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29. Juli 2009, 12:00 Uhr

Nanopartikel verändern Hirnentwicklung

Obwohl die gesundheitlichen Risiken von Nanopartikeln kaum erforscht sind, werden sie unter anderem in Sonnencremes eingesetzt. Japanische Forscher berichten jetzt: Eine hohe Dosis von Nanopartikeln aus Titanoxid beeinflusst die Hirnentwicklung bei ungeborenen Mäusen - und könnte so schwere Krankheiten auslösen.

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Nanopartikel werden unter anderem Cremes zugesetzt© Colourbox

Bekommt eine ungeborene Maus eine größere Dosis von Nanopartikeln ab, wirkt sich das auf die Entwicklung ihres Gehirns aus, berichten japanische Forscher. Die Titandioxid-Partikel veränderten Proteinproduktion, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal "Particle and Fibre Toxicology".

Konkret störten sie die Umsetzung von Erbgutinformationen in Proteine. Betroffen seien unter anderem Gene, die bei neurologischen Störungen eine Rolle spielen. "Unsere Ergebnisse stützen die Befürchtung, dass dieses spezielle Nanomaterial das Potenzial hat, die menschliche Gesundheit zu beeinflussen", schreibt Ken Takeda von der Wissenschaftlichen Universität in Tokio in einer Mitteilung zu seiner Studie.

Wenige Nanometer (Millionstel Millimeter) winzige Titandioxid- Partikel werden etwa in Sonnencremes, zur Luft- und Wasserreinigung und für selbstreinigende Oberflächen eingesetzt. Das Team um spritzte trächtigen Mäusen eine Lösung mit Partikeln der Größe 25 bis 70 Nanometer. Die Aktivität im Gehirn der Jungen wurde anschließend bei Föten und zu verschiedenen Zeitpunkten nach der Geburt überprüft und mit der von Nachwuchs unbehandelter Tiere verglichen. In ihrer Arbeit weisen die japanischen Forscher darauf hin, dass den Mäuse-Müttern vergleichsweise hohe Dosen Titandioxid gespritzt wurden, der Effekt sei deshalb nicht eins zu eins auf die reale Situation übertragbar, sondern nur ein erster Anhaltspunkt.

Autismus, Epilepsie, Parkinson

Dabei zeigten sich bei hunderten Genen Unterschiede in der Umsetzung. Viele der Muster waren typisch für bestimmte neurologische Störungen. Takeda: "Zu den Krankheiten, die auf diese Gene zurückzuführen sind, zählen solche, die sich in der Kindheit entwickeln, wie Autismus, Epilepsie und Lernschwierigkeiten, aber auch solche, die vor allem bei Erwachsenen oder im Alter auftreten, wie Alzheimer, Schizophrenie und Parkinson."

Werden Materialien auf Nanometer-Maßstab gebracht, verändern sich ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften. Auch der Einfluss auf biologische Systeme wandelt sich - weil die winzigen Partikel zum Beispiel im Körper in viel mehr Bereiche vordringen und mit winzigen Molekülen interagieren können.

"Normale" Titandioxid-Krümelchen werden als weißes Pigment schon seit Jahrzehnten tonnenweise in Farben und Sunblockern verwendet. Seit einiger Zeit werden auch wenige Nanometer winzige Partikel der Substanz verwendet - obwohl Forscher noch nicht viel darüber wissen, wie Nanopartikel die Gesundheit beeinflussen. In Tierversuchen wurden mehrfach negative Effekte beispielsweise auf die Atemwege nachgewiesen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
traldors (29.07.2009, 14:33 Uhr)
Verdammt (...)
seit Jahren beliefere ich den Bundestag mit dem Zeuch, damit die alle "teflonbeschichtet" die Probleme der Bürger ignorieren und schon "verbräsen". Jetzt dieser Artikel, ich bin aufgeschmissen. Na warte, Härr Rädäktörr! Das merke ich mir, die nächste "balsamische Einreibung" ist bald fällig!
gesox (29.07.2009, 12:42 Uhr)
Was passiert nun?
Die Lobby der Titandioxidproduzenten wird schon dafür sorgen, daß die Resultate heruntergespielt und die politischen Entscheider beeinflusst werden. Warum sollten die Hersteller DuPont, Kronos Titan, Cristal, Tronox und Huntsman auch so ohne weiteres wissenschaftliche Ergebnisse anerkennen...
starmax (29.07.2009, 12:37 Uhr)
Immer wieder wundere ich mich,
daß Substanzen ohne jegliche Prüfung in Materialien, Medizin und sogar Nahrung (!)eingearbeitet werden dürfen, ohne daß die (Neben-)Wirkungen bedacht, wenigstens drauf hingewiesen oder eine Versicherung dafür abgeschlossen wurde.
Das muß geändert werden!
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