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22. April 2010, 13:13 Uhr

Apotheker beraten häufig schlecht

Apothekern ist zu vertrauen - das denken viele Patienten. Eine Studie der Stiftung Warentest kommt zu einem anderen Ergebnis: Von 50 getesteten Apotheken erhielten elf ein "mangelhaft", nur sieben waren "gut". Von Lea Wolz

Apotheken, Stiftung Warentest, Apotheken im Test, Arzneimittel, Internetapotheke, Versandapotheke

Die Beratung in Apotheken lässt häufig zu wünschen übrig, bemängelt Stiftung Warentest© Rolf Vennenbernd/DPA

Dürfen bestimmte Tabletten gegen Migräne und Antidepressiva zusammen eingenommen werden? Sind Johanniskraut und Säureblocker gegen Sodbrennen kombinierbar? Und welche Medikamente helfen, wenn ein kleines Kind an Fieber erkrankt ist? Wer solche Fragen hat, ist bei Apothekern in guten Händen - das denken zumindest viele Deutsche. Eine Studie der Stiftung Warentest kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach ist die Beratung in Apotheken alles andere als optimal, wie die Zeitschrift "test" in ihrer Mai-Ausgabe berichtet. Nur 7 von 50 getesteten Apotheken sind "gut", darunter keine einzige Versandapotheke, elf Pharmazeuten erhielten sogar ein "mangelhaft". Besonders die Versandapotheken schnitten schlechter ab als in dem Test vor zwei Jahren. Von 23 getesteten erhielten nur vier ein "befriedigend", alle anderen waren schlechter.

Die Tester untersuchten Vor-Ort-Apotheken, die entweder zu bundesweit vorhandenen Kooperationen wie "Linda" und "Meine Apotheke" oder zu Markenpartnerschaften wie "Easy Apotheke" und "Doc Morris" gehören, und verschiedene Versandapotheken, darunter "sanicare.de", "mycare.de" und "vitalsana.eu". Beratung zu Medikamenten, deren Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und die Herstellung einer Rezeptur standen dabei im Mittelpunkt des Testes. In 27 Vor-Ort-Apotheken in Berlin, Essen, Nürnberg und Augsburg überprüften Testkunden den Service, bei den Versandapotheken wurde auf Bestell- und Lieferservice, Webseite und allgemeine Geschäftsbedingungen geachtet.

Falsche Informationen zu Arzneimitteln

Das Ergebnis: Bei Beratung und Service schneiden die Apotheken um die Ecke besser ab, die Versandapotheken sind dagegen häufig günstiger, was vereinzelt allerdings durch die Versandkosten aufgehoben werden kann. Insgesamt kam die Beratung der Kunden zu kurz. "'Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Apotheker' - genau das haben wir getan und mussten leider viel zu oft feststellen, dass dieser Ratschlag kein guter ist", sagt der für die Untersuchung zuständige Abteilungsleiter Holger Brackemann. Dabei verlassen sich Patienten gerade bei den freiverkäuflichen Medikamenten, für die kein Rezept gebraucht wird, auf den Rat ihres Apothekers.

Doch die Fachkräfte informieren vielfach falsch über Arzneimittel, erkennen die Wechselwirkung zwischen Medikamenten nicht oder geben falsche Hinweise zur Dosierung. So wurden bei dem Test bestimmte Tabletten gegen Migräne verkauft, obwohl der Patient angab, ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum zu nehmen. Beide Mittel dürften eigentlich nur unter Kontrolle eines Arztes gemeinsam eingenommen werden, da es zu Unruhe, Zittern und Bewusstseinsstörungen kommen könne. In einem anderen Fall fragte der Kunde nach einem Mittel gegen Sodbrennen und Johanniskraut. Letzteres kann die Wirkung des anderen Mittels abschwächen, worauf allerdings nur vier Apotheken hinwiesen. "Obwohl gezielt nachgefragt wurde und der eine Fall medizinisch nicht besonders anspruchsvoll war, gab es jede Menge Patzer", sagt Brackemann. Generell schnitten Versandapotheker beim Erkennen von Wechselwirkungen schlechter ab als Apotheken vor Ort. Allerdings hielten sich Versandapotheken nicht an die Pflicht, Rezepturen herzustellen, und lehnten manche Aufträge ab.

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Seite 2: Keine einzige Versandapotheke ist "gut"
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
paladin09 (23.04.2010, 13:41 Uhr)
Apotheker beraten schlecht?
Uns geht das ganze Palaver in den Apotheken auf den Keks. Vor allem, wenn es sich um Medikamente handelt die man bereits über Jahre nehmen muß. Daher brechen wir von uns aus in Apotheken schon jedes Beratungspalaver ab. Wir diesen Quatsch verschwenden wir nicht unsere kostbare Zeit.
Im übrigen beschränkt sich die Beratung in der Apotheke ohnehin auf alles was auch im Beipackzettel nachzulesen steht.
Stiftung Warentest legt Testkriterien fest nach denen sie Apotheken beurteilt ohne vorheriger Umfrage unter der Bevölkerung zu erheben wer auf Beratung überhaupt wert legt.
Ebenso haben wir mit einigen online Apotheken im Gegensatz zu Stiftung Warentest nur gute Erfahrungen gemacht. Medikamente von online Apotheken wurden stets schnell geliefert und preiswerter war es auch noch. Zudem erhält man die Medikamente an die Wohnungstür geliefert und erspart sich den Gang und das Beratungspalaver der Apotheken.
Wir können dem Test nichts positives abgewinnen noch positives bescheinigen. Wir legen an Apotheken andere Maßstäbe, wann eine Apotheke gut oder weniger gut ist.
Da dürften wir nicht die einzigsten sein.
Arioffz (23.04.2010, 08:10 Uhr)
Ist doch mittlerweile
normal das bei uns alles unteres Mittelmaß ist!
JRx1 (23.04.2010, 06:27 Uhr)
Ich bin dafuer ...
Apotheken aufzuloesen ( diese fuehlen sich als verkaufer von arzneimitteln fast so wichtig wie ein Doktor) und medizin im Supermarkt zu verkaufen, vom Apotheker neben dem Wurst stand!

