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Vorsorgeuntersuchungen: Der "Kinder-TÜV"

Entwickelt sich das Kind altersgemäß? Ist alles mit ihm in Ordnung? Um das zu überprüfen, gibt es für Kinder und Jugendliche Vorsorgeuntersuchungen zu festgelegten Zeiträumen.

Das Vorsorgeprogramm für Kinder und Jugendliche umfasst insgesamt 14 Untersuchungen

Das Vorsorgeprogramm für Kinder und Jugendliche umfasst insgesamt 14 Untersuchungen

Babys lächeln, wenn sie ein Glockenspiel hören. Kleinkinder können laufen und Treppen steigen. Vorschulkinder ziehen sich schon alleine an. Eltern sind stolz auf alles, was ihr Kind schon kann. Und sie sind froh, wenn ihnen der Kinder- uns Jugendarzt bestätigen kann, dass alles in Ordnung ist. Dafür sind die sogenannten U-Untersuchungen da.

In vielen Bundesländern sind die meisten dieser Vorsorgechecks mittlerweile verbindlich, weil sie wichtig für die Kinder sind. Denn der Arzt erkennt dabei, ob ein Kind krank ist oder ob seine Entwicklung womöglich verzögert ist. So kann er so früh wie möglich entscheiden, ob weitere Untersuchungen, spezielle Therapien oder besondere Fördermaßnahmen notwendig sind. Vor allem in den ersten Lebensjahren können Mediziner Erkrankungen heilen, deren Symptome sie später lediglich lindern können. Das gilt zum Beispiel für eine falsch entwickelte Hüfte oder bestimmte Herzkrankheiten.

Sechs Termine im ersten Jahr

Das Vorsorgeprogramm umfasst insgesamt 14 Untersuchungen, von der Erstuntersuchung im Kreißsaal bis zur J12 im Alter von 16 bis 17 Jahren. In den ersten zwölf Monaten hat das Kind bereits sechs Vorsorgetermine, danach folgen weitere Untersuchungen im jährlichen Abstand bis zur U9. Die Termine orientieren sich an den Entwicklungsstufen der Kinder und Jugendlichen: In den ersten Monaten entwickeln sie sich am schnellsten, in den folgenden Jahren langsamer. Nach jeder Untersuchung schreibt der Arzt die erhobenen Daten und Befunde in ein gelbes und später ein grünes Vorsorgeheft, das Eltern mit nach Hause nehmen.

Zwischen der U9, die im Alter von fünf Jahren erfolgt, und der J1, die im Alter von 12 bis 14 Jahren erfolgt, liegen jedoch viele Jahre. Um diese Lücke zu schließen, empfehlen Kinderärzte zu den üblichen Checks zwei weitere: die U10 mit sieben oder acht Jahren und die U11 mit neun oder zehn Jahren. Und nach der J1 ist noch eine zweite Jugenduntersuchung vorgesehen, die J2 zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr.

Während die Untersuchungen U1 bis U9 sowie die J1 von allen Krankenkassen bezahlt werden, ist das bei der U10, der U11 und der J2 noch nicht so. Im Zweifel bei der eigenen Kasse nachfragen.

Die Spreche des Kindes verstehen

Bei jedem Vorsorgecheck untersucht der Kinder- und Jugendarzt das Kind genau. Er wiegt es, misst seine Körpergröße und seinen Kopfumfang. Was ihn besonders interessiert, hängt vom Alter des Kindes ab und variiert von Mal zu Mal.

Fragen Sie den Mediziner, was immer Sie wissen möchten. Und wundern Sie sich nicht, wenn er sich erkundigt, wie Ihr Alltag mit dem Baby läuft. Er fragt und beobachtet, wie Sie sich gegenüber dem Kind verhalten und wie das Kind reagiert. Das ist gut so. Er will sicher gehen, dass Sie verstehen, was Ihnen das kleine Wesen mitteilen möchte. Klappt diese Kommunikation nicht, schadet das dem Kind. Für solche Fälle gibt es Hilfen.

