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27. Mai 2010, 13:19 Uhr

Bio ist nicht immer besser

Sind Biolebensmittel besser als herkömmliche? Stiftung Warentest hat Bilanz gezogen und kommt zu dem ernüchternden Ergebnis: Generell gesünder und schmackhafter sind die Ökoprodukte nicht. Dennoch bieten sie Vorteile. Von Lea Wolz

Ernährung, Bio, Biolebensmittel, Stiftung Warentest, Bioprodukte, ist Bio gut

Bio-Bananen: Leckerer? Gesünder? Nicht immer© Franka Bruns/AP

Wer Biolebensmittel kauft, will sich in der Regel gesünder und bewusster ernähren. Doch übertrumpfen Bioprodukte tatsächlich herkömmliche? Stiftung Warentest hat sich 85 Lebensmitteltests der vergangenen acht Jahre noch einmal angeschaut. Das Ergebnis: Grundsätzlich gesünder oder schmackhafter als konventionelle Lebensmittel sind Bioprodukte nicht. "Sehr gute" und "mangelhafte" Produkte kommen bei beiden Gruppen vor. Dennoch hat Ökokost laut Warentest zwei entscheidende Vorteile: Pestizide sind - selbst in geringen Mengen - nur selten vorhanden. Zudem engagieren sich die Hersteller deutlich mehr für die Umwelt und nehmen ihre soziale Verantwortung wahr.

Was ist also gut bei Bio und was nicht? Vor allem bei frischer Vollmilch und Würzölen waren die Ökoprodukte stärker. Weniger gut schnitten sie dagegen bei Babymenüs ab. Die waren zwar nicht mit Schadstoffen oder Keimen belastet, enthielten aber zu wenig Vitamin C und Fett. Auch beim nativen Rapsöl konnte Bio nicht punkten: Sieben von neun Bioprodukten rochen und schmeckten holzig, modrig oder ranzig. Viele konventionelle Rapsöle waren hier besser.

Weniger Keime, verbesserter Geschmack

Nach wie vor sind die meisten Ökolebensmittel teurer, im Mittel 30 bis 50 Prozent. Wer bereit ist, mehr Geld auszugeben, stellt sich daher berechtigt die Frage: Ist Bio auch wirklich Bio? Zumeist ja, sagt Stiftung Warentest, zumindest was die getesteten Lebensmittel betrifft. In so gut wie keinem Bioprodukt aus pflanzlichen Zutaten wiesen die Tester Rückstände von chemischen Pflanzenschutzmitteln nach. Auch Bio-Kühe wurden tatsächlich nach Ökovorschriften mit viel Gras gefüttert und Biolachse, die aus ökologischen Aquakulturen stammen, kommen ohne zugesetzte Farbstoffe aus. Lediglich zwei Bio-Sojadrinks waren zu Unrecht als solche ausgezeichnet.

Auch die Qualität begutachteten die Tester. Probleme bei Keimen und der Sensorik, also Geschmack und Geruch, haben Biohersteller im Lauf der Zeit größtenteils gemeistert. Demnach waren beim Räucherlachs in einem aktuellen Test weniger Keime zu finden als vor acht Jahren. Biomargarine schmecke deutlich besser, schreibt Stiftung Warentest in der Juni-Ausgabe ihrer Zeitschrift "test". Verbessert hat sich auch Bio-Honig: Ein "mangelhaft" wegen Rückständen oder untypischer Deklaration gab es in einem Test 2009 nicht mehr. Bei den extra nativen Bio-Olivenölen schwankte die Qualität allerdings immer noch - von "gut" bis "mangelhaft" war in aktuellen Tests alles dabei. Biobutter, Biorapsöl und Bioapfelsaft rutschten in den neuen Tests sogar ab, wobei Stiftung Warentest anmerkt, dass sich die Analytik in dieser Zeit verbessert habe und somit mehr nachgewiesen werden kann. Ein direkter Vergleich ist daher kaum möglich.

