Apothekern ist zu vertrauen - das denken viele Patienten. Eine Studie der Stiftung Warentest kommt zu einem anderen Ergebnis: Von 50 getesteten Apotheken erhielten elf ein "mangelhaft", nur sieben waren "gut". Von Lea Wolz

Die Beratung in Apotheken lässt häufig zu wünschen übrig, bemängelt Stiftung Warentest© Rolf Vennenbernd/DPA
Dürfen bestimmte Tabletten gegen Migräne und Antidepressiva zusammen eingenommen werden? Sind Johanniskraut und Säureblocker gegen Sodbrennen kombinierbar? Und welche Medikamente helfen, wenn ein kleines Kind an Fieber erkrankt ist? Wer solche Fragen hat, ist bei Apothekern in guten Händen - das denken zumindest viele Deutsche. Eine Studie der Stiftung Warentest kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach ist die Beratung in Apotheken alles andere als optimal, wie die Zeitschrift "test" in ihrer Mai-Ausgabe berichtet. Nur 7 von 50 getesteten Apotheken sind "gut", darunter keine einzige Versandapotheke, elf Pharmazeuten erhielten sogar ein "mangelhaft". Besonders die Versandapotheken schnitten schlechter ab als in dem Test vor zwei Jahren. Von 23 getesteten erhielten nur vier ein "befriedigend", alle anderen waren schlechter.
Die Tester untersuchten Vor-Ort-Apotheken, die entweder zu bundesweit vorhandenen Kooperationen wie "Linda" und "Meine Apotheke" oder zu Markenpartnerschaften wie "Easy Apotheke" und "Doc Morris" gehören, und verschiedene Versandapotheken, darunter "sanicare.de", "mycare.de" und "vitalsana.eu". Beratung zu Medikamenten, deren Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und die Herstellung einer Rezeptur standen dabei im Mittelpunkt des Testes. In 27 Vor-Ort-Apotheken in Berlin, Essen, Nürnberg und Augsburg überprüften Testkunden den Service, bei den Versandapotheken wurde auf Bestell- und Lieferservice, Webseite und allgemeine Geschäftsbedingungen geachtet.
Das Ergebnis: Bei Beratung und Service schneiden die Apotheken um die Ecke besser ab, die Versandapotheken sind dagegen häufig günstiger, was vereinzelt allerdings durch die Versandkosten aufgehoben werden kann. Insgesamt kam die Beratung der Kunden zu kurz. "'Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Apotheker' - genau das haben wir getan und mussten leider viel zu oft feststellen, dass dieser Ratschlag kein guter ist", sagt der für die Untersuchung zuständige Abteilungsleiter Holger Brackemann. Dabei verlassen sich Patienten gerade bei den freiverkäuflichen Medikamenten, für die kein Rezept gebraucht wird, auf den Rat ihres Apothekers.
Doch die Fachkräfte informieren vielfach falsch über Arzneimittel, erkennen die Wechselwirkung zwischen Medikamenten nicht oder geben falsche Hinweise zur Dosierung. So wurden bei dem Test bestimmte Tabletten gegen Migräne verkauft, obwohl der Patient angab, ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum zu nehmen. Beide Mittel dürften eigentlich nur unter Kontrolle eines Arztes gemeinsam eingenommen werden, da es zu Unruhe, Zittern und Bewusstseinsstörungen kommen könne. In einem anderen Fall fragte der Kunde nach einem Mittel gegen Sodbrennen und Johanniskraut. Letzteres kann die Wirkung des anderen Mittels abschwächen, worauf allerdings nur vier Apotheken hinwiesen. "Obwohl gezielt nachgefragt wurde und der eine Fall medizinisch nicht besonders anspruchsvoll war, gab es jede Menge Patzer", sagt Brackemann. Generell schnitten Versandapotheker beim Erkennen von Wechselwirkungen schlechter ab als Apotheken vor Ort. Allerdings hielten sich Versandapotheken nicht an die Pflicht, Rezepturen herzustellen, und lehnten manche Aufträge ab.