Ihre eigene Vorsorge nehmen viele Väter und Mütter längst nicht so ernst wie die ihrer kleinen Kinder. Schon bei den älteren werden sie etwas nachlässiger: Nur jeder Fünfte kommt zur J1-Jugendberatung. Beratung heißt sie, weil sie nicht nur der Frühdiagnose von Gesundheitsstörungen dient. Die Teenager können dort auch viele Fragen loswerden und sich beraten lassen, zum Beispiel zu Sexualität oder zu Drogen.

U1: am 1. Lebenstag

Ist das Baby gut angekommen?

Das Baby ist da. Noch im Kreißsaal untersucht der Arzt das Neugeborene. Er horcht Herz und Lungen des Kindes ab und kontrolliert, wie gut sein Blut fließt. Dann überprüft er, wie stark seine Muskeln angespannt sind und er löst die angeborenen Reflexe aus. So kann er feststellen, ob das Kind die Geburt gut überstanden hat oder ob er sofort handeln muss.

Ob ein Baby gesund ist, untersucht der Arzt nach einem festen Schema. Er bewertet die Hautfarbe. Er misst den Puls. Er beobachtet, ob das Neugeborene grimassiert. Er beugt die Ärmchen und Beinchen. Und er horcht, wie es atmet. Für jede der Funktionen vergibt er Punkte von Null bis Zwei. Zählt er insgesamt acht bis zehn Punkte, ist das Kind gesund. Bei fünf bis sieben Punkten stimmt etwas nicht und er muss nach der Ursache suchen. Bei unter fünf Punkten verlegt er das Kind sofort auf die Intensivstation.

Faltige Fußsohlen beweisen Reife

Während der ersten Untersuchung entnimmt der Kinderarzt dem Kind auch Blut aus der Nabelschnur und testet es auf seinen Sauerstoffgehalt. Außerdem saugt er nötigenfalls verschlucktes Fruchtwasser ab und prüft dabei gleichzeitig, ob Nase und Speiseröhre des Kindes frei durchgängig sind. Nachdem die Hebamme das Kind gewogen und die Körperlänge und den Kopfumfang gemessen hat, gibt der Arzt ihm Vitamin-K-Tropfen. Vitamin K sorgt dafür, dass die Blutgerinnung richtig funktioniert und schwere Blutungen somit verhindert werden.

Schließlich prüft der Arzt, wie reif das Neugeborene ist. Er sieht sich an, wie das Ohr geformt ist und ob die Haut rosig und fest ist. Bei Jungen prüft er, ob die Hoden im Hodensack sind, bei Mädchen, ob die großen Schamlippen die kleinen überdecken. Schließlich begutachtet er, ob die Haut noch überall von Flaumhaar bedeckt ist und ob die Fußsohlen faltig sind. Wurde das Baby normal nach der 40. Schwangerschaftswoche geboren, wird es vermutlich in allen Punkten Höchstwerte erzielen.

U2: am 3. bis 10. Lebenstag

Zweiter Check in der Klinik

Schon zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag ist die nächste Untersuchung fällig, die U2. Viele Mütter lassen ihr Neugeborenes gleich in der Klinik noch einmal gründlich durchchecken. Dann können Sie beruhigt nach Hause gehen.

Als erstes sieht sich der Kinderarzt das nackte Baby genau an: Wie hält es den Kopf? Wie sieht seine Haut aus? Wie bewegt es sich? Wie schnell atmet es? Wie stark sind seine Muskeln angespannt? So bemerkt er krankhafte Bewegungsmuster, Atemstörungen und mögliche Fehlbildungen. Anschließend untersucht er das Neugeborene vorsichtig, horcht Herz und Lungen ab, inspiziert den Mund und die Gehörgänge. Danach prüft er die Muskeln und die Knochen des Babys. Dafür testet er verschiedene Reflexe und die Muskelspannung. Zum Beispiel zieht er das Baby an den Ärmchen hoch.

Der Arzt überprüft das Hüftgelenk

Je früher die Therapie beginnt, desto erfolgreicher verläuft sie. So lautet die Grundregel bei fehlgebildeten Hüften. Der Kinderarzt schaut sich daher genau an, ob das Hüftgelenk des Babys auffällig ist. Ist das der Fall, wird er es noch mit dem Ultraschallgerät untersuchen. Das macht er auch, wenn das Kind zu früh geboren wurde, besonders zart ist oder es in der engeren Familie Fälle von Hüftdysplasie gegeben hat. Ansonsten untersucht er die Hüften spätestens bei der U3 mit Ultraschall.

Stellt er eine Fehlbildung der Hüfte fest, wird er für eine schnelle Behandlung sorgen. Das Kind muss dann wahrscheinlich eine Spreizhose tragen. Das lohnt sich: Mehr als 90 Prozent der so behandelten Kinder haben später keine Probleme mit den Hüften.

Hörtest und Blutabnahme

Außerdem sollten bei allen Neugeborenen in den ersten Lebenstagen ein apparativer Hörtest durchgeführt werden, um eine angeborene Hörstörung sofort zu erkennen und frühzeitig zu behandeln. Die Untersuchungen werden als OAE oder AABR bezeichnet, ihr Ergebnis wird im Untersuchungsheft dokumentiert.

Aus der Ferse oder dem Handrücken nimmt der Arzt dem Neugeborenen schließlich ein paar Tropfen Blut ab. So kann ein Labor prüfen, ob der Stoffwechsel in Ordnung ist und die Schilddrüse richtig arbeitet. Auch hier gilt es, Stoffwechselstörungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, deshalb sollte der Test möglichst früh, das heißt nach der 36. Lebensstunde, entnommen werden. Um Karies oder die Knochenkrankheit Rachitis zu vermeiden, empfiehlt der Arzt die Gabe von Vitamin D und Fluor. Außerdem verabreicht er - wie bei der U1 - Vitamin K für eine bessere Blutgerinnung.

U3: in der 4. bis 5. Lebenswoche

Zum ersten Mal beim Kinderarzt

Das Baby ist nun vier bis fünf Wochen alt. Nun kann es einen Kinderarzt oder eine Kinderärztin in der Praxis kennenlernen. Beim ersten Mal spricht der Arzt ausführlich mit den Eltern. Er fragt, auf welche Weise und wie viel das Kind trinkt, wie es schläft, ob es häufig schreit oder ob es Blähungen hat. Außerdem will er wissen, ob das Kind Vitamin D und Fluor bekommt.

Auch bei dieser Untersuchung - der U3 - misst der Arzt Körpergröße, Gewicht und Kopfumfang des Babys. So prüft er, ob es wächst und gedeiht. Er horcht noch einmal, ob Herz und Lungen einwandfrei arbeiten. Und er löst die angeborenen Reflexe aus.

Genauer Blick auf Augen, Ohren und Hüften

Eltern haben es längst beobachtet: Das Baby schaut manchmal seine Händchen an und erwidert auch schon mal ihr Lächeln. Der Kinderarzt vergewissert sich jetzt, dass es auch schon einen Gegenstand mit den Augen fixieren und verfolgen kann. Mit einem sogenannten Augenspiegel leuchtet er zudem in die Augen des Kindes, um einen Schielfehler oder eine Trübung der Linse frühzeitig zu entdecken.

Der Arzt will auch sicher sein, dass das Kind hört. Er prüft, ob der Hörtest durchgeführt wurde und ob eventuell eine Kontrolle notwendig ist. Meistens bekommen Eltern auch einen Fragebogen, mit dessen Hilfe sie zuhause das Hörvermögen ihres Kindes in den nächsten Monaten und Jahren prüfen können.

Schließlich probiert der Kinderarzt aus, wie gut sich das Kind bewegen kann. Er achtet auch besonders auf die Hüften. Falls er nicht bereits bei der vorangegangenen Untersuchung - der U2 - Hüftprobleme entdeckt hat, wird er das Baby jetzt mit dem Ultraschallgerät untersuchen. So kann er spätestens jetzt entdecken, ob die Hüften falsch entwickelt sind.

Zeit für die ersten Impfungen

Impfungen gehören zwar nicht zu den Vorsorgeuntersuchungen, sind aber eine wichtige vorbeugende Maßnahme. Der Arzt informiert die Eltern jetzt über die Möglichkeiten, das Kind mithilfe von Impfungen vor diversen Erkrankungen zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt sind es Wundstarrkrampf, Diphterie, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B, Hirnhautentzündung durch HiB, Pneumokokkeninfektionen und Brechdurchfall, der durch Rotaviren verursacht wird. Diese ersten Impfungen sollten im Alter von zwei Monaten erfolgen, die erste Auffrischimpfung kann dann im Alter von drei Monaten, zum Beispiel bei der U4, erfolgen.

