Volle Kraft voraus!

18. November 2006, 08:00 Uhr

Mucki-Buden voller Goldkettchenträger - das war gestern. Heute trainieren Millionen von Männern und Frauen, die früher nie einen Fuß ins Fitness-Studio gesetzt hätten. Von Katja Trippel

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Fitness-Studio, Muskeltraining, Fitness

Egal, was Sie tun, um Ihren Körper zu trainieren, zu stählen, zu festigen oder zu straffen - Sie liegen damit im Trend©

Würden Sie sich bis zum Bauch in eine Vakuumkammer einschließen lassen, in der Ihre Beine beim Radeln per Unter- und Überdruck geknetet werden? Sich auf ein vibrierendes Brett stellen, das Ihren Körper stärker durchrüttelt als eine Trabi-Fahrt über Kopfsteinpflaster? Oder sich gar in eine Korsage zwängen, die Stromstöße durch Brust, Arme, Bauch und Beine jagt?

Vielleicht sind Sie auch eher der Typ, der gern auf wackeligen Brettern rumhüpft. Schwingende Stäbe in der Luft kreisen lässt. Der ganz klassisch Gewichte hebt, Hanteln stemmt, gegen Maschinen drückt. Oder der im eleganten Old-Style Kniebeugen und Liegestütze macht.

Egal, was Sie tun, um Ihren Körper zu trainieren, zu stählen, zu festigen oder zu straffen - Sie liegen damit im Trend. Muskeln, Kraft und Stärke sind in, gelten nicht mehr als Ersatz für ein leistungsfähiges Hirn, sondern als förderlich für Image und Gesundheit. Aus der primitiven Bewegung von Massen ist eine lukrative Massenbewegung geworden, die selbst von Krankenkassen und Arbeitgebern großzügig unterstützt wird: Auf 22 Milliarden Euro schätzt der Deutsche Sportbund den Jahresumsatz auf dem Sport- und Fitnessmarkt in Deutschland; kaum ein Haushalt, in dem nicht Hanteln, Thera-Bänder, Tubes oder Rudergeräte bewegt werden - oder zumindest im Schrank darauf warten.

4,2 Millionen Männer und Frauen schwitzen in Fitness-Studios

Vor allem Fitness-Ketten freuen sich seit Jahren über einen bemerkenswerten Mitgliederzuwachs; mehr als jeder vierte Bundesbürger zwischen 16 und 70 Jahren denkt laut einer Umfrage des Deutschen Sportstudio-Verbandes DSSV derzeit darüber nach, in eines der 5500 Studios einzutreten. 4,2 Millionen Männer und Frauen sind zahlende Mitglieder und schwitzen nach Gusto regelmäßig an den Übungsgeräten oder bei Kursen für Bauch-Beine-Po bis Power-Yoga. Nur in den Königsdisziplinen Fußball und Turnen sind mehr Sportler aktiv.

Wie sehr sich die Kundschaft seit den 1990er Jahren gewandelt hat, zeigt die DSSV-Statistik. Statt junger, männlicher Kraftprotze, die sich möglichst dicke Mucki-Pakete antrainieren, treffen sich mehrheitlich Menschen im Studio, die etwas für Gesundheit und Wohlbefinden tun wollen; sportliche wie unsportliche Zeitgenossen, die wissen, dass selbst geringfügig trainierte Muskeln ihren Körper in Form bringen und ihm mehr Power für den Alltag schenken.

"Kraft ist nicht alles - aber ohne Kraft ist vieles nichts"

Die Branche hat auf die gewandelte Kundschaft reagiert und bietet mehr und mehr spezielle Trainingskonzepte an - vor allem für die Zielgruppen, die früher keinen Fuß freiwillig in ein Sportstudio gesetzt hätten: Best Age 50plus spricht Bewegungswillige über 50 mit einem lizenzierten Fitness- und Wohlfühlprogramm. Mit Kids XXL sollen übergewichtige Kinder fern der hämischen Blicke ihrer Altersgenossen in Schwung kommen. In Curves-Studios trainieren mehr oder weniger rundliche Frauen im kleinen Kreis mit hydraulischen Maschinen ohne Gewichte. Workaholics mit wenig Zeit, aber zunehmendem Bauchansatz finden bei der Elixia-Gruppe ein individuelles Trainings- und Entspannungsprogramm.

