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22. September 2008, 14:36 Uhr

Warten auf das Google-Handy

Das iPhone von Apple bekommt mächtige Konkurrenz von Android. T-Mobile bringt das erste Handy mit dem Google-Betriebssystem heraus. Schon vor der offiziellen Premiere sind erste Details von Android durchgesickert. Experten bezweifeln, dass um das Google-Handy ein ähnlicher Hype wie ums iPhone entsteht. Von Dirk Liedtke

Das erste Google-Handy wird von T-Mobile veröffentlicht. Experten bezweifeln, dass Android den iPhone-Erfolg toppen kann© AP

Wenn man mit dem Zeigefinger über den großen Bildschirm fährt, bewegt sich das angezeigte Fenster. Tippt man auf eines der großen, einfach verständlichen Symbole, öffnet sich ein Programm, beispielsweise ein Internet-Browser. Und wenn man es kippt, ändert sich die Bildschirmanzeige auf Querformat. Auf den ersten Blick erinnert das neue T-Mobile-Handy "G1" an das bahnbrechende iPhone von Apple. Schon vor der morgigen Premiere in New York sind Fotos, der Name und der voraussichtliche Preis (rund 200 Dollar mit Vertragsabschluss in den USA) bekannt. Der Newcomer ist zwar bei weitem nicht so elegant wie das iPhone, aber trotzdem revolutionär für die Branche. Denn unter dem glatten, weißen Plastik und hinter dem "Android"-Logo auf dem Display verbirgt sich der Internet-Gigant Google. Und dieser Konzern will einen neuen Milliardenmarkt erobern: den der Handys.

Gut ein Jahr nachdem das iPhone von Apple erstmals gezeigt hat, wie spielerisch leicht sich auch ein Mobiltelefon mit vielen computerähnlichen Funktionen bedienen lässt, läutet das erste Android-Modell die zweite Runde ein: Handys mit diesem Betriebssystem werden genauso smart, noch vielseitiger und dabei mutmaßlich preisgünstiger sein als das große Vorbild von Apple. Die Kunden kann das nur freuen.

Denn das von Google angeschobene Android-Betriebssystem soll ähnlich wie Linux für Computer im "Open Source"-Verfahren frei und kostenlos verbreitet werden. Im Prinzip kann jeder "Hinz" und "Kunz", die Software herunterladen, auf selbstgebaute "Hinz"- oder "Kunz"-Handys spielen und unter eigenem Namen verkaufen, ohne das dafür eine Lizenzgebühr fällig wird.

Ein Online-Shop für Programme - der "Android-Market" - soll ähnlich wie der App-Store für das iPhone Tausende von verschiedenen Anwendungen vorrätig haben - vom Taxifinder über Spiele bis zu Webradio-Plattformen. Den Preis für die Applikationen können die Anbieter festlegen. Verschenken werden sie viele dieser Programme sowieso, wenn sie darin Werbung unterbringen können. Ähnlich wie bei einem PC kann sich jeder Nutzer so sein Handy individuell einrichten, bis der Speicher platzt. Die Software-Grundausstattung stammt jedoch von Google: die bekannte Suchmaske, der interaktive Stadtplan "Google Maps", das Messenger-Programm "Google-Talk" und "Google Mail".

Vorteile gegenüber dem iPhone hat das erste Google-Handy auch einige: Wer eine Mail lieber auf einer Tastatur tippt als auf einem Display, schiebt dieses einfach zur Seite weg. Darunter kommt ein ordentliches Keyboard hervor. die Kamera ist mit 3,2 Megapixeln ein wenig potenter, Videos lassen sich ohne die Beschränkungen von iTunes abspielen und aufnehmen und selbst ein digitaler Kompass ist ergänzend zum GPS eingebaut. Damit lässt sich das Handy drehen, die digitale Kompassnadel dreht sich auf dem Display mit und Fotos des umstrittenen Google-Programms "StreetView" zeigen die passenden Fotos der Umgebung - obwohl man die natürlich auch "live" mit den eigenen Augen sehen könnte. Die ganze, bunte Google-Welt passt plötzlich in die Tasche.

Einen Hype-Tsunami in der High-Tech-Welt wie beim iPhone wird das erste Android-Handy wohl kaum anstoßen. Dafür hat das iPhone die Latte zu hoch gelegt. Die Skeptiker haben weitere Bedenken längst aufgelistet (siehe Kasten).

Aber das Google-Handy belebt bereits als Phantom positiv das Mobilfunk-Geschäft: Auch wenn T-Mobile das Google-Handy in Deutschland wahrscheinlich erst in einigen Monaten anbieten wird, geraten schon jetzt die Preise für das iPhone in Bewegung. Demnächst ist es auch als Prepaid-Gerät für 569 Euro zu haben. Und Käufer können sich bald auch eigene Tarifkombinationen aus Sprach- und Datenpaketen zusammenstricken. Weitere Android-Modelle sind für Anfang des Jahres etwa von LG und Motorola zu erwarten.

Die nächste spannende Handy-Premiere in diesem Herbst steht auch schon fest: Am 2. Oktober stellt Nokia seine Antwort aufs iPhone vor: ein Smartphone, das als erstes Nokia-Modell auch auf Fingerzeig gehorcht. Die iPhone-Revolution gebiert ihre Kinder und die Käufer können sich das schönste aussuchen.

Die Grenzen zwischen "normalen" Telefonen für kleines Geld und "Smartphones" für Geschäftsleute, etwa von Blackberry, mit Symbian-Betriebssystem oder Windows Mobile werden die Android-Telefone eindrucksvoll verwischen: In ein paar Jahren wird man in der Kneipe nicht mehr fragen: "Was hast Du für ein Handy?" sondern "Was hast Du denn auf Deinem Handy?"

Denn das ist das Schönste an iPhones und Android-Handys: Die Nutzer werden sich ihre Geräte auf so vielfältige Weise frei konfigurieren können, wie sie es bislang nur von ihrem PC kannten.

Aber keine Angst: Wer nur telefonieren, simsen und ab und an Wetter oder Fußballergebnisse mit dem Handy checken möchte, kann das natürlich weiterhin so halten.

Von Dirk Liedtke
 
 
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