U4: im 3. bis 4. Lebensmonat

Hände als Stütze, Köpfchen hoch

Das Baby hat sich rasant entwickelt. Es ist jetzt schon drei oder vier Monate alt - Zeit für die U4. Diesmal fühlt der Kinderarzt, ob die Fontanelle am Kopf groß genug ist, sodass der Schädel weiter wachsen kann. Er testet auch aus, wie gut der Säugling hört und sieht. Reagiert er, wenn der Arzt rasselt oder Papier knäuelt? Verfolgt er Gegenstände mit dem Auge? Auf seine Art verständigt sich das Baby schon. Es schaut den Arzt an, wenn er es anspricht. Und es brabbelt dabei. So sollte es jedenfalls sein.

Der Kinderarzt beobachtet auch, wie gut das Baby seinen Kopf halten kann, wenn es sich an beiden Händen hochzieht. Und er schaut, wie genau es seine Hände zum Mund oder zueinander führt.

Säuglinge nehmen in den ersten Monaten Woche für Woche 150 bis 200 Gramm zu. Sie sind also schon ziemlich schwer. Bei ausreichender Gewichtszunahme können Mütter ihr Kind bis zu Ende des sechsten Monats voll stillen. Das ist die beste Nahrung für das Baby. Säuglinge, die nicht gestillt werden können, sollten im ersten Lebensjahr eine dem Alter entsprechende Pulvermilch bekommen. Der Arzt wird die Eltern darüber informieren, dass es nach neuesten Erkenntnissen sinnvoll sein kann, ab dem vollendeten vierten Monat mit der Beikost zu beginnen, um möglicherweise Allergien vorzubeugen.

U5: im 6. bis 7. Lebensmonat

Das Baby hält den Kopf

Das Baby wird immer beweglicher. Im sechsten bis siebten Lebensmonat führt es dem Kinderarzt vor, wie gut es seinen Körper schon beherrscht. Meist kann es sich schon selbst auf den Bauch drehen. Wenn es auf dem Bauch liegt, sollte es sich mit beiden Armen abstützen können. Es kann jetzt mit seinen Händchen zwei Finger des Arztes umfassen und sich daran hochziehen. Der Arzt wird auch prüfen, ob es seinen Kopf gut halten kann, wenn es sitzt. Und schließlich sollte es mit seinen Händen sicher Gegenstände greifen.

Der Arzt beobachtet, wie der Säugling reagiert, wenn er ihn anspricht, anschaut und bestimmte Geräusche macht. Das Baby wird sich jetzt der Geräuschquelle zuwenden und den Arzt gezielt anschauen. Schielt das Kind? Das kann der Arzt mit einem Augenspiegel erkennen.

Nutzen Sie jede Untersuchung, um mit dem Arzt über alles zu sprechen, was Ihnen aufgefallen ist. Er wird Sie vermutlich fragen, ob Sie dem Kind weiterhin Vitamin D geben, um eine Rachitis zu vermeiden, und Fluor, damit sich seine Zähne gut entwickeln. Und er bespricht mit Ihnen, welche weiteren Impfungen anstehen. Am Ende des sechsten Lebensmonats Ihres Kindes wird er Ihnen raten, spätestens jetzt zusätzlich zum Stillen zuzufüttern - am besten mit einem Gemüse-Kartoffel-Fleisch Brei.

U6: im 10. bis 12. Lebensmonat

Es brabbelt, krabbelt - und fremdelt

Das Baby ist bald ein Kleinkind. Es robbt und krabbelt bereits. Die U6, die Einjahresuntersuchung, naht. Der Kinderarzt schaut nun abermals, wie gut das Sprössling seinen Körper beherrscht. Es sollte jetzt mit gestreckten Beinen und geradem Rücken frei sitzen können. Viele Kinder können sich in diesem Alter bereits alleine in den Stand hochziehen und sich an den Möbeln entlanghangeln. Manche stehen sogar kurz, ohne sich festzuhalten, einige wenige laufen sogar schon einige Schritte. Der Arzt probiert auch aus, ob das Kind mit Daumen und Zeigefinger gezielt nach Gegenständen greifen kann. Wenn ja, dann kann es den Pinzettengriff ausüben.

