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16. Dezember 2010, 11:50 Uhr

Schlimmer geht immer

Das wird ein interessantes Experiment über den Einfluss Amerikas auf die deutsche Kultur. US-Kritiker haben Florian Henckel von Donnersmarcks Post-Oscar-Film "The Tourist" leidenschaftlich zerrissen. Lassen sich deutsche Zuschauer davon beeinflussen? Hoffentlich nicht. Der Film ist zwar kein Meisterwerk, gute Unterhaltung bietet er aber. Von Sophie Albers

The Tourist, Angelina Jolie, Johnny Depp, Florian Henckel von Donnersmarck

Angelina Jolie und Johnny Depp im Liebeskrimi "The Tourist"© Kinowelt

Eine schöne Frau (fast zu schön: Angelina Jolie), ein stoffeliger Mann (fast zu stoffelig: Johnny Depp) und die lieblichste Stadt Europas (fast zu lieblich: Venedig). Sie ist die britische Geliebte eines von Interpol gesuchten Meistergauners, er ein verpeilter Mathelehrer mit gebrochenem Herzen aus der US-Provinz. Sie will ihn als Tarnung benutzen, um die ganzen Agenten von ihrem Liebsten abzulenken, der irgendwo in Venedig auf sie wartet. Er verknallt sich natürlich in die unglaubliche Frau, die da vor ihm steht. Dann kommt alles ganz anders als geplant. Unter anderem deshalb, weil russische Killer den Mathelehrer tatsächlich für den Gesuchten halten.

Die Voraussetzungen für "The Tourist" waren wirklich gut: Die besten Schauspieler, ein stattliches Budget von angeblich 100 Millionen Dollar, eine traumhafte Kulisse und mit Florian Henckel von Donnersmarck ein Regisseur, der vor vier Jahren mit seinem wunderbaren Wende-Film "Das Leben der Anderen" den Auslands-Oscar gewonnen hat. Es war diesmal nicht seine Geschichte, und der 37-Jährige hatte auch nur elf Monate Zeit, sie zu seiner zu machen. Doch er hatte wirklich alle Mittel dazu.

"Euro-Chic-Bagatelle"

Die ersten Kritikerstimmen aus den USA kamen jedoch einem schweren, zuweilen auch persönlichen Angriff gleich. "Euro-Chic-Bagatelle", wie das Fachblatt "Variety" schimpfte, war noch eine höfliche Abfuhr.

Zu verstehen ist das allerdings nicht. "The Tourist" ist weder langweilig, noch schlecht gespielt, noch schlecht erzählt, noch schlecht ausgeleuchtet. Es ist ein leichter Film über schöne Menschen in schöner Umgebung. Ein bisschen Action, ein bisschen Liebe, entspannte Starpower. Kein Grund für Begeisterungsstürme, aber definitiv auch kein Grund für Hasstiraden. Nun hat Donnersmarck nicht den besten Ruf, was seine Selbsteinschätzung angeht. Aber was kann der Film für das Ego seines Schöpfers?

Keine Sophie Marceau

Wischt man Amerikas warum auch immer in den Gleichschritt gefallene Antipathie gegen "The Tourist" beiseite und lässt sich auf den Film ein, kann man sich von charmanter Abendunterhaltung ohne jeglichen Überraschungseffekt berieseln lassen. Donnersmarcks zweiter Film ist ein Disneymärchen für Erwachsene.

In Europa hat "The Tourist" dagegen ein ganz anderes Problem: das Vorbild. "The Tourist" ist das Remake des französischen Thrillers "Anthony Zimmer" ("Fluchtpunkt Nizza") aus dem Jahr 2005. In dem spielt Sophie Marceau die Geliebte. Und Sophie Marceau ist definitiv eine Frau, von der auch eine Angelina Jolie noch etwas lernen kann, was den Sexappeal angeht. Manchmal reicht Schönheit allein nämlich nicht aus.

Von Sophie Albers
 
 
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