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Ratgeber Kinderkrankheiten

Schicksalsschlag aus heiterem Himmel

Vorbeugung

Das wohl größte Risiko für den plötzlichen Kindstod besteht dann, wenn Ihr Baby auf dem Bauch schläft. Fachleute vermuten, dass Babys in Bauchlage eher ersticken können, weil ihr Hustenreflex in dieser Position nicht so gut funktioniert.

Ende der 60er Jahre hatten vor allem Orthopäden die Bauchlage empfohlen - mit der Begründung, sie stärke die Rückenmuskulatur. Auch Kinderärzte und Hebammen hielten diese Lage lange Zeit für günstig: Die Kinder, so hieß es, könnten im Schlaf Erbrochenes nicht einatmen. Außerdem entwickelten sich Kinder, die auf dem Bauch schlafen, besser hinsichtlich ihrer Bewegungsabläufe.

Doch bereits in den siebziger Jahren rieten Kinderärzte in der DDR, Säuglinge zum Schlafen auf den Rücken zu drehen. Babys wurden in Ostdeutschland schon in ihren ersten Lebenswochen in Krippen und Tagesheimen betreut; starb dort ein Kind, wurde es obduziert. So fanden Pathologen schnell heraus, dass die Bauchlage tödlich sein kann. Ab 1972 durften Kinder in die staatlichen Kindergärten der DDR nur noch auf dem Rücken liegen. Im Westen dagegen propagierten Mediziner und Hebammen weiterhin das Gegenteil - den Empfehlungen aus den USA folgend. Nach der Wiedervereinigung glichen sich die Zahlen zum plötzlichen Kindstod im Osten innerhalb weniger Jahre den höheren westlichen Zahlen an.

Babys können Erbrochenes nicht gut aushusten

Heute wissen Fachleute: Schläft jemand auf dem Bauch, liegt die Luftröhre unter der Speiseröhre. Der Schwerkraft folgend, fließt Erbrochenes also in die Luftröhre. Außerdem funktioniert bei Babys, die auf dem Bauch liegen, der lebensrettende Hustenreflex nicht so gut: Das Erbrochene wird dann nicht mehr aus der Luftröhre hinausgeschleudert. Hinzu kommt, dass Säuglinge auf dem Bauch viel tiefer schlafen als in der Rückenlage. Daher können sie Erbrochenes noch eher einatmen, ohne dass der Körper reagiert.

Dem Argument der schnelleren motorischen Entwicklung halten Kinderärzte heute entgegen, das sich das in den nächsten Lebensjahren von alleine korrigiere. Dass Bauchlagen-Kinder besser einschlafen und durchschlafen, ändert nichts daran, dass diese Lage das größte Risiko für den Krippentod darstellt.

Säuglinge sollten daher vor allem in den ersten sechs Lebensmonaten in Rückenlage schlafen. Trainieren Sie die Bauchlage und das Zurückdrehen auf den Rücken mit Ihrem Kind, wenn es wach ist. Das stärkt die Muskeln, die es dafür braucht.

Im Bett: Mütze ab, Kissen raus!

Kinder, die noch kein Jahr alt sind, sollten so im Bett liegen, dass ihr Kopf nicht durch Bettzeug verdeckt werden kann. Das erreichen Sie am einfachsten, indem Sie Ihr Kind in einen Schlafsack stecken. Denn es ist extrem gefährlich, wenn Kopfkissen, Kuscheltiere, Bettdecke, Fell oder Mullwindel das Atmen behindern. Die natürliche Neugier der Kinder steigert diese Gefahr: Säuglinge greifen nach allem, um es sich über den Kopf zu ziehen. Die erwähnten Gemütlich-Macher haben deshalb nichts im Kinderbett zu suchen.

Säuglinge brauchen im Bett kein Mützchen. Denn über den Kopf müssen sie Wärme abgeben. Die Temperatur im Schlafzimmer Ihres Kindes sollte zwischen 16° und 18° Grad Celsius liegen. Ob es Ihrem Kind warm genug ist, können Sie am besten zwischen den Schulterblättern oder im Nacken fühlen. Während des ersten Lebensjahres schläft Ihr Kind am besten in Ihrem Schlafzimmer, aber in seinem eigenen Bett. Lüften Sie das Schlafzimmer Ihres Kindes oft: Frischluft sorgt für ausreichend Sauerstoff.

Matratzen ohne Chemie sind für Babys am besten

Empfehlenswert sind Matratzen, die bestimmte Chemikalien nicht enthalten: Dazu gehören Flammschutzmittel sowie Weichmacher aus Arsen-, Antimon- oder organischen Phosphor-Verbindungen. Es gibt Matratzenhüllen aus Polyethylen, die vor diesen Schadstoffen schützen sollen.

Von solchen Hüllen raten Fachleute ab, weil die Atemluft dann schlechter zirkuliert: Das Kind atmet dann die Luft ein, die es zuvor ausgeatmet hat; zudem steigt das Risiko, dass sich die Atemluft übermäßig erwärmt. Aus den gleichen Gründen raten Experten von wasserdichten Unterlagen für Matratzen ab - es sei denn, Ihr Kind ist älter als zwei Jahre.

Stillen ist gut, rauchen nicht

Stillen Sie Ihr Kind möglichst bis zum sechsten Monat. Muttermilch schützt vor Infekten und Allergien. Bieten Sie Ihrem Kind ruhig einen Schnuller an. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass ein Schnuller das Risiko für den plötzlichen Kindstod verringert.

Mit jeder gerauchten Zigarette steigt das Risiko, dass Ihr Kind plötzlich stirbt. Das Nikotin und die anderen Giftstoffe lagern sich überall ab, auch im Schlafzimmer und im Babybett. Weder Sie als Eltern sollten rauchen, noch Familie oder Freunde, die zu Besuch kommen. Verzichten Sie deshalb möglichst ganz darauf.

Seite 1: Schicksalsschlag aus heiterem Himmel
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