Was Tante und Onkel nicht mehr begeistern wird: Das Baby mag vielleicht nicht mehr auf den Arm von jedem, es fremdelt. Einjährige tun das häufiger. Deshalb unterhält sich der Arzt mit den Eltern über Trennungsängste. Außerdem fragt er, wie sich das Kind sprachlich entwickelt und wie es sich im Alltag verhält. Reagiert es zum Beispiel nicht auf leise Geräusche, hört es schlecht. Der Arzt wird eine Hörprüfung empfehlen. Sieht das Kind schlecht oder schielt es, schickt er es zum Augenarzt.

Weitere Impfungen

Im Zuge der U6 wird der Arzt empfehlen, das Baby gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken impfen zu lassen. Die sogenannte erste MMR- und die erste Windpockenimpfung sind zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat vorgesehen. Darüber hinaus sollte zu Beginn des 2. Lebensjahres eine einmalige Impfung gegen Meningokokken erfolgen, und die Impfungen des ersten Lebensjahres müssen einmalig aufgefrischt werden. Die zweite MMR-V Impfung sollte dann mit etwa 15 Monaten den Impfreigen bis zur Einschulung abschließen.

U7: im 21. bis 24. Lebensmonat

Aus Wörtern werden Sätze

Schon wieder ist ein Jahr vergangen. Das Kind läuft jetzt sicher und spricht ein wenig. Zeit für die U7, die Zweijahresuntersuchung. Der Kinderarzt will genau wissen, wie sich das Kind entwickelt: Wie bewegt es sich? Wie und was isst und trinkt es? Hatte es schon mal einen Fieberkrampf? Wie und was spielt es? Wie gut spricht es? Gibt es Auffälligkeiten oder Probleme?

Anschließend untersucht er das Kleinkind gründlich. Er schaut sich dabei auch seine Milchzähne an. Dabei empfiehlt er, die Zähne regelmäßig zu putzen, und zwar mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta. Sie schützt vor Karies. Der Arzt wird auch dazu raten, weiterhin Vitamin D zu geben, um Rachitis vorzubeugen.

Falls bisher noch nicht geschehen, impft er das Kind spätestens jetzt zum zweiten Mal gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

Laufen, sprechen und verstehen

Der Kinderarzt achtet auch darauf, ob das Becken des Zweijährigen gerade steht und ob seine Füße, Beine und die Wirbelsäule unauffällig sind. Er testet, ob das Kind ohne Probleme vor- und rückwärts gehen kann. Er bittet es, sich aus der Hocke freihändig aufzurichten. Und er lässt es schnell laufen und Treppen steigen.

Den Arzt interessiert auch, wie gut das Kind schon sprechen kann. Zweijährige können normalerweise Zwei-Wort-Sätze bilden wie zum Beispiel "Papa weg" oder "Teddy traurig". Sie kennen mehr als zehn Wörter und können bekannte Gegenstände benennen. Und sie sollten einfache Anweisungen verstehen. All das entlockt der Arzt dem Kind - wenn es nicht gerade trotzt. Wichtig ist daher auch, wie die Eltern das Sprachvermögen ihres Kindes einschätzen.

U7a: im 34. bis 36. Lebensmonat

Adler- oder Maulwurfaugen?

Diese Untersuchung ist seit einigen Jahren Teil der kostenlosen Vorsorgechecks: Bis Ende Juni 2008 mussten Eltern die U7a aus eigener Tasche bezahlen. Oder sie mussten nach der U7 zwei Jahre warten, bis sie zur U8 gehen konnten. Seit dem 1. Juli 2008 können Eltern ihr dreijähriges Kind auf Kassenkosten untersuchen lassen.

