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Gemüse statt Fleisch: Was bringt ein Mini-Verzicht in der Fastenzeit?

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Dabei muss es nicht immer der große Verzicht sein. Viele Menschen lassen vor allem einzelne Lebensmittel aus, allen voran Alkohol und Fleisch. Doch bringt das überhaupt etwas aus gesundheitlicher Sicht?

Fasten - Fastenzeit

Brokkoli statt Fleisch: In der Fastenzeit verzichten viele Menschen auf bestimmte Lebensmittel

Manchmal bleibt es nur ein guter Vorsatz und auch die Zahl der Abbrecher ist unbekannt: Doch am Aschermittwoch sind die fetten Zeiten für viele Menschen in Deutschland erst einmal vorbei.
Bis Ostern heißt es fasten, was allerdings mehr oder weniger streng ausgelegt wird. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage für die Krankenkasse DAK ist zumindest mehr als die Hälfte der Deutschen - rund 55 Prozent - vom Fasten überzeugt. 15 Prozent halten einen Verzicht auf bestimmte Genussmittel und Gewohnheiten aus gesundheitlicher Sicht sogar für "sehr sinnvoll", 40 Prozent immerhin noch für "sinnvoll". Fastenmuffel sind 42 Prozent der Befragten.

Wer hat nun Recht? Bringt der kurzzeitige Verzicht auf Alkohol und Co. überhaupt Vorteile für die Gesundheit oder sind die Effekte zu vernachlässigen? Die Gesundheit ist bei weitem jedoch nicht der einzige Grund, weshalb Menschen fasten. Manche Fastenwillige treibt auch der eigene Ehrgeiz an. Sie wollen sich selbst beweisen, dass sie für längere Zeit auf bestimmte Lebensmittel verzichten können – ohne großartig darunter zu leiden.

Fasten: Entgiftung für den Körper

Überraschenderweise sind Ernährungsexperten von den Vorteilen des 40-Tage-Fastens recht überzeugt. Sie plädieren für den Verzicht auf Alkohol oder Fleisch aus gesundheitlichen Gründen."Natürlich macht das Sinn. Es senkt die Harnsäure und Cholesterinwerte, der Blutzucker reguliert sich und das Geschmacksempfinden verbessert sich", erklärt die Chemnitzer Ernährungsberaterin Candy Cermak. Die Alkohol-Abstinenz führe zu einer Entgiftung des Körpers. In der Fastenzeit könne man sich wieder mehr auf das Wesentliche konzentrieren - auf sich, die Familie oder ein gutes Buch. Cermak spricht von Entschleunigung. Zudem gebe es einen schönen Nebeneffekt: "Meist purzeln auch noch ein paar Pfunde."

Ein Risiko birgt die plötzliche Umstellung der Ernährungsgewohnheit aus Sicht von Cermak nicht. Wer wie beim Heilfasten aber komplett auf feste Nahrung verzichten wolle, solle das unbedingt unter Aufsicht eines Fastentrainers tun: "Am besten, man nimmt sich dafür Urlaub, eine Auszeit ohne Ablenkung." Generell gelte in der Fastenzeit eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung - dann fehle es auch nicht an den benötigten Nährstoffen. Das Eisen im Fleisch könne man beispielsweise mit pflanzlichen Lebensmitteln kompensieren: "Riskant sind dagegen Crash-Diäten und einseitige Ernährung."

Im Team fällt die Fastenzeit leichter

"Ja, man braucht eine Eingewöhnungszeit und Willensstärke, denn die Verführung lauert überall", berichtet Claudia Szymula, Sprecherin der Krankenkasse Barmer in Sachsen, von Erfahrungen in ihrer Familie. In den ersten Tagen sei der Drang groß, in die alten Gewohnheiten zurückzufallen. Es helfe aber, wenn dann die anderen einen an die guten Vorsätze erinnern: "Fasten in der Gruppe ist leichter." Nach geraumer Zeit werde der Verzicht immer einfacher: "Gleichzeitig hatten wir alle nach der bestandenen Fastenzeit ein stolzes Gefühl, es geschafft zu haben. Ganz nach dem Motto: Wenn ich nur will, kann ich alles ändern."

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ikr/Jörg Schurig / DPA

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