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18. Februar 2009, 18:34 Uhr

Wie sich Mobiltelefone innerlich gleichen

Äußerlich unterscheiden sie sich mal mehr, mal weniger - doch innerlich gleichen sich viele Handys frappierend. Denn das Innenleben der Telefone stammt von nur wenigen Herstellern - egal, ob Nokia, Sony Ericsson oder Samsung draufsteht.

Handys: äußerlich verschieden, im Innern aber sehr ähnlich© Lluis Gene/AFP

Was würde wohl ein Autokäufer sagen, wenn sein nagelneuer BMW den gleichen Motor, das gleiche Fahrwerk und die gleiche Bordelektronik besäße wie der Mercedes des Nachbarn? Wenn sich die beiden Wagen also letztlich nur noch in ihrer Form und ihrer Inneneinrichtung unterschieden? Der Kunde wäre wohl sehr irritiert und vielleicht sogar verärgert. Bei Handys nimmt er den Umstand klaglos hin, auch weil er nicht weiß, dass unter der Schale zumeist immer die gleiche Technik steckt, egal ob nun Nokia, Samsung oder Motorola auf dem Deckel steht.

Eine Handvoll Halbleiter-Konzerne liefert letztlich die Technik, die das Mobiltelefon ausmacht. Einer der Profiteure der Entwicklung ist Infineon. Die Münchener sind besonders bei Billig- und Einsteigergeräten erfolgreich. "In einem Handy für 20 Dollar stecken Infineon-Chips für 5 Dollar", verrät Konzernchef Peter Bauer. Mehr als 100 Millionen der für die Schwellenländer bestimmten Billig-Handys sind bereits mit Infineon-Chips bestückt.

Dass Inder und Chinesen sich ein Mobiltelefon leisten können, verdanken sie Ingenieuren wie denen von Infineon. Diese haben auf einem einzigen Bauteil alle wichtigen Funktionen des Mobiltelefons vereint: Sende- und Empfangseinheit, Stromversorgung, eine simple Grafik und je nach Preisklasse auch einen MP3-Spieler, ein Radio oder eine Kamera. Quasi schlüsselfertig gehen die Chips dann an die Handy-Hersteller, die nur noch das Gehäuse drumherum bauen, ihre Software anpassen und die Endabnahme vornehmen. Das spart Zeit und Geld. "In drei bis vier Monaten Entwicklungszeit entsteht ein neues Telefon", sagt Infineon-Chef Bauer.

Smartphones sind aufwendiger

Etwas länger dauert es bei den Smartphones, den multifunktionalen großen Brüdern des Handys. Bekannteste Vertreter dieser Spezies sind die Blackberry-Telefone von RIM und das iPhone von Apple. Die Geräte brauchen zusätzlich zu den Standardchips noch einen sogenannten Applikationsprozessor, der die computerähnlichen Funktionen sowie die aufwendige Grafik steuert. Diesen Part übernimmt zumeist der britische Spezialist ARM. "Unsere Entwicklungen stecken in 90 Prozent aller Mobiltelefone weltweit", sagt Laurence Bryant, der für das Mobilfunk-Geschäft bei ARM zuständig ist.

Die große Verbreitung rührt daher, dass die Briten die Chips nicht selbst produzieren, sondern ihre Entwicklungen an die großen Halbleiter-Konzerne weiterverkaufen. Diese wiederum liefern dann den Handy-Herstellern zu. "Die Plattform-Kompetenz verschiebt sich immer mehr hin zu den Halbleiter-Konzernen", stellt Alain Dutheil fest, Chef des Branchenzweiten ST-Ericsson. Davon bekommen die Verbraucher indes nichts mit. Sie glauben weiterhin, mit einem "echten" Nokia, Samsung oder Motorola zu telefonieren.

Daniel Schnettler/DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
0c3z0 (19.02.2009, 13:09 Uhr)
Stimmt schon
Das überall das gleiche ist bezweifle ich auch gar nicht. Aber der Satz "Dass Inder und Chinesen sich ein Mobiltelefon leisten können, verdanken sie Ingenieuren wie denen von Infineon" ist einfach schrott. Bei dem Millionenmarkt wie Indien und China wäre Infineon nicht Pleite.
sct1 (19.02.2009, 11:25 Uhr)
DaVinci
Genauso ist es. Nokia, Sony Ericsson und viele andere nutzen im Prinzip immer dieselben Chipsätze. Ich habe mal beim namhaften Hersteller - hier des Chipsatzes "DaVinci" - gearbeit. Diese Chipsätze werden auch gleich mit Software - genannt Firmware - ausgeliefert. In diesem Fall ist es ein sogenannter GSM/GPRS/UMTS-"Stack" oder einfach "Modem-Stack". Ich habe selbst an dieser Software programmiert. Es stimmt, egal was man für ein Handy hat, drinnen ist (fast) immer dasselbe...
0c3z0 (19.02.2009, 05:29 Uhr)
Mann O Mann
"...Chinesen sich ein Mobiltelefon leisten können.." So ein Schmarn. Schon jemals in China ein Handy gekauft? Wenn ja, dann müßten Sie wissen das 1. Die Markenhandys hier um ein vielfaches billiger sind als in DE.Zum Vollkauf ohne Vertrag (außer I-Phone) 2. Die Chinesen selbst genug billig Handys produzieren.
Lustiger Weise geht es Infineon ja doch nicht so gut. -> Bericht "Deutschlands schlechteste Aktie" - Bild 2, Infineno, 70% Verlust, Wert 70 cent. Bei 100 Millionen Exemplaren? Sind die Chips schon so billig/ schlecht daß das Handy keiner will?
tropenpaul (19.02.2009, 01:36 Uhr)
Software ist wichtiger
Der Autovergleich hinkt: Autofahrern ist meist auch egal von welchem Zulieferer welches Bauteil stammt.
Wenn Infineon (Siemens-Tochter) die Handy-Entwicklung wirklich so gut beherrscht: Warum ist dann die Siemens-Handysparte pleite gegangen? Infineon kämpft seit Jahren mit Verlusten, aber Nokia erwirtschaftet die dicken Gewinne.
mutti1 (18.02.2009, 20:50 Uhr)
milliarden handys ,
wisst ihr, das dafür menschen sterben im kongo?
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