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9. Juni 2008, 13:50 Uhr

Der große Prinz

Ausgerechnet "Prinz Poldi" versetzt die Deutschen in EM-Euphorie. Gewogen, und für zu leicht befunden, lautete das Vorurteil nach einer quälenden Saison bei Bayern München. Doch in der Nationalelf blüht Lukas Podolski wieder auf und erwirbt sich mit seinem stillen Jubel ungeahnten Respekt. Von Oliver Trust, Klagenfurt

Lukas Podolski: Kölner Urgestein, nicht glücklich bei den Bayern, jetzt mit einem super Start bei den Bayern© Oliver Lang / ddp

Manchem gilt Lukas Podolski als junger, fröhlicher, unbekümmerter und manchmal sogar frecher junger Mann, dessen Taten und Aussagen man nicht immer sehr ernst nehmen muss. So kamen einmal Zweifel an der Standfestigkeit seiner Kölner Seele auf, als er offenbarte, kein "Kölsch" zu trinken.

Wo das Anderen im Rheinland doch fast als Muttermilchersatz gilt. 2006 bekam Podolski dann einen "Deutschen Fussball Kulturpreis" für den "Fussballspruch des Jahres". "So ist Fussball. Manchmal gewinnt der Bessere", hatte er gesagt. Kultur und Podolski, darauf wäre man so schnell nicht gekommen.

Verwandter im Stadion

Dieser Lukas Podolski, den man vorschnell als flatterhaft und oberflächlich einstuft, schafft es immer wieder, sein Publikum ordentlich zu überraschen, manchmal mit Toren und manchmal mit fundamentalen Erkenntnissen der Fußballwelt, die er in unüberhörbarem "Originalton Rheinland" wie ein Entertainer serviert.

Diesmal aber, im Juni 2008 in Klagenfurt, war es etwas ganz anderes mit dem Podolski überraschte. Und, man hätte ihm das gar nicht zugetraut: Er schoss zwei Tore in einem Spiel der Euro 2008 und jubelte nicht. "Ich habe eine große Familie in Polen, da muss man Respekt zeigen", sagte er und es herrschte zuerst einmal Stille um ihn herum. Er stieg gleich nach dem Spiel auf die Tribüne hinauf und umarmte seine Verwandten. "Die sind am gleichen Abend wieder zurück gefahren", berichtete der "Man of the Match" nach seinen beiden Toren im EM-Auftaktspiel der DFB-Auswahl gegen Polen.

Nah der Heimat

Lukas Podolski wurde in Polen geboren. In Gliwice oder Gleiwitz in Schlesien. Am 4. Juni 1985. Seine Eltern, sein Vater Waldemar war selbst Fußballprofi, wanderten 1987 als Spätaussiedler nach Deutschland aus. Podolski Junior war zwei Jahre alt und landete in Bergheim. Und schon was seine "zweite Heimat" anging, zeigte Podolski eine tiefe Verbundenheit. So tauchte er im Sommer 2007 zum 100-jährigen Jubiläum seines ehemaligen Klubs Bergheim 07 auf. Auf so ziemlich jeder Internetseite, die mit Bergheim zu tun hat, taucht sein Name auf.

Jetzt stand er zweimal auf der Anzeigetafel in Klagenfurt. Wieder etwas, was man ihm kaum zugetraut hätte nach der verkorksten Saison bei Bayern München. "Aus Respekt vor den Menschen dort habe er nicht gejubelt", meinte Podolski und trug das verschwitzte Trikot von Polens Mittefeldspieler Mariusz Lewandowski bei sich.

Gerne auf dem Flügel

Zehn Karten für Verwandte und Freunde hatte Lukas P. besorgt, damit sie die EM-Partie live im Stadion verfolgen konnten. Beim ersten Tor jubelte Podolski gar nicht, beim zweiten ballte er verhalten die Hand zur Faust. Dem "sanften Jubel" war seine überraschende Nominierung für die Startelf voraus gegangen. Der Stürmer Podolski wurde im Mittelfeld aufgeboten, anstelle seines dicken Kumpels Bastian Schweinsteiger.

Schon ein paar Mal hatte man die Variante Podolski im Mittelfeld ausprobiert. Am Ende hatte selbst er daran Gefallen gefunden: "Ich spiele gerne auf dem Flügel und ich spiele gerne hängende Spitze, da stehe ich besser zum Tor". Will heissen, er kann seine Trümpfe besser ausspielen, die da wären Schnelligkeit und Schusstechnik gepaart mit Schussgewalt. Er schoss seine Länderspieltore 26 und 27.

