Wer eine optimistische Lebenseinstellung hat, lebt länger, sagen Forscher. Ängstliche oder depressive Menschen leiden dagegen häufiger unter brüchigen Knochen, Rückenschmerzen oder Herzkrankheiten. Wie die Psyche den Körper beeinflusst. Von Nanette Franke

Eine positive Lebenseinstellung ist auch gut für die Gesundheit© Colourbox
Gefühle spielen sich nicht nur im Kopf ab, sie wirken sich auch auf den Körper aus. Studie zeigen: Wer etwa dauerhaft gestresst ist, neigt viel eher zu bestimmten Krankheiten und verschlimmert die Symptome von schon bestehenden. Auch eine Depression ist oft mit körperlichen Beschwerden verknüpft. Eine Reihe von Beispielen zeigt, wie eng psychische Verfassung und körperliche Gesundheit miteinander gekoppelt sind.
Osteoporose, der gefürchtete Knochenschwund, trifft vor allem Frauen nach der Menopause. Bei denen, die früher erkranken, spielt oft eine Depression mit hinein. Das fand eine Forschergruppe um Giovanni Cizza am US-National Institute of Mental Health Maryland heraus. Die Gruppe untersuchte Frauen zwischen 21 und 45 Jahren. 44 davon waren seelisch gesund, 98 litten an einer leichten Depression. In der Gruppe der Depressiven zeigte sich bei 20 Prozent eine deutliche Verminderung der Knochensubstanz an der Lendenwirbelsäule, bei 17 Prozent auch am Oberschenkelhals.
Diese Veränderung des Skeletts sei, so betonen die US-Forscher in einer Veröffentlichung im Fachblatt "Archives of Internal Medicine", nicht auf die Einnahme von Antidepressiva zurückzuführen. Vielmehr gehe man davon aus, dass eine Depression die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe, so genannter Zytokine, steigert. Von einem dieser Botenstoffe, dem Interleukin 6, weiß man, dass er den Knochenabbau fördert.
Der Zusammenhang von angespannter mentaler Verfassung und dem Anstieg von Zytokinen im Blut wurde auch bei Patienten mit rheumatoider Arthritis beobachtet, sagt Rainer Straub, Forschungsleiter am Universitätsklinikum Regensburg. Das so genannte Rheuma beruht auf einer Fehlsteuerung des Immunsystems: Abwehrmechanismen, die eigentlich Bakterien und Viren bekämpfen sollen, richten sich gegen den eigenen Körper. Es kommt zu Entzündungen, die sich immer wieder selbst anheizen und dabei Knochen abbauende Zellen aktivieren. Empfindet der Patient Angst oder ist er, etwa aufgrund einer Depression, in einem Stress-Zustand, bringt das offenbar die Mechanismen der hormonalen Steuerung durcheinander.
"Normalerweise", sagt Straub, "wirkt Stress antientzündlich, denn er bewirkt eine erhöhte Ausschüttung von Cortisol, dem körpereigenen Kortison. Gerät jedoch das Immunsystem aus der Bahn, ist auch die Stressverarbeitung gestört." In einer paradoxen Reaktion schütte der Körper statt mehr Cortisol nun mehr Entzündungsstoffe wie Interleukin 6 aus, was die Krankheitssymptome verschlimmere. An der Universität Utrecht setzt man genau dort an. Ein Stressbewältigungstraining für Rheumapatienten mit viel Bewegung und ausreichender Schlaf soll die Zytokin-Antwort des Körpers wieder herunterfahren.