Grundsätzlich gilt: Für Männer und Frauen ohne schwerwiegende gesundheitliche Probleme führt der erfolgreiche Weg aus der Schlaffheit immer über den Muskelaufbau. Oder wie der Heidelberger Sportwissenschaftler und ehemalige Deutsche Meister im Bodybuilding, Axel Gottlob, beschwört: "Kraft ist nicht alles - aber ohne Kraft ist vieles nichts."

Schon sanfter Drill beugt Verschleiß vor

>> "Unsere Muskeln richten uns auf, tragen uns durchs Leben und machen unseren Körper leistungsfähig - vom ersten Kopfheben als Baby bis zum eigenständigen Aufstehen aus dem Sessel im Alter. Ein Plus an Kraft hilft uns, schwerer zu tragen, schneller zu laufen, höher zu springen oder uns eleganter zu bewegen. Eine einfache Rechnung macht es deutlich: Bei einem Schlanken sind etwa ein Drittel des Körpergewichts Muskeln, diese tragen die restlichen zwei Drittel. Mit ein paar Kilo Fett mehr auf den Rippen müssen die Muskeln und Gelenke schnell drei Viertel des Gesamtgewichts stemmen - der Körper wird schwerfällig. Untrainierten stehen nur etwa 70 Prozent ihres Kraftpotenzials zur Verfügung.

>> "Eine starke Rücken- und Bauchmuskulatur stützt unser Skelett mitsamt der Wirbelsäule, starke Beine sind die tragenden Säulen unseres Körpers - nicht nur bei Senioren. Krafttraining macht unsere Gelenke, Sehnen, Bänder, Knor-pel und Knochen belastbarer und beugt damit Haltungsschäden, Rücken- und Gelenkbeschwerden sowie Osteoporose vor.

>> "Ab 30 reduziert sich die Muskel- und Knochenmasse bei Männern und Frauen kontinuierlich, mit 70 Jahren hat der Mensch gut ein Drittel seiner Muskelpracht verloren. Schon ein sanfter Drill beugt dem Verfall vor, hält ihn auf oder kehrt ihn gar um - ist also das beste Mittel gegen Schlaffheit und Verschleiß bei Menschen, die vom Frühstück über den Schreibtischjob bis zum Fernsehabend hauptsächlich sitzen und damit ihren Bewegungsapparat langsam, aber sicher lahmlegen. Alle, die in ihrem Job körperlich einseitig belastet sind, können durch ausgleichendes Krafttraining gegensteuern und Langzeitschäden verhindern.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 46/2006

Fitness-Studios: Das sagt die Stiftung Warentest Für die Oktober-Ausgabe ihres Magazins "test" nahmen die renommierten Produkt-prüfer sieben überregionale Fitness-Anbieter unter die Lupe. Dabei wurden vier Studioketten mit und drei ohne Kursangebote berücksichtigt. Auch die Preisunterschiede fielen groß aus: Den billigsten Jahresvertrag konnte der Tester bei McFit für 210 Euro abschließen. Das teuerste Angebot fand er bei Elixia mit bis zu 1270 Euro. Entsprechend groß sind auch die Unterschiede in Ambiente, Zielgruppe und Ausstattung - bei McFit wurden zum Beispiel fürs Duschen 50 Cent extra verlangt. Neben der Bewertung der Trainings- und Betreuungsqualität ließ die Stiftung auch die Vertragsgestaltung der Studios begutachten. Wurde der Kunde über Gebühr benachteiligt, führte dies zur Abwertung des Anbieters.
Testkriterien Mit jeweils 35 Prozent gingen die Qualität der Trainingseinführung (wie gut sind Einführungstraining, Fitness-Test und Trainingsplan?) und der Trainingsbetreuung (was leisten die Trainer bei den verschiedenen Aktivitäten?) in das Gesamturteil ein. Über die verbleibenden 30 Prozent der Bewertung entschieden die Trainingsbedingungen (Öffnungszeiten, Preistransparenz, Geräte und Räume usw.).
Ergebnisse Testsieger wurde Kieser Training - der reine Muskelkraft-Fabrikant erreichte als Einziger das Qualitätsurteil "gut". Elixia, Injoy, Fitness Company, Eisenhauer Training und McFit schnitten "befriedigend" ab. Der vornehme Anbieter Holmes Place wurde gar gerügt: Dort war die "Benachteiligung durch die allgemeinen Geschäftsbedingungen so stark, dass sie das test-Qualitätsurteil um eine Note nach unten drückte" - am Ende lautete es "ausreichend".
Der vollständige Test ist für 1 Euro Gebühr zu haben: www.stiftung-waren test.de/online/gesund heit_kosmetik.html

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