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
OneLove (11.06.2008, 18:02 Uhr)
aus schlesien...
wächst europa nun doch zusammen?
poldi aus gleiwitz,eine wahrer licht-
blitz für jeden berufsvertriebenen!!
eine herz sollte doch für jeden menschen reichen,oder?
cybertanne (09.06.2008, 20:37 Uhr)
Der arme Poldi..
wie diese tragische Situation doch sein Herz zerreist. Ein wahrer Held, nein, ein zweiter Willy Brandt würde ich sagen. Ein Held der Völkerverständigung! Leute, macht euch doch nicht lächerlich wegen dieses Schnösels...
Mac_Web (09.06.2008, 20:23 Uhr)
@Ford.Prefect
Genau, Flagge zeigen, den Bierbauch in den Wind halten und alte Lieder siegen.
Oh, und natürlich schön dolle jubeln
Ford.Prefect (09.06.2008, 18:40 Uhr)
@paulmaz
Poldis Reaktion war doch gerade gehemmt und roboterhaft. Ich habe den schon ganz, ganz anders jubeln sehen. P.S: WMen und EMen sollte es richtig heißen. Amen.
Ford.Prefect (09.06.2008, 18:17 Uhr)
Torjubel
Es geht doch gar nicht um den Torjubel oder das Absingen der Nationalhymne selbst, sondern um die innere Einstellung, die dahinter steckt oder stecken mag. Wenn Lukas P.in der gegenwärtigen Rolle keinen Spaß hat, soll er doch für Polen spielen: Tschüss nach der Vorrunde und auf Wiedersehen, Teilnahme an der WM 2010 fraglich. Mir ist jeder andere lieber, der es noch als Ehre und Privileg empfindet, für Deutschland spielen zu dürfen. Und wenn der dann weniger Tore schießt als Lukas P., soll es mir auch recht sein. Sich eine Söldnertruppe aus der Welt zusammensuchen, das macht doch schon jede Vereinsmannschaft. Wenn das die Nationalteams auch tun (siehe auch S.Dundee mit Blitzeinbürgerung aus fußballerischen Gründen), brauchen wir keine EMn oder WMn mehr zu veranstalten. P.S. Ich bin ein großer FC- und Prinz-Poldi-Fan, damit es hier kein Mißverständnis gibt. Seinen Wechsel zu den Bayern fand ich absolut richtig, auch wenn der FC ihn weiterhin gut hätte gebrauchen können. Sollen die Spieler ihren Allerwertesten ruhig dem meistbietenden Verein hinhalten, das ist ihr gutes Recht. Aber in der Nationalmannschaft heißt es Farbe bekennen und Flagge zeigen. Wer das nicht kann oder will, sollte besser gehen.
JimPanse (09.06.2008, 18:06 Uhr)
Respekt und Patriotismus
Respekt ggü. anderen Nationen, zumal es noch wie in diesem Fall sein Geburtsland ist und gesunder Patriotismus sind keine Gegensätze. Besonders im Fussball ist Respekt mittlerweile nur noch selten zu sehen. Deswegen: Daumen hoch. Schland hat gewonnen.
paulmaz (09.06.2008, 18:02 Uhr)
Menschlich
Mich hat die Reaktion von Lukas
Podolski menschlich sehr berührt. Er
ist in Polen geboren, hat einenpolni-
schen Namen, Angehörige und Freunde
in Polen. Ist doch eigentlich Zufall,
dass er das deutsche Trikot trägt.
Könnte genau so gut das polnische
sein. Ausgerechnet er "schiesst" die
Polen ab. Wo leben wir denn, dass ein
junger Mann nicht wie ein Mensch rea-
gieren darf? Er ist doch keine Maschi
ne oder ein Roboter. Oder soll er das
sein?
JoeSkeleton (09.06.2008, 17:59 Uhr)
so ganz
nachvollziehen kann ich das nicht was mit Poldi da los ist.Da wird er 90 Minuten lang gnadenlos von "seinen" Polen ausgepfiffen und er "zollt" seinen Respekt für diese Leute in dem er sich seinen Jubel verkneifft.Sorry Lukas,bei aller Heimatverbundenheit,du spielst für Deutschland,du verdienst hier dein Geld,und du hast auch hier Fans (ob die in Polen ihn auch mögen lass mich mal dahin gestellt,vorstellen kann ich es mir nicht) die trotz allem (miiiiese Bayern-Saison) hinter dir stehen.Kann ja fast froh sein das er nicht absichtlich vorbei geschossen hat.
Trotzallem,sehr gutes Spiel von ihm und der ganzen Mannschaft.Und gegen die Polen braucht er diese EM kein Tor mehr zu schiessen,wetten?
gruni36 (09.06.2008, 17:42 Uhr)
Hauptsache Tore für uns
ist doch ok wenn er noch an seinem Herkunftsland hängt. Gibt doch kaum ein Land in dem kein Eingebürgerter spielt. Oder aus ehemaligen Kolonien wie für Frankreich, Belgien, Holland, England usw.
Hauptsache ist das er für Deutschland alles gibt und Tore macht. Früher hat der DFB den Spielern verordnet mitzusingen und da waren die Spiele oft sche...
muemmelfrau (09.06.2008, 17:41 Uhr)
geseiere
was für ein geseiere hier (koppschütteln).
der poldi ist einer der sypatischsten fussballer die ich je in der nationalelf erlebt habe.
spätestens wenn er gegen die kroaten oder andere nationen wieder seine buden macht wird man ihn auch wieder richtig jubeln sehen.
von meiner seite also größten respekt für seinen stillen jubel.
was für ein blödsinn ihm deswegen hier jetzt vorzuwerfen er sei nicht patriotisch genug oder sein herz würde nicht wirklich für deutschland schlagen (mit dem zeigefinger an den kopf tippen).
mansch "ewig gestrigem" kann man es halt nie recht machen.
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