Sonys Luftnummer

21. Februar 2013, 16:10 Uhr

Sony hat die Playstation 4 präsentiert - zumindest teilweise. Und nun? Herrscht im Netz dicke Luft: Einige wollen mehr Informationen, andere mehr Frauen auf der Bühne. Und geschummelt wurde auch noch. Von Christoph Fröhlich

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Sony hat die Playstation 4 (PS4) vorgestellt - und einige Fans enttäuscht.©

Acht Jahre ist es her, dass Sony in Los Angeles die Playstation 3 enthüllte. Damals, im Sommer 2005, dominierten die Japaner den Gamingmarkt: Von der Playstation 2 sind insgesamt 150 Millionen Exemplare über die Ladentheke gewandert. Es war der Höhepunkt des Erfolgs, an den Sony nie wieder anknüpfen konnte. Der Nachfolger ging nur noch halb so oft über die Ladentheke, auch die Handheld-Konsole Playstation Vita verkauft sich schleppend. Nun hat Sony die langerwartete Playstation 4 vorgestellt, mit der eine neue Ära des Gamings eingeläutet werden soll. Noch schneller und noch schöner sollen die Spielwelten werden - doch die Reaktionen waren verhalten, aus unterschiedlichen Gründen.

Wenig Neues

Die größte Enttäuschung: Die eigentliche Konsole war überhaupt nicht zu sehen. Kurz nach Ende der Veranstaltung twitterte der User "derdreh": "Moment. Bin ich gerade kurz eingenickt oder haben die die Konsole wirklich NICHT gezeigt?" Zu sehen gab es neben einigen Spielevideos lediglich den neuen Controller und das Kamerasystem, das ähnlich wie Microsofts Kinect die Positionen der Spieler im Raum erfassen soll.

Wichtige Details wie Preis und Erscheinungsdatum blieb der Konzern schuldig. Der Grund dafür scheint so einfach wie ernüchternd zu sein: Die PS4 existiert noch nicht. Sonys Phantom-Konsole ist bislang nicht mehr als ein umgebauter PC. Die einzigen Spiele, die auf dem Event 'live' gespielt wurden, waren "Killzone: Shadow Fall" und "Watch Dogs". Zumindest von zweitem weiß man, dass es bei der Präsentation auf einem PC lief. Vielen Gamern stieß die Schummelei sauer auf.

Auch die Spieleentwickler blieben bei ihren Ankündigungen lieber vage: Media Molecule, die Macher des Tophits "Little Big Planet", präsentierten ein etwas seltsames Produkt für Sonys Bewegungssteuerung Move, ohne zu sagen, ob es sich dabei um ein Konzept, eine Technikdemo oder den Teil eines konkreten Spiels handelte. Stattdessen beschränkte man sich auf ein "Seht, was wir eines Tages vielleicht einmal machen werden"-Gefühl. Square Enix, die Köpfe hinter der "Final Fantasy"-Reihe, zeigten gar eine mehrere Monate alte Technikdemo.

Frust bei PC-Gamern und Frauen

Doch nicht nur einige Playstation-Fans waren enttäuscht, auch PC-Gamer machten ihrem Frust freien Lauf. Vor allem Blizzards "Diablo 3"-Foren liefen heiß: Blizzard habe von Anfang an geplant, dass Actionrollenspiel auch für Konsolen zu veröffentlichen und deshalb den Umfang des Spiels absichtlich eingeschränkt, heißt es in den Foren. Das Spiel verkaufte sich seit dem Start im vergangenen Mai mehrere Millionen Mal, doch viele Gamer kritisierten die mangelnde Komplexität im Vergleich zu den Vorgängern. Eine Liste der Vorwürfe findet sich auf dem Videospiel-Portal "Kotaku".

Ebenfalls nicht gut angekommen ist die Tatsache, dass nur Männer während der rund zweistündigen Präsentation auf der Bühne stand. "Keine einzige Frau bei der Playstation-4-Ankündigung", schreibt Twitterin Kate Falange. "Was für ein trauriger Zustand der Gamingbranche." Das Spieleportal "Kotaku" bezeichnete die PS4-Show gar als "Würstchenparty".

Nur in einigen Momenten der Präsentation blitzte die Zukunft des Gamings auf: Als der französische Gamedesigner David Cage vom Entwicklerstudio Quantic Dream, die ambitionierte Hits wie "Fahrenheit" oder "Heavy Rain" produzierten, auf die Bühne ging und eine beeindruckende Technikdemo auf die Leinwand projizierte, war zu sehen, was Gamer in knapp einem Jahr in ihrem Wohnzimmer erwarten können. Cage zeigte den Kopf eines alten Mannes, der Grimassen schneidet. Sein Gesicht bestand aus 30.000 Polygonen, kleinen Dreiecken, aus denen 3D-Figuren gebaut werden. Realistischer waren Videospiele noch nie.

Warten auf Juni

Sony hat die PS4 nun offiziell angekündigt, ob die Konsole der erhoffte Heilsbringer wird, kann zu diesem Zeitpunkt niemand sagen. Vermutlich werden weitere Details erst zur E3 im Juni in Los Angeles angekündigt - jenem Ort, an dem Sony vor acht Jahren seinen letzten Trumpf aus dem Ärmel schüttelte.

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