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21. August 2009, 21:02 Uhr

Zu wenig Sonne macht krank

Zu viel UV-Strahlung kann Krebs verursachen. Neue Studien aber zeigen, dass Sonnenlicht-Mangel ebenso gefährlich ist und das Risiko für Krankheiten wie Alzheimer und Herzinfarkt steigen lässt. Von Sonja Popovic

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Eine Mittagspause an der Sonne ist gut für die Vitamin-D-Produktion© Colourbox

Wie viel Sonne braucht der Mensch? Über diese Frage ist ein heftiger Streit unter Wissenschaftlern entbrannt. Auf der einen Seite warnen Dermatologen seit Jahren eindringlich vor zu viel UV-Strahlung, weil es Hautkrebs auslösen kann. Neuere Studien zeigen aber, dass eine übertriebene Sonnen-Abstinenz ebenfalls Probleme mit sich bringt: eine schlechte Versorgung mit Vitamin D und damit nicht nur ein erhöhtes Risiko für Osteoporose, sondern auch für weit verbreitete Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetes, Infektionen oder Alzheimer.

Gleichzeitig kann ein hoher Vitamin-D-Spiegel offenbar das Leben verlängern. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Universitäten Ludwigsburg und Graz. Über acht Jahre untersuchten sie 3200 Personen, die im Schnitt 62 Jahre alt waren. Jene Probanden, deren Vitamin-D-Spiegel niedriger war als empfohlen, hatten ein doppelt so hohes Sterberisiko, so das Ergebnis. Daneben erhöhte zu wenig Vitamin D im Blut offenbar auch die Wahrscheinlichkeit für eine Herzmuskelschwäche, einen Schlaganfall oder Krebs. Andere internationale Studien lieferten ähnliche Daten.

Die Flut an neuen Studien zu diesem Thema lässt sich mit einer wichtigen Entdeckung erklären: „Der Durchbruch gelang, als die Wissenschaft vor wenigen Jahren erkannte, dass es fast in allen Geweben und Organen spezifische Vitamin-D-Rezeptoren gibt. "Die sind da nicht zufällig", sagt Nicolai Worm. Der Münchner Ernährungswissenschaftler beschäftigt sich seit zehn Jahren mit dem Thema und hat den Stand der Forschung in seinem Buch "Heilkraft D" zusammengefasst.

Ohne UVB-Strahlen kein Vitamin D

Demnach sind Vitamin-D-Experten davon überzeugt, dass dieser Nährstoff an einer Vielzahl von Körpervorgängen beteiligt ist und somit eine deutlich größere Bedeutung hat, als bisher angenommen. Nur: Damit der Organismus genug davon bekommt, braucht er Sonne, darüber deckt er rund 90 Prozent seines Bedarfs. Genauer gesagt sind es die UV-B-Strahlen, die in der Haut einen chemischen Prozess in Gang setzen, wodurch Vitamin D gebildet wird. Damit ist die Substanz streng genommen kein Vitamin, weil der Körper diese laut Definition nicht selbst erzeugen kann und zuführen muss. Vitamin D sei ein Hormon, sagen Ernährungswissenschaftler.

Sobald aber jemand nach mehr Sonne verlangt, sind Hautspezialisten alarmiert. "Wir dürfen nicht versuchen, einen vielleicht schlechten Vitamin-D-Spiegel mit einem Übermaß an UV-Strahlung auszugleichen", sagt Rüdiger Greinert, Biophysiker am Dermatologischen Zentrum Buxtehude und warnt vor voreiligen Schlüssen - vieles sei noch unklar. Seine Sorge ist, dass die Menschen wieder unvorsichtig werden und stundenlang ungeschützt an der Sonne bleiben.

Eine Viertelstunde an der Sonne genügt

Dabei gibt es auch von Seiten der Vitamin-D-Experten keinen Freibrief für exzessive Sonnenbäder. Denn viel hilft nicht viel: Für eine angemessene Vitamin-D-Versorgung reichen im Schnitt je nach Hauttyp etwa 15 Minuten, dafür aber täglich oder so oft, wie die Sonne eben scheint. Am besten zwischen 10 und 14 Uhr, dann sei die UVB-Strahlung am höchsten, und ohne Sonnenschutz, weil dieser die Produktion hemmt, meint Worm. Nach etwa 20 bis 30 Minuten sei die sogenannte Vitamin-D-Synthese ohnehin beendet - ein natürlicher Schutz des Körpers vor Überdosierung. Alles darüber hinaus bringt nichts mehr, daher gilt danach wieder: raus aus der Sonne oder eincremen und schützen. Ein Sonnenbrand, sogar eine Rötung, ist ein Risiko und sollte unbedingt vermieden werden.

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