Weniger Pestizide als in herkömmlichen Produkten

Frischem Bioobst, Biogemüse und Biotee können Verbraucher laut Stiftung Warentest vertrauen: In 75 Prozent dieser Produkte waren seit 2002 gar keine Pestizide mehr nachweisbar. Bei den konventionellen Lebensmitteln waren es nur 16 Prozent, hier ist Bio klar im Vorteil. Dennoch lagen auch herkömmliche Lebensmittel in 91 Prozent der Fälle unter den gesetzlichen Höchstwerten für Pestizide. Erfreulich auch: Allgemein sinkt die Pestizidbelastung in den vergangenen Jahren.

Ein Versprechen erfüllen Biolebensmittel allerdings nicht: Sie sollen mehr bioaktive Stoffe enthalten als konventionell hergestellte. Diese Substanzen, mit denen sich Pflanzen vor schädlichen Umwelteinflüssen wie der UV-Strahlung schützen, sollen auch beim Menschen gesundheitsfördernd wirken. Allerdings kommen sie in allen naturnah hergestellten Produkten wie zum Beispiel trübem Apfelsaft vor, merkt Stiftung Warentest an - egal, ob diese ökologischer oder konventioneller Herkunft sind. Da sekundäre Pflanzenstoffe in den getesteten Lebensmitteln nicht in gesundheitsfördernden Mengen vorhanden waren, floss dieser Punkt allerdings nicht in die Bewertung mit ein.

Wer in einen Bioapfel beisst oder Biowurst kauft, beruhigt somit vor allem sein ökologisches und soziales Gewissen. Denn die Hersteller produzieren laut Stiftung Warentest zumeist umweltschonend, verzichten auf Massentierhaltung und handeln fair. Bei sechs der sieben Biokaffees wurde demnach das mehr gezahlte Geld auch tatsächlich an die Bauern und Kaffeepflücker weitergegeben.

Von Lea Wolz
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
biobay.de (28.05.2010, 12:13 Uhr)
Guter Artikel, aber falsche Überschrift.
Die richtige Überschrift wäre gewesen: ?Bio-Lebensmittel enthalten erheblich weniger Pflanzenschutzmittel als konventionelle und werden mit höheren Tierschutzstandards hergestellt.? Denn das sind die zentralen Ergebnisse und genau das ist Sinn und Zweck des Biosiegels und des ökologischen Landbaus.
Elisabeth2007 (28.05.2010, 10:04 Uhr)
Diese Überschrift ist eine journalistische Peinlichkeit!
Da lassen sich Wissenschaftler über einen von vielen Aspekten der Bio-Nahrung aus - und das nicht wenig aussagekräftig. Und daraus wird dann gleich so eine publicity-geile Schlagzeile kreiiert - deren Inhalt dann im Text selbst wiederlegt wird: "Bei Pestiziden sind deutliche Unterschiede zu erwarten, aber das wurde nicht berücksichtigt." Für die Umwelt ist Bio auch eindeutig besser und in diese Umwelt leben wir.
Bitte verzichten Sie in Zukunft aus so irreführende Überschriften. Sie sind der Stern und nicht die Bild. Danke!
meg04vi (28.05.2010, 08:56 Uhr)
Bio gleich Bio?
Bio heißt lediglich dass 95 % der Inhaltsstoffe eines Lebensmittels aus ökölogischer Landwirtschaft stammen müssen, und hier haben die Lebensmittelkonzerne ihren Spielraum, in den zahlreiche Zusatzstoffe hinzugefügt werden können.
Mich würde interessieren wie hoch der Qualitätsunterschied zwischen Bioware aus einem Discounter und der aus dem Bioladen ist. Sowas wird aber nie veröffentlicht weil dann niemand mehr im Discounter einkaufen würde!
sponge (28.05.2010, 08:35 Uhr)
Stiftung Warentest sollte besser Schraubenzieher testen
"Erfreulich auch: Allgemein sinkt die Pestizidbelastung in den vergangenen Jahren."

