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30. Juni 2011, 12:55 Uhr

Bockshornklee aus Ägypten unter Verdacht

Vor zwei Monaten begann die Ehec-Epidemie in Deutschland. Der Ursprung ist noch immer ungeklärt. Eine Spur führt nun nach Ägypten. Bockshornkleesamen sollen der Übeltäter sein.

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Sind Bockshornkleesamen aus Ägypten der Auslöser für die Ehec-Epidemie?© Holger Hollemann/DPA

Ägyptische Bockshornkleesamen könnten der Auslöser für die Ehec-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich sein. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma in einer gemeinsamen Analyse mit dem Europäischen Zentrum zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm.

Danach scheint es eine Verbindung zwischen einer ägyptischen Samenlieferung von 2009 zu dem Ehec-Ausbruch in Frankreich zu geben, während ein Export von Bockshornkleesamen im Jahr 2010 nach Deutschland dort eine Rolle gespielt haben könnte. Auch schwedische Behörden fahnden in ihrem Land nach dem Erreger, weil es in einem Ehec-Fall keinerlei Verbindung nach Deutschland gibt.

Weitere Untersuchungen soll Beweis bringen

Ägyptische Bockshornkleesamen seien somit in die Ehec-Ausbrüche in beiden Ländern verwickelt, halten die europäischen Behörden fest. Allerdings gebe es noch viel Unsicherheit, ob das wirklich die gemeinsame Ursache aller Ehec-Erkrankungen sei.

Weitere Analysen seien notwendig - dringend dabei vor allem auch eine Untersuchung, auf welchen Wegen die ägyptischen Lieferungen in Deutschland und Europa verteilt worden seien. So sei ein Teil der ägyptischen Samen über ein britisches Unternehmen nach Frankreich gelangt. Sprossensamen, die in Frankreich mehrere Ehec-Fälle ausgelöst haben sollen, kamen nach Pariser Regierungsangaben aus England. Im Raum Bordeaux waren zehn Menschen erkrankt, nachdem sie Sprossen aus Bockshornklee, Senf und Rucola gegessen haben.

Die beiden Behörden halten ausdrücklich fest, dass Bockshornkleesamen oft in einer Samenmischung auf den Markt kommen, was eine Kontaminierung beim Umverpacken nicht ausschließe.

Erreger nur ein Mal auf Sprossen nachgewiesen

Bislang ist jedoch nur ein Mal der Erreger wirklich auf Sprossen nachgewiesen worden, sagte Jürgen Thier-Kundke, Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung. Diese hatte ein Familienvater aus Königswinter bei Bonn aus dem Müll geholt, nachdem seine Frau und seine Tochter schwer erkrankt waren. Aus Sicht des Epidemiologen Krause besteht kein Widerspruch zwischen den tausenden Erkrankungen und der Tatsache, dass der Erreger nur einmal auf Sprossen gefunden wurde. Solche Erreger seienvor allem nachträglich schwer nachzuweisen.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin datiert den ersten Krankheitsbeginn in Deutschland rückwirkend auf den 1. Mai. Insgesamt registrierte es bis Ende Juni 3929 EHEC-Infektionen. 838 dieser Patienten mussten wegen der schweren Komplikation HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom) behandelt werden. 47 Menschen starben. Seit Ende Mai ebbt die Krankheitswelle ab. "Inzwischen sehen wir in Deutschland nur noch sehr wenige Fälle und erkennen eine deutliche Beruhigung", sagt der Leiter der Infektionsepidemiologie am Robert Koch-Institut, Gérard Krause.

Warnung vor Sprossen bleibt bestehen

Für den Rückgang an Neuerkrankungen haben die Wissenschaftler mindestens zwei mögliche Erklärungen. Es sei denkbar, dass die Menschen einfach weniger verunreinigte Lebensmittel essen. Es könne aber auch sein, dass der Erregerherd in Deutschland ausgelöscht sei, sagt Thier-Kundke. Ob die Gefahr eines weiteren Ausbruchs gebannt ist, sei jedoch ungewiss. Zu den dringenden Ratschlägen der Experten an die Verbraucher gehört, dass sie keine Sprossen für den eigenen Konsum ziehen und Sprossen auch erst nach einem ausführlichen Kochen verzehren sollten.

"Wir müssen ganz, ganz wachsam sein", fordert Krause. "Die Ärzte und Labore müssen weiterhin gut diagnostizieren und die Ergebnisse schnell an die Gesundheitsämter melden", betont er. Die Ämter wiederum müssten weiterhin schnell und genau erfassen, was die möglichen Ursachen und die Infektionsquellen gewesen sind. "Auch die Patienten müssen mitarbeiten und für die Gesundheitsämter erreichbar sein und versuchen, sich möglichst genau zu erinnern." Nur so könne bei neuen Fällen schnell festgestellt werden, ob es eine neue Infektionsquelle gibt.

swd/DPA
 
 
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