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Halbjahresrückblick 2011: Dieses Jahr ist nicht normal

Seit dem Wochenende ist das Jahr 2011 schon halb rum. 183 von 365 Tagen sind bereits vergangen. Ein Halbjahresrückblick.

Normalerweise werden Jahresrückblicke erst ab Mitte November geschrieben. Normalerweise. Aber was ist dieses Jahr schon normal? Fukushima, Arabischer Frühling, Euro-Krise, grüne Wende in Baden-Württemberg, Plagiatsskandale, die Tötung Osama bin Ladens - in diesem Jahr ist bereits genug passiert, um nach der Hälfte von 365 Tagen kurz innezuhalten.

In den Nachrichten scheint es in diesem Jahr öfter um ganz Wesentliches zu gehen: Freiheit und Gerechtigkeit (Nordafrika, Nahost) oder die Zukunft unseres Geldes (Griechenland, Euro).

Wovor Atomkraftgegner schon früher warnten, wird in Japan schreckliche Realität: Ein Erdbeben zerstört ein Kernkraftwerk mit kaum absehbaren Folgen.

In Deutschland führt der Schrecken von Fukushima zu einer Wende der Regierung in Sachen Atomausstieg. Erkenntnis: Wenn ein so modernes und stark bevölkertes Land wie Japan diese Katastrophe nicht beherrscht, ist doch klar, dass Deutschland das auch nicht kann und raus aus der Atomkraft muss.

Nicht zuletzt in diesem Fahrwasser wird das früher Undenkbare möglich: eine grüngeführte Landesregierung im Mercedes-Land Baden-Württemberg. Werden wir jetzt alle grün und öko?

Moral und Menschenrechte

Als mit der Tötung Osama bin Ladens die Nullerjahre verspätet enden, kommt die komplizierte Frage auf, ob man sich jetzt darüber freuen dürfe, dass der islamistische Terrorist tot ist.

Um Moral und Menschenrechte geht es auch, wenn man sich mit den Fällen des plötzlich wochenlang verschwundenen chinesischen Künstlers Ai Weiwei beschäftigt oder der Affäre rund um den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn.

Im Privatleben von Millionen Menschen sorgen nach wie vor soziale Netzwerke für Umwälzungen. Dabei legen viele Leute ein zwiespältiges Verhältnis zum Datenschutz an den Tag. Man mault zwar über die Spionage von Facebook und Co., ist aber trotzdem dort aktiv.

Und schließlich ist da noch die Sache mit der Ernährung. Irgendwas mit unserem Essen ist immer, so scheint es. Doch während es mancher tief in seinem Innern fast als Genugtuung empfindet, wenn Tierquälerei und Klimaschädigung bei der Massentierhaltung mit BSE-, Gammelfleisch- und Dioxin-Skandalen als "Wurst-Case-Szenarien" bestraft werden, muss beim Thema Ehec plötzlich vor Gemüse gewarnt werden, was eigentlich als gut und gesund gilt. Der Gurken-GAU ist da, auch wenn er später zur schlimmen Sprossen-Posse wird.

Gregor Tholl, DPA / DPA