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3. April 2011, 20:29 Uhr

Zwei Brüder im Bauche

Konstantin und Philipp Mirliauntas waren einst Leistungssportler, dann nahmen beide so extrem zu, dass nur noch eine OP Hilfe brachte. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Zwillingspaars - mit Happy End. Von Antje Brunnabend

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Philipp (l.) und Kosta Mirliauntas trinken auf ihren Abnehmerfolg© David Maupilé

Es waren einmal zwei Brüder, die waren kräftig und gesund. Sie wuchsen zu starken Burschen heran, die im sportlichen Wettstreit viele andere besiegten. Bis sie, in ihren Zwanzigern, plötzlich dick und dicker wurden. Und schließlich dreidreiviertel und vier Zentner wogen.

Vom Leistungssport zur Fettsucht - wie konnte das passieren? Konstantin Mirliauntas hebt ratlos die Schultern. "Das frage ich mich heute noch." Am 20. Januar 1967 wurde er geboren, vier Minuten nach ihm kam sein Bruder Philipp auf die Welt. Die eineiigen Zwillinge, die innig aneinander hingen, waren lebhaft, fröhlich und motorisch geschickt, ein Talent, das die Eltern nach Kräften förderten. Mit fünf gingen die Hamburger Jungs zum Judo.

Zwei Jahre später wechselten sie zum Fußball und spielten bis zur B-Jugend. Danach begannen sie mit Handball. Als Philipp 17 war, nahm ihn ein Freund mit zum Rugby-Training beim FC St. Pauli. Er war begeistert: ein Sport, der Kraft, Ausdauer und Aggression verband. Als der Trainer erfuhr, dass der begabte Neue einen Zwillingsbruder hatte, lud er den zum Training ein. Auch Kosta fand das kampfbetonte Spiel "einfach nur geil". Im vierten Jahr stiegen sie mit der Mannschaft in die erste Bundesliga auf.

Überstunden und "Kompaktnahrung"

Zu dieser Zeit wogen sie 95 Kilo, bei 1,82 und 1,87 Meter Größe - "nur Muskeln", erinnert sich Kosta. "Da war kein überflüssiges Gramm Fett." Zwei- bis dreimal in der Woche ging er zum Rugby-Training, zweimal ins Fitnessstudio, um mit Kraftaufbau Verletzungen vorzubeugen. Am Wochenende stand immer ein Spiel an, 80 anstrengende Minuten lang. Sport extrem. "Rugby ist ungeheuer hart, vor allem, wenn man im Angriff spielt", sagt Kosta.

Bei den Eltern - die Mutter Halbitalienerin, der Vater Grieche - kam gesunde Mittelmeerkost auf den Tisch: viel frisches Obst und Gemüse, Lamm und Fisch, Zaziki und reichlich Olivenöl. Doch nach ihrem Auszug gewöhnten sich die Brüder an "Kompaktnahrung", wie sie es nennen: Currywurst, Hamburger, Pommes und Pizza. Noch war das kein Problem. Der Sport glich das Fast Food aus. Allerdings fand sich immer weniger Zeit dafür. Philipp arbeitete als Groß- und Außenhandelskaufmann im Betrieb des Vaters, Kosta als Reiseverkehrskaufmann im Reisebüro der Mutter.

Das Aus für den Sport

Als Juniorchef, fand er, könne er abends nicht früh gehen, um pünktlich um 18 Uhr beim Training zu sein. Derselbe Leistungswille, der ihn auf dem Feld nach vorn stürmen ließ, hinderte ihn nun daran, eine gesunde Balance zwischen Beruf und Hobby zu finden. Er schob Überstunden, schwänzte das Training, gab die Kraftübungen auf. Sein Körper löste schließlich den Konflikt.

Bei einem Freundschaftsspiel sprang ein Mitspieler beim Tackling in ihn hinein. Kosta verdrehte das Knie, fiel - und wusste: Das war's. Kreuzbandriss. Die Quittung dafür, dass er nicht mehr auf sich achtgegeben hatte. Rugby könne er vergessen, sagte der Arzt. Kosta war es recht, einerseits. Der Beruf ging vor. Andererseits vermisste er die Spiele, den Mannschaftsgeist. Und er wurde dicker.

"Ich fühlte mich überhaupt nicht mehr satt"

Auch Philipp fand keine Zeit mehr für den Sport. Und auch er legte zu: "Wenn Sie jahrelang Leistungssport gemacht und immer viel gegessen haben und dann mit dem Sport aufhören, hören Sie ja nicht auf zu essen. Und dann nehmen Sie im Handumdrehen 10, 20, 30 Kilo zu." Eine Erfahrung, die Sportmedizinern geläufig ist. "Zunächst war das nicht so schlimm", sagt Philipp. "Wir waren ja fit. Die 120 Kilo sah man uns nicht unbedingt an."

Doch dabei blieb es nicht. Kosta hockte täglich zehn bis zwölf Stunden im Büro und ernährte sich fast nur noch von "Kompaktnahrung". "Ich fühlte mich überhaupt nicht mehr satt", sagt er. "Nach der Arbeit ging ich mit Kollegen zu McDonald's. Auf dem Heimweg holte ich mir noch einen Burger. Und wenn ich dann zu Hause war, ließ ich mir eine Pizza kommen." Eine Freundin, mit der er vielleicht hätte kochen können, gab es nicht: Die ersten vorsichtigen Liebesbeziehungen waren so unglücklich verlaufen, dass er keinen Versuch mehr wagte.

Das Gewicht wurde zum Problem

140 Kilo. Jetzt reichte es. Kosta ging für zwei Wochen zum Fasten in eine Klinik. 20 Kilo waren rasch weg. Und ebenso schnell wieder drauf. Das Gewicht wurde zum Problem; beruflich aber lief es gut für beide. Nachdem der Vater seinen Großhandelsbetrieb und die Mutter ihr Reisebüro verkauft hatten, gründete Kosta eine Firma für Golfreisen, die bald expandierte, Philipp stieg als Angestellter in einer neuen Firma zügig auf. Irgendwann gründete Kosta, zum Spaß, mit Freunden einen "etwas anderen" Golfklub. Einen, der den Golfsport von seinem spießig-elitären Image befreien sollte. Der "St. Pauli Golfclub" zählt heute über 1800 feierfreudige Mitglieder und ist so etwas wie Kostas Familie. Und war lange Ersatz für eine Partnerschaft.

Übernommen aus ... stern Gesund leben stern Gesund leben
Ausgabe 02/2011
zum Heft

Seite 1: Zwei Brüder im Bauche
Seite 2: An Liebe war nicht mehr zu denken
 
 
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