Am Aschermittwoch beginnt für Christen die Fastenzeit. Auf der Verzichtsliste stehen Alkohol und Süßigkeiten ganz oben. Wer sich die Auszeit für Geist und Körper gönnt, sollte auf einiges achten. Von Kerstin Engelhard

Wer fastet, muss häufig auf Flüssiges zurückgreifen. Bei vielen Fastenmethoden ist feste Nahrung verboten© Colourbox
In nahezu allen Religionen hat das Fasten Tradition. Für die Christen fängt am Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit an. Die Tage bis zur Osternacht gelten als eine Zeit der Buße, Besinnung und Umkehr. Muslime üben sich während des Fastenmonats Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in Enthaltsamkeit, buddhistische Mönche und Nonnen fasten täglich ab zwölf Uhr mittags und auch im Hinduismus spielt die kontrollierte und reduzierte Nahrungszufuhr eine große Rolle. So unterschiedlich die Zeiten auch sind, zu denen die Gläubigen fasten, sie alle versprechen sich davon Ähnliches: innere Einkehr und Stärke. Der Verzicht auf materielle Bedürfnisse soll eine Nähe zu Gott bringen.
Nach dem Ende der närrischen Tage wollen viele Deutsche bei Speis und Trank kürzertreten. In einer Umfrage für den stern sagte rund jeder Sechste (17 Prozent), er sei beim knapp siebenwöchigen Fasten dabei. Frauen (21 Prozent von ihnen) wollen sich eher beteiligen als Männer (12 Prozent). Bei den Katholiken will sogar rund jeder Dritte (35 Prozent) das Fasten während der Bußzeit mitmachen.
Auf der Verzichtsliste stehen Alkohol und Süßigkeiten ganz oben, ergab eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK. Danach folgen Rauchen und Fleisch.
Dabei fasten längst nicht alle aus religiösen Motiven. Etwa drei Millionen Menschen legen in Deutschland regelmäßige Fastenzeiten ein, schätzt die Ärztegemeinschaft Heilfasten. Mancher verwechselt allerdings den bewussten Verzicht mit einer Blitzdiät. Um überschüssige Pfunde loszuwerden, ist die Auszeit für Seele, Geist und Körper aber weniger geeignet, denn die meisten nehmen nach der Fastenkur schnell wieder zu.
Ohne medizinische Begleitung sollte besser nicht länger als eine Woche gefastet werden. Da sich der Körper zu Beginn der Fastenkur umstellen muss, sind zumeist die ersten drei Tage die schlimmsten. Die Gedanken kreisen noch häufig ums Essen, Schwindel oder Kopfschmerzen können auftreten, manche Menschen frieren vermehrt oder sind müde. Dies sollte sich allerdings bald geben. Dann überwiegen zumeist die positiven Gefühle, das Leben verlangsamt sich und wird intensiver. Viele Fastende fühlen sich glücklich und wohl, für manche sind die Tage ohne Nahrung gar bewusstseinserweiternd.
Bei vielen Fastenmethoden ist feste Nahrung verboten. Erlaubt sind häufig 250 bis 400 Kalorien pro Tag, die hauptsächlich in Form von Getränken eingenommen werden, statt der durchschnittlichen 1500 bis 3000 Kalorien. Die Differenz soll der Körper abfangen, indem er den Stoffwechsel reduziert und eigene Energiereserven anzapft – also Fettpolster und Muskelmasse. Leichte Bewegung wirkt dem Muskelabbau entgegen und kurbelt stattdessen den Fettstoffwechsel an.
Am Anfang stehen zumeist ein bis drei Entlastungstage, an denen ballastreiche und leicht verdauliche Kost wie Obst und Reis noch erlaubt sind. Außerdem wird begleitend zum Fasten mit Einläufen und Bittersalzen der Darm gereinigt. Häufig werden warme Leibwickel angewendet, um die Durchblutung zu fördern und den Stoffwechsel anzuregen. Wichtig ist es, während des Fastens viel zu trinken - mindestens zwei bis zweieinhalb Liter pro Tag -, um so die Flüssigkeit zu ersetzen, die ansonsten über die Nahrung aufgenommen wird. Am Ende der Fastenzeit sind drei bis vier Aufbautage, in denen sich der Körper langsam wieder an die Nahrung gewöhnt, unbedingt nötig. Wer zu schnell zum Schnitzel mit Pommes greift, überfordert seinen Magen und riskiert Krämpfe und Bauchschmerzen.
Fasten ist allerdings nicht für jeden geeignet: Wer Medikamente nimmt oder chronisch krank ist, sollte besser gar nicht oder nur unter ärztlicher Aufsicht auf Nahrung verzichten. Dies gilt auch für Menschen, die an starkem Übergewicht, extremen Allergien, Depressionen oder Essstörungen leiden. Schwangere oder stillende Frauen, Kinder, Herzkranke, HIV-Infizierte oder Menschen mit starkem Untergewicht sollten ganz auf das Fasten verzichten.
Ob alleine oder in der Gruppe - zumeist folgen Fastende einer bestimmten Methode. Besonders bekannt sind das Heilfasten nach Buchinger, die F.-X.-Mayr- oder die Schroth-Kur. Die Auswahl geschieht dabei häufig nach dem Bauchgefühl, wobei die unterschiedlichen Kuren nicht für jeden geeignet sind.
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