Bei der U7a schaut der Kinderarzt, ob zum Beispiel Hautausschlag oder Atemprobleme auf Allergien deuten. Er fragt, ob das Kind Probleme hat, ein- oder durchzuschlafen, ob es häufig weint oder schreit. Er will auch wissen, ob es Schmerzen beim Kauen hat und ob die Zähne gesund sind.

Wie bei allen Untersuchungen misst und wiegt der Arzt das Kind. Neigt es zu Übergewicht, wird er mit den Eltern über gesunde Ernährung sprechen. Zudem untersucht er Herz, Lungen und Geschlechtsorgane. Und er testet, ob die Muskeln und Nerven richtig reagieren. Der Kinderarzt prüft auch, wie gut das Kind jetzt spricht, zum Beispiel ob es bestimmte Laute bilden und Dinge richtig benennen kann. Neben dem Hörvermögen testet er, ob das Kind gut sehen kann, auch ob es räumlich sehen kann, oder ob es eine Brille benötigt. Der Arzt wird die Eltern ausführlich befragen, ob das Kind zwischenzeitlich krank war oder operiert wurde und ob die Eltern insgesamt zufrieden damit sind, wie es sich entwickelt und verhält.

U8: im Alter von 3 ½ bis 4 Jahren

Putzmunter im Kindergarten

Auf einem Bein für fünf bis zehn Sekunden stehen - für ein vierjähriges Kind ist das meist eine leichte Übung. Auf den Zehenspitzen und auf den Fersen vor und zurückgehen? Kein Problem. Manche Kinder können sogar schon auf einem Bein hüpfen.

Der Kinderarzt untersucht das Kind von Kopf bis Fuß, auch die Organe, die Zähne und den Kiefer. Er prüft, wie kräftig die Muskeln sind und ob er die Muskelreflexe an Armen und Beinen auf beiden Seiten auslösen kann. Wichtig ist auch zu prüfen, ob die Wirbelsäule gerade ist. Bei der U8 misst er auch den Blutdruck und analysiert den Urin. So kann er mögliche Entzündungen oder Organstörungen wie etwa Nierenerkrankungen oder Diabetes rechtzeitig erkennen.

Anschließend testet er, wie gut das Kind sehen und hören kann. Dafür muss er jetzt nicht mehr Gegenstände pendeln oder mit Papier rascheln. Er kann es genau messen mit Sehtafeln, Sehtestgeräten und speziellen Messinstrumenten für das Hören.

Trotz Trotzphase: Vierjährige schließen Freundschaften

Kommt das Kind gut mit sich und anderen klar? Das möchte der Arzt von den Eltern wissen. Er fragt zum Beispiel, ob das Kind noch in die Hose macht und ob es gut ein- und durchschläft. Er erkundigt sich, ob es leicht auf andere Kinder zugeht und ob es sich gut konzentrieren kann. Und er klärt, ob das Kind oft trotzig ist und sich oder anderen gegenüber manchmal aggressiv wird. Finden die Eltern und der Kinderarzt, dass sich das Kind auffällig verhält, sollten sie mit dem Arzt überlegen, was dem Kind hilft.

Das gilt auch für die Sprache. Stammelt oder stottert das Kind oder kann es sich nicht richtig ausdrücken, sollten Eltern sofort gegensteuern. Eine fachgerechte Therapie hilft, die Sprachschwierigkeiten zu überwinden. So kann es ohne Scheu im Kindergarten kommunizieren. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich das Kind zurückzieht, aggressiv oder unsicher wird.

U9: im Alter von 5 bis 5 ½ Jahren

Reif für die Schule?

Endlich ein Schulkind sein - das fünfjährige Kind wünscht sich das sicher. Während der U9 untersucht der Kinderarzt, ob es diesen Schritt gut schaffen kann oder ob es noch Unterstützung benötigt, um dieses Ziel zu erreichen, etwa bei der Sprache oder der Motorik.

Der Arzt erkundigt sich bei den Eltern, ob ihr Nachwuchs in letzter Zeit krank war. Er fragt, ob das Kind gut sprechen kann, ob es manchmal Atemprobleme hat oder ob es irgendwie ungeschickt oder auffällig ist. Anschließend horcht er Herz und Lungen ab. Dann testet er, wie gut das Kind sieht und hört.