Immer wieder mal ist zu lesen [Google "mehrere Pestizide in Lebensmittel"],
dass die Pestizid-Grenzwerte zwar besser eingehalten werden als früher, sich jedoch oft mehrere Pestizide im Lebensmittel befanden, deren Wechselwirkung noch dazu unbekannt ist.

Dazu äußert sich Stiftung Warentest seltsamerweise nicht.
gazerbeam (28.05.2010, 07:57 Uhr)
Auweia...
...ich esse lieber Lebensmittel OHNE Pestizide! Es ist wirklich niedlich (oder ein Armutszeugnis?) wie sämtliche Medien die Meldung von Stiftung (wer zahlt am meisten) Test abschreibt. Ohne zu hinterfrsgen, ohne zu überlegen. Ob Stern, Bild, Express etc., alles das gleiche :-(
kepe (27.05.2010, 20:13 Uhr)
Es ist mir nicht möglich
diese Studie ernst zu nehmen.

Ich kann auch den Artikel nicht ernst nehmen. Mit diesen Argumentationen schiesst man sich selbst ins Abseits.

evitaevita (27.05.2010, 17:45 Uhr)
Wer hat die Studie bezahlt?
Wahrscheinlich die chemische Industrie, die ihre extren schädlichen Pestizide weiter salonfähig machen will. Die Studie zeigt nur eins: Die Stiftung Warentest ist längst nicht mehr unabhängig und deren "Gütesiegel" wenig wert. (Öko-Test ist auch nicht besser).
Endgame (27.05.2010, 17:15 Uhr)
Entscheidend ist,
was hinten rauskommt. Diese Hysterie, die hier wieder verbreitet wird, zeigt leider wieder folgendes Grundschema:
1. Das Ergebnis entspricht nicht meiner Öko-Weltsicht. Konsequenz: Larmoyantes rumnölen, die Verschwörung der Lebensmittelgiganten hat das Ergebnis verfälscht
2. Humorlosigkeit! Konsequenz: Wer nicht genauso denkt ist ein gedankenloser Zeitgenosse, der frisst was er kriegen kann!
3. Die positiven Ergebnisse Schonung von Tier, Natur wird konsequent übersehen, die fairen Handelspraktiken nicht zur Kenntniss genommen.

Da brennt aber die Jutetasche im Szeneladen! Flugs das Handy an das geschwürbedrohte Ohr gehalten. Meine Wahl: Bio, auch wenn es nicht besser schmeckt, aber ohne schlechtes Gewissen kann es auch mal anders sein.
radar74 (27.05.2010, 16:04 Uhr)
BIO ist ....
... das was man im eigenen Garten anbaut und erdet. Weil nur da kann man kontrollieren was wirklich BIO ist.

Ansonsten sehe ich das ähnlich wie Henning100.
NeuerMensch (27.05.2010, 15:52 Uhr)
Gefälligkeitsstudie
Warum kauft jemand Bioprodukte wenn nicht vor allem wegen der geringeren bis nicht vorhandenen Pestizidbelastung? Wie kann man diesen Faktor bei einer Qualitätsstudie aussen vor lassen? Das ist ja geradeso als würde man eine Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen von Auto- und Fahradfahren machen aber die Effekte auf Herz-Kreislaufsystem mal einfach ausklammern. Dann wäre auch das Autofahren gesünder als das Radfahren.
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Die Pestizidbelastung im konventionellen Anbau war übrigens noch nie so hoch wie in den letzten Jahren, wie foodwatch mehrfach nachgewiesen hat. Es werden vielleicht nicht mehr so oft Grenzwerte gerissen, allerdings wurden die Grenzwerte in der Vergangenheit häufig angepasst und es finden sich oft bis zu 20 verschiedene Pestizide in einem einzigen Produkt! Dazu öfters auch seit Jahrzehnten verbotene Pestizide.
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