Gründe für den Fokus auf die großen Spiele sind simpel: Die etablierte Spieleindustrie ist in einer Phase, in der für neue Ideen wenig Platz ist. Produktionen sind teuer, ein schlecht verkauftes Spiel bedeutet Millionenverluste, bei kleineren Herstellern steht nicht selten die Zukunft der Firma auf dem Spiel. Dass die Käufer im Zweifelsfall bekannte Marken neuen Ideen vorziehen, verstärkt diesen Trend. Auch das ist kein Wunder: Bei Spielepreisen zwischen 40 und 60 Euro scheuen auch sie das Risiko.
Doch der entscheidende Faktor für Einfallslosigkeit ist ein anderer: Die Entwickler warten auf neue Konsolen. Sowohl die Playstation 3 als auch die Xbox 360 sind an einem Punkt angelangt, an dem die Maschinen ausgereizt sind. Das ermöglicht zwar eine einfache Produktion von Titeln, sorgt aber für fehlenden Fortschritt. Zudem sind viele Entwicklungsteams bereits damit beschäftigt, die Möglichkeiten neuer Konsolen auszuloten.