Wie bei allen Früherkennungsuntersuchungen misst der Arzt erneut, wie groß das Kind ist, welchen Umfang sein Kopf hat und wie viel es wiegt. Er misst auch wieder seinen Blutdruck, analysiert den Urin und schaut sich das Skelett sorgfältig an. Außerdem erinnert der Arzt daran, die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten, wenn nötig, auffrischen zu lassen und dem Kind eine Kinder-Zahnpasta mit Fluorid zu geben.

Hüpfen, zeichnen und erzählen

Der Kinderarzt schaut sich an, wie kräftig das Kind ist, wie es sich bewegt und seine Füße hält. Normalerweise hüpft es jetzt mehrmals sicher auf einem Bein. Es kann auf einer Linie sicher vorwärts und rückwärts balancieren. Es fängt einen Ball mit beiden Händen. Der Arzt lässt es außerdem Kreise, Dreiecke und Quadrate zeichnen und sich selbst gemalte Bilder zeigen.

Der Arzt zeigt dem Kind auch Zeichnungen oder Fotos und lässt es einzelne Details benennen. Fällt ihm dabei auf, dass sich das Kind sprachlich verzögert entwickelt, wird er den Eltern empfehlen, ihren Sohn oder ihre Tochter bei einem Sprachtherapeuten anzumelden. Der Kinderarzt wird sich auch mit dem Kind unterhalten, Bilder besprechen und ihm vielleicht kleinere Aufgaben stellen: So gewinnt er einen Eindruck, wie sich das Kind sozial verhält und wie intelligent es ist.

U10: im Alter von 7 bis 8 Jahren

Freiwillige Zusatzuntersuchungen

Seit 2006 bekommen Kinder und Jugendliche ein zusätzliches grünes Vorsorgeheft für vier weitere Vorsorgeuntersuchungen, für die aber nicht alle gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen. Hier gilt es bei der eigenen Kasse nachzufragen. Diese Termine sind freiwillig. Ärzte empfehlen die U10 und die U11 dennoch, weil zwischen der U9 im Alter von etwa fünf Jahren, also vor Schuleintritt, und der J1 im Alter von 12 bis 14 Jahren ein sehr langer Zeitraum liegt.

Für Patienten, die bei der BARMER-GEK versichert sind und dem Hausarztvertrag beitreten, gibt es ab Juli 2013 ein vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte komplett neu entwickeltes Vorsorgeheft, welches alle angebotenen Vorsorgen enthält. Gleiches gilt zurzeit für privat versicherte Kinder.

Mögliche Entwicklungsstörung

Bei der U10 ist das Kind in der ersten oder zweiten Klasse. Der Arzt interessiert sich insbesondere für mögliche Entwicklungsstörungen, die möglicherweise in der Schule oder im Freizeitbereich aufgefallen sind, etwa eine Lese- und Rechtschreibschwäche, eine Rechenschwäche, eine motorische Störung oder ADHS. In der Regel fragt der Arzt die Eltern danach.

Darüber hinaus erkundigt er sich nach den Ernährungsgewohnheiten des Kindes, nach Allergien, Schlafstörungen, Harn- und Stuhlauffälligkeiten, dem sozialen Umfeld und speziellen Fördermaßnahmen.

Alltagssorgen kommen zur Sprache

Daneben untersucht er das Kind gründlich. Er überprüft unter anderem, wie gut der Junge oder das Mädchen sieht und hört, er misst den Blutdruck, untersucht den Urin und schaut sich den Zustand des Kiefers und der Zähne an.

Ansonsten spricht sich der Arzt mit dem Kind auch über mögliche Probleme im Alltag und versucht, sich ein Bild davon zu machen, wie es sich sozial und emotional entwickelt. Auch bei dieser Untersuchung berät der die Eltern und das Kind zu den Themen gesunde Ernährung und altersentsprechendes Medienverhalten.

U11: im Alter von 8 bis 9 Jahren

Hilfe bei privaten Problemen oder Schulstress

Die U11 ist, wie die U10 auch, freiwillig. Doch die Ärzte empfehlen diese Untersuchung ebenfalls, weil sonst wieder mehrere Jahre bis zum nächsten Check vergehen.

Bei der U11 ist das Kind in der dritten oder vierten Klasse. Der Arzt möchte wissen, ob das Verhalten des Kindes im Alltag in irgendeiner Form auffällig ist und gibt den Eltern Tipps, wie sie mit möglichen Schwierigkeiten umgehen können. Er interessiert sich auch dafür, wie das Kind den Schulalltag erlebt. Stress und Leistungsdruck machen auch Kindern zu schaffen. Falls erforderlich, berät er die Eltern dabei, wie sie mit solchen Problemen besser umgehen.

Ernährung und Sport

Nicht unwichtig in dem Alter ist auch die Ernährung: Übergewicht kommt bei Kindern nicht selten vor. Hier kann der Arzt die Eltern ebenfalls beraten und ihnen Tipps für eine ausgewogene Ernährung oder mehr Bewegung geben. Prinzipiell erfolgen die gleichen Untersuchungen wie bei der U10.

Bei der gründlichen körperlichen Untersuchung achtet der Arzt insbesondere darauf, wie sich das wachsende Skelett und die beginnende Pubertät entwickelt. Der Mediziner schaut sich auch die Zähne, den Kiefer und den Mund genau an. Falls etwas nicht in Ordnung ist, überweist er an einen Facharzt. Und nicht zuletzt spricht er Themen wie Sexualität und Drogenkonsum an und ermuntert das Kind, Fragen zu stellen, die es sich sonst vielleicht nicht zu stellen traut.

J1: im Alter von 12 bis 14 Jahren

Pubertät - eine turbulente Zeit

Das Kind ist jetzt kein Kind mehr, sondern schon ein Jugendlicher oder eine Jugendliche. Die J1 trägt daher den sperrigen Namen Jugendgesundheitsuntersuchung. Sie bietet dem Heranwachsenden die Chance, alle Fragen zu stellen, die ihm auf dem Herzen liegen. Deshalb spricht der Arzt zunächst mit dem Jugendlichen allein, das Gespräch mit den Eltern findet dann nach der Untersuchung statt. Mädchen lassen sich in diesem Alter lieber von Ärztinnen untersuchen, Jungs von Ärzten.

Der Check beginnt wie alle Vorsorgeuntersuchungen. Zum letzten Mal notiert der Kinder- und Jugendarzt Größe und Gewicht in das gelbe Buch. Er misst den Blutdruck. Er kontrolliert, ob Impfungen fällig sind. Er analysiert das Blut und den Urin des Teenagers. Außerdem horcht er Herz und Lungen ab. Und er testet, ob der oder die Jugendliche gut hört und sieht.

Während der Untersuchung schätzt der Arzt ab, wie weit die Pubertät fortgeschritten ist. Und erklärt dem Mädchen oder Jungen, was gerade mit seinem Körper passiert. Er prüft, ob Wachstumsschübe zu Haltungsfehlern geführt haben oder führen könnten, spricht über mögliche Hautprobleme und achtet auf Zeichen chronischer Krankheiten. So können zum Beispiel Atemprobleme auf Herz- oder Lungenkrankheiten hinweisen.

Beratung ist Vertrauenssache

Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter dem Arzt vertraut, nutzt er oder sie hoffentlich die Gelegenheit, über seelische Probleme zu sprechen. Der Arzt spricht den Jugendlichen aber auch gezielt darauf an und berät ihn zu folgenden Problemen:

Zusatzuntersuchung J2: im Alter von 16 bis 17 Jahren

Einige Kinder- und Jugendärzte bieten noch eine J2 an. Diese Untersuchung ist gedacht für Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren. Auch bei diesem Gesundheitscheck untersucht der Arzt den Heranwachsenden nochmals gründlich.

Er wird auch nach dem Berufswunsch fragen. So kann er mit dem Jugendlichen besprechen, ob er oder sie gesundheitlich in der Lage ist, den Beruf auszuüben. Zum Beispiel können Allergien einem Berufswunsch im Wege stehen. Außerdem wird der Arzt noch einmal die Themen Sex und Drogen ansprechen.

Nicht alle gesetzlichen Krankenkassen zahlen diese Untersuchung. Eltern können aber versuchen, die Rechnungen nachträglich einzureichen.

Wolfgang Schillings