Der Regisseur von "Bonnie und Clyde" ist tot

30. September 2010, