Neues vom Herrn der Ringe: 2010 soll Tolkiens "Der kleine Hobbit" in die Kinos kommen. Im Internet verrät Peter Jackson schon Regiedetails. In Hollywood dagegen tobt ein Gerichtskrieg: Die Tolkien-Erben wollen den Dreh verhindern. Von Annina Loets

Der Kampf um den Ring der Macht: Die Tolkienerben wollen New Line Cinema die Filmrechte entziehen© Jerry Watson / Picture Alliance
Im Life-Chat Ende Mai war Mittelerde noch in Ordnung: Die Regisseure Peter Jackson und Guillermo del Toro fachsimpelten mit einer Gruppe "Herr der Ringe"-Fans über 3D-Effekte, Kulissen und den Schatten Mordors. Alles soll stimmen, wenn "Der kleine Hobbit" verfilmt wird. Drehbeginn ist 2009. "Hellboy"-Macher Guillermo del Toro wird Regie führen. Peter Jackson steht als Produzent auf der Gehaltsliste. Im Internet gibt es bereits zahlreiche "Hobbit"-Blogs. Der Hype hat begonnen.
In Hollywood dagegen ziehen die Erben JRR Tolkiens gegen die Produktionsfirma New Line Cinema vor Gericht. Der Grund: Die Tochterfirma von Warner Bros verfilmte den "Herrn Der Ringe". Die Filme spielten etwa zwei Milliarden Euro ein. Zusammen mit DVD-Verkäufen und Merchandising machte New Line Cinema insgesamt geschätzte vier Milliarden Euro Brutto-Gewinn. Der "Tolkien Trust", ein eingetragener Wohltätigkeitsverein der Erben Tolkiens, sah davon nichts. Obwohl ihnen vertraglich 7,6 Prozent der Bruttogewinne zustehen. Dieses Geld, mehr als 100 Millionen Euro, fordert der Tolkien Trust jetzt zurück, dazu ein Bußgeld.
Doch es geht um mehr als Geld: Die Kläger wollen einen Gerichtsbeschluss erwirken, der ihnen ermöglicht, die Zusammenarbeit mit New Line Cinema zu beenden. Somit könnten die Erben den Dreh des "Kleinen Hobbits" verhindern. "Dieser Fall zeigt, wie finanzieller Erfolg unersättliche Gier gebären kann", sagt Bonnie Eskenazi, die US-Anwältin der Erben. "Trotz des beispiellosen finanziellen Erfolgs haben die Kläger nicht einen einzigen Penny der vereinbarten Anteile an den Bruttogewinnen der Filme erhalten."
Aber wie ist das möglich? Für Bonnie Ezkenazi handelt es sich um eine sogenannte "Hollywood"-Buchführung: Filmfirmen rechnen sich arm, zögern so Tantieme-Zahlungen heraus. New Line Cinema habe diese Praxis ins Extreme geführt. "Die Firma behauptet, dass der kolossale finanzielle Erfolg der Filme nicht ausreiche, um den vereinbarten Bruttoanteil zu zahlen", empört sich die Anwältin.
Es ist nicht das erste Mal, dass New Line Cinema für sein undurchsichtiges Rechnungssystem kritisiert wird.