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11. Januar 2011, 12:48 Uhr

Tester entdecken Dioxin in Schweinefleisch

Bisher waren Eier und Hühnerfleisch betroffen, nun ist auch in Schweinefleisch ein erhöhter Dioxin-Gehalt entdeckt worden. Mehrere hundert Tiere eines Hofes mussten notgeschlachtet werden.

Dioxin, Skandal, Schweine, Futtermittel

Mehrere hundert Schweine im Betrieb mussten getötet und entsorgt werden© Carmen Jaspersen/DPA

Erstmals ist auch ein erhöhter Dioxinwert in Schweinefleisch nachgewiesen worden. Bei einem Schweinemäster im niedersächsischen Landkreis Verden ergab eine Probeschlachtung bei einem Tier den stark erhöhten Giftgehalt, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover mit. Um wie viel der Grenzwert überschritten wurde, war zunächst nicht bekannt.

In den vergangenen Tagen waren nur in Proben von Eiern und Legehennenfleisch erhöhte Dioxin-Werte gemessen worden. Proben bei Hähnchen, Putenfleisch und Kuhmilch wiesen keine Überschreitungen von Grenzwerten auf. In Niedersachsen würden nun sämtliche Schweine des betroffenen Hofes getötet und entsorgt, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne. Es handelt sich um mehrere hundert Tiere.

Widersprüchliche Angaben gab es dazu, ob Dioxin-Schweinefleisch von dem Hof im Landkreis Verden in den Handel gekommen sein könnte. Der niedersächsische Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke schloss dies kategorisch aus, der Verdener Kreisveterinär Peter Rojem war sich da nicht so sicher. Zuletzt seien Schweine am 29. Dezember geschlachtet worden - gesperrt worden sei der Betrieb aber erst Anfang Januar, warnte er.

 Kurz darauf kam die nächste alarmierende Nachricht: In mehreren Supermärkten der Region Hannover gelangten Eier eines vorsorglich gesperrten Hofes in den Handel. Ein Verbraucher hatte sich am Montag mit einer entsprechenden Eierpackung an die Behörden gewandt.

Zudem sei bei einem zweiten Schweinemäster ein Tier entdeckt worden, dessen Belastung im Grenzbereich liege. Dort werden weitere Proben genommen, der Hof bleibt gesperrt. Die derzeit noch gesperrten 330 niedersächsischen Schweine- und Putenmäster sowie Legehennenbetriebe würden einzeln kontrolliert, um Risiken für die Lebensmittelsicherheit auszuschließen.

Gesetzesverschärfung für die Futterindustrie

Tausende wegen Dioxin-Verdachts gesperrte Agrarbetriebe dürfen inzwischen wieder ihre Produkte verkaufen. Nach Angaben von Montagabend waren noch 558 Betriebe gesperrt, davon neben den 330 in Niedersachsen 143 in Nordrhein-Westfalen und 62 in Schleswig- Holstein.

Der Dioxin-Skandal sollte an diesem Dienstagnachmittag auch im Mittelpunkt einer Sondersitzung des Verbraucherausschusses des Bundestags stehen. Alle Parteien fordern Konsequenzen. Ministerin Ilse Aigner (CSU) regte an, dass Futterhersteller nur noch unter strengen Bedingungen zugelassen werden. Und sie sollen nicht mehr parallel Futterfette und technische Fette herstellen dürfen. Kriminelle Panschereien gelten als Ursache des Skandals, der zeitweise zur Sperrung von etwa 5000 Höfen führte.

Um eine Wiederholung des Dioxin-Skandals zu verhindern, will Niedersachsen nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums vorschlagen, Industriefett künftig einfärben zu lassen. Die FDP will Panschereien in der Futterindustrie mit einer Gesetzesverschärfung unterbinden. "Die gängige Praxis, kontaminierte Futtermittel soweit zu verdünnen, dass sie unter dem festgelegten Auslösewert liegen, muss unterbunden werden", heißt es in einem Positionspapier der Fraktionssprecherin für Ernährung und Landwirtschaft, Christel Happach-Kasan. Sie schlug vor, schon am Beginn der Kette, etwa bei den Futterfettproduzenten, härtere Richtlinien einzuführen und die Regeln für die Eigenkontrolle der Futtermittelindustrie zu verschärfen.

Der Skandal geht auch an vielen Fleischereien nicht spurlos vorbei. "Wir spüren das auf jeden Fall, und sei es nur, weil die Kunden uns immer wieder darauf ansprechen", sagt der Präsident des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV), Manfred Rycken. "Wir stehen ganz am Ende der Kette und sind trotzdem diejenigen, die den Kunden alles erklären müssen, weil wir ihnen Auge in Auge gegenüberstehen."

Die Verbraucher kaufen als Reaktion verstärkt Lebensmittel aus ökologischer Produktion. "Bio-Eier sind ausverkauft", sagte Prof. Ulrich Hamm, Experte für Lebensmittelmarketing im Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Uni Kassel, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Dies hätten zahlreiche Händler und große Erzeuger berichtet. Beim Anbauverband Naturland hieß es hingegen: "Ausverkauft sind die Bio-Eier noch nicht, der Umsatz damit ist aber um das Drei- bis Vierfache gestiegen."

Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren

Der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann (CDU) forderte indes hohe Strafen für die Verantwortlichen. "Wenn sich das alles so bewahrheitet, ist das erhebliche kriminelle Energie", sagte der Minister am Montagabend in Hannover. "Nach derzeitigem Stand kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass irgendwelche Dinge fahrlässig stattfanden." Die Hauptverantwortung sieht Busemann nach den bisherigen Ermittlungen bei Harles und Jentzsch. "Hier wird über erhebliche Freiheitsstrafen zu denken sein", sagte der Minister. Betrug im besonders schweren Fall zieht Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren nach sich.

ins/DPA
 
 
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