Einsparungen fuer die Krankenkassen 40 Millarden Euro! Runter mit dem Beitrag!
tobix (22.04.2010, 22:07 Uhr)
@Sternschnupper
An der Tankstelle zahlt man für Bequemlichkeit (bin eh zum Tanken da....) oder Öffnungszeiten. Da es die gleichen Waren auch woanders gibt, habe ich die freie Wahl.

Rezeptfreie Medikamente dagegen bekomme ich nur in der Apotheke. Und da finde ich die Preisaufschläge echt hart. Und ich brauche für eine Packung Aspirin nicht jedesmal 2 EUR Beratung... Von Waren wie bspw. Milbiol für Milben-Allergiker schonmal ganz abgesehen, wo man schon bei einer Flasche richtig viel online spart.
Sternschnupper (22.04.2010, 19:57 Uhr)
...nochwas...
...warum kosten z.B. Chips in der Tanke deutlich mehr als im Supermarkt ? Und warum wird das ohne zu murren akzeptiert ? ;-)
Sternschnupper (22.04.2010, 19:56 Uhr)
Das kann ich so nicht beantworten...
@tobix::...denn ich bin genauso nur Kunde in Apotheken. Aber grundsätzlich würde ich sagen, das es Dinge online nunmal günstiger gibt, ist ja kein apothekenspezifisches Phänomen. Es hat schlicht mit den veränderten Märkten und den unetrschiedlichen Kostenfaktoren zutun. Es ist doch eine Unverschämtheit, das die Pharmariesen Medikamente in Deutschland nunmal zu den teuresten Preisen in Europa anbieten, und der Verbraucher dafür die Apotheker verantwortlich macht. Warum werden die Unternehmen nicht gezwungen, die Produkte europaweit zu einem gleichen Preis anzubieten ? Tja...warum nur...hat das etwa mit den schwarzen Köfferchen zutun, die schonmal den Besitzer wechseln ? Im übrigen noch eines zum Onlinehandel: würden wir alle Waren nur noch online beziehen, dürften Innenstädte irgendwann anders aussehen und der individuelle Warentransport, der ja heute schon wahnsinnige Formen angenommen hat, weiter explodieren. Dazu kommt noch, das bei Fehl- oder Falschlieferungen erneute Transporte notwendig sind, und damit auch Wartezeiten verbunden sind. Und wer allen ernstes behaupten will, das Versand immer reibungslos funktioniert, kann nicht viel an Waren bislang bestellt haben. Wir alle haben branchenübergreifend doch auch schonmal etwas anderes erlebt...Beschädigungen, Verluste etc. . Übrigens, auch die kleinen Apotheken liefern Medikamente nach Hause, wenn sie mal etwas nicht vorrätig haben, oder der Patient schlecht zu Fuß ist. Als ich mal bettlägerig war, habe ich das kostenlos in Anspruch genommen. Sowas wird natürlich nirgends erwähnt...
undueberhaupt (22.04.2010, 17:26 Uhr)
@OttoB
Das kann ich bestätigen. Als chronisch Kranker bin ich 7 Jahre bei Doc Morris. Diese Versandapotheke hat mich noch nie enttäuscht.
tobix (22.04.2010, 16:35 Uhr)
@Sternschnupper
Ich frage mich, warum ich bspw. rezeptfreie Medikamente bei Online-Apotheken locker 30% billiger bekomme. Oder warum die zusätzlichen Waren (also keine Medikamente) in der Apotheke so teuer sind.

Klar ist die Notfallversorgung wichtig, aber wie oft muss ich die in Anspruch nehmen und was zahle ich in der Zwischenzeit an Aufpreis über die überhöhten Preise?
Sternschnupper (22.04.2010, 16:08 Uhr)
Gewinnspannen ??
Mir sind Medikamente bekannt, die im EK 5.000 ? kosten, die die Apotheke auch mit geringem Ziel zu zahlen hat. Gewinnspanne dabei runde 5 ?, die allerdings durch die Zinsrechnung schon wieder aufgefressen werden. Welcher EH würde sich 0,1 % Gewinnspanne denn bieten lasen ?
nightmare_online (22.04.2010, 16:08 Uhr)
@knilch_59
Na also die FDP ist doch die Interessenvertretung der Apotheken in dem Parlamenten. Die haben sogar in den Koalitionsvertrag reinschreiben lassen, das die kleinen "Auswüchse" von Markt, die die Einnahmen ihrer Klientel bedrohen (Online-Apotheken), "auf den Prüfstand" sollen. Ebenso wie die Sache mit den "Pickup-Stellen" für Medikamente.
Die haben weiterhin dafür gesorgt, das Apotheken-Ketten nicht flächendeckend zu einer Konkurrenz ihrer Klientel werden.

Tja so ist das mit der FDP. Markt ja - nur nicht für die eigenen Leute.
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