Was Allergikern und gut informierten Skeptikern hilft, kann die Masse der Verbraucher allerdings auch verwirren. Schließlich liest sich bereits jetzt so manche Zutatenliste wie ein Chemiebuch. Hersteller, die es gut meinen und freiwillig mehr angeben, als sie müssen, erreichen möglicherweise das Gegenteil: Der Verbraucher schaut gar nicht mehr hin oder lässt sich von Produkten mit langer Zutatenliste abschrecken.
Die Menge kryptischer Bezeichnungen auf der Packung ist kein Anhaltspunkt dafür, wie riskant der Inhalt ist. Denn längst nicht alles, was auf Fachchinesisch gefährlich klingt, ist es auch. Riboflavin zum Beispiel ist schlicht und einfach Vitamin B2, Alpha-Tocopherol ist dasselbe wie Vitamin E.
Hilfreicher bei der Orientierung können deshalb zunächst einige leicht zu merkende Regeln aus der Lebensmittel-Kennzeichnungs-Verordnung sein: Auf der Packung muss stehen, wie viel drin ist, wer der Hersteller ist, was die Ware kostet und wie lange sie sich mindestens genießbar halten soll.
Manchmal muss auch ein Verarbeitungsverfahren genannt werden, etwa bei Milch: Pasteurisiert heißt, dass sie durch eine Wärmebehandlung haltbar gemacht wurde. Homogenisiert bedeutet, dass die enthaltenen Fett-Tröpfchen dank technischer Hilfe fein verteilt sind. Die Reihenfolge der Zutatenliste steht fest - sie wird nach dem Mengenanteil im Lebensmittel sortiert. Der größte steht immer am Anfang, der kleinste am Schluss.
Jede Zutatenliste ist nur so gut wie der Hersteller, der sie zusammenstellt. Oft genug wird geschummelt, vor allem bei unverpackter Ware. Da werden etwa Farb- und Konservierungsstoffe gern verschwiegen, oft bei Feinkostsalaten. Die Lebensmittelüberwachung, die in Deutschland für die korrekte Kennzeichnung zuständig ist, stellt immer wieder Verstöße fest.
Mal steht nicht drauf, was drauf stehen sollte, mal steht etwas drauf, was nicht drin ist. So entdeckten die Hamburger Lebensmittelkontrolleure bei Fetakäse, dass fast die Hälfte der Produkte überhaupt nicht aus Schafsmilch bestand, sondern aus Kuhmilch. Ein Anbieter war noch dreister: Sein Käse war nicht einmal aus Milch hergestellt, sondern aus Pflanzenöl.