18. Juni 2008, 10:18 Uhr

Rechtsstreit um Mittelerde

Neues vom Herrn der Ringe: 2010 soll Tolkiens "Der kleine Hobbit" in die Kinos kommen. Im Internet verrät Peter Jackson schon Regiedetails. In Hollywood dagegen tobt ein Gerichtskrieg: Die Tolkien-Erben wollen den Dreh verhindern. Von Annina Loets

Der Kampf um den Ring der Macht: Die Tolkienerben wollen New Line Cinema die Filmrechte entziehen©

Im Life-Chat Ende Mai war Mittelerde noch in Ordnung: Die Regisseure Peter Jackson und Guillermo del Toro fachsimpelten mit einer Gruppe "Herr der Ringe"-Fans über 3D-Effekte, Kulissen und den Schatten Mordors. Alles soll stimmen, wenn "Der kleine Hobbit" verfilmt wird. Drehbeginn ist 2009. "Hellboy"-Macher Guillermo del Toro wird Regie führen. Peter Jackson steht als Produzent auf der Gehaltsliste. Im Internet gibt es bereits zahlreiche "Hobbit"-Blogs. Der Hype hat begonnen.

Den Hobbit verhindern

In Hollywood dagegen ziehen die Erben JRR Tolkiens gegen die Produktionsfirma New Line Cinema vor Gericht. Der Grund: Die Tochterfirma von Warner Bros verfilmte den "Herrn Der Ringe". Die Filme spielten etwa zwei Milliarden Euro ein. Zusammen mit DVD-Verkäufen und Merchandising machte New Line Cinema insgesamt geschätzte vier Milliarden Euro Brutto-Gewinn. Der "Tolkien Trust", ein eingetragener Wohltätigkeitsverein der Erben Tolkiens, sah davon nichts. Obwohl ihnen vertraglich 7,6 Prozent der Bruttogewinne zustehen. Dieses Geld, mehr als 100 Millionen Euro, fordert der Tolkien Trust jetzt zurück, dazu ein Bußgeld.

Doch es geht um mehr als Geld: Die Kläger wollen einen Gerichtsbeschluss erwirken, der ihnen ermöglicht, die Zusammenarbeit mit New Line Cinema zu beenden. Somit könnten die Erben den Dreh des "Kleinen Hobbits" verhindern. "Dieser Fall zeigt, wie finanzieller Erfolg unersättliche Gier gebären kann", sagt Bonnie Eskenazi, die US-Anwältin der Erben. "Trotz des beispiellosen finanziellen Erfolgs haben die Kläger nicht einen einzigen Penny der vereinbarten Anteile an den Bruttogewinnen der Filme erhalten."

100 Millionen Euro in die eigene Tasche

Aber wie ist das möglich? Für Bonnie Ezkenazi handelt es sich um eine sogenannte "Hollywood"-Buchführung: Filmfirmen rechnen sich arm, zögern so Tantieme-Zahlungen heraus. New Line Cinema habe diese Praxis ins Extreme geführt. "Die Firma behauptet, dass der kolossale finanzielle Erfolg der Filme nicht ausreiche, um den vereinbarten Bruttoanteil zu zahlen", empört sich die Anwältin.

Es ist nicht das erste Mal, dass New Line Cinema für sein undurchsichtiges Rechnungssystem kritisiert wird.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Bauzeichner (19.06.2008, 14:38 Uhr)
@Atticus-HH
...na, ganz toll. :-( Trotzdem Danke für die Info!
Atticus-HH (19.06.2008, 12:52 Uhr)
Aragorn im "Hobbit"
@Bauzeichner: Ich habe gelesen, dass der Inhalt aus dem "kleinen Hobbit" auf zwei Filme verteilt werden soll. Der zweite von den beiden soll dann einen "Übergang" zu der bestehenden Triologie (beginnend mit den "Gefährten") ermöglichen. Es soll geplant sein, dass viele Figuren aus dem "Herrn der Ringe" auch in diesem zweiten Teil auftauchen sollen. Also eine Art "Vorgeschichte". Basis dafür sollen wohl Anhänge "aus der Feder" von Tolkien sein.
Alexander_Lindner (19.06.2008, 12:46 Uhr)
Vorsichtig bei allzu schnellem Urteil
Ich würde vorsichtig sein hier allzu schnell zu urteilen und einen Schuldigen auszumachen. Ich arbeite selbst im Langspielbereich (Warner Bros Deutschland) und kann mir einigermassen vorstellen wie komplex die Streitlage ist. Jedenfalls weiss ich dass P. Jackson ein wirklich passionierter Filmemacher ist, mit einer echten Liebe zu Tolkiens Werk. Dass ist auch in den 3 Filmen zu sehen. Allein das Konzeptdesign gehört zum mit Besten was in der Filmgeschichte bis jetzt gemacht worden ist.
Bauzeichner (19.06.2008, 12:17 Uhr)
Wesentlich mehr....
....interessiert mich, was die Figur Aragorn in "Der Hobbit" zu suchen hat...
bR4iNST0RM (19.06.2008, 11:31 Uhr)
Egal wie viel!
Ist doch Wurscht wie viel das letzten Endes war! Scheiße ist es allemal dass die Filmemacher so dermaßen gierig sind. Wenigstens den guten Willen und ein klein wenig Respekt gegenüber dem Schreiber sollte da schon drin sein! Aber Geld macht blind und egoistisch. Da gehört schon sehr viel Charakterstärke zu, um bei sehr viel Geld immer noch ein Quäntchen Menschlichkeit zu bewahren, und das haben nur wenige, viel zu wenige.
kralli19 (19.06.2008, 10:46 Uhr)
@ joern1974
...aber auch das bezweifle ich, hört sich für mich immer noch zu wenig an, wenn ich daran denke, was bei den 3 Filmen im Kinoleben damals so los war...
joern1974 (19.06.2008, 10:01 Uhr)
2.000.000.000
@ LocFethyr ,
da steht zwei Milliarden du Papnase!
hannes_schinder (19.06.2008, 09:38 Uhr)
Ja ja, das liebe Geld
Generation Dagobert läßt grüßen!
LocFethyr (19.06.2008, 09:34 Uhr)
Ich bezweifle..
..das die Filme lediglich zwei Millionen Euro eingespielt haben, wie es im Artikel heißt.
MEHR ZUM ARTIKEL
Kleinwuchs-Ursache Hatten "Hobbits" einen Gendefekt?

Kaum größer als einen Meter werden Menschen, die von Kleinwuchs betroffen sind. Forscher haben nun einen Gendefekt gefunden, der dafür verantwortlich ist. Ihre Erkenntnis könnte sogar den Fund der "Hobbits" in Indonesien erklären - einer scheinbar neuen Menschenart.

Porträt Peter Jackson sammelt Oscars für die ganze Familie

"Der Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson fährt mit vollen Händen nach Neuseeland zurück. Von den insgesamt elf Trophäen gehören ihm drei, seine Frau steuert noch mal drei Oscars bei.

Extra Der Herr der Ringe

Helden mit haarigen Füßen und Horden wilder Widerlinge, Elben-Liebe und der uralte Traum von einer besseren Welt. In der Traumlandschaft Neuseelands entstand das größte Kino-Märchen unserer Zeit.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (25/2013)
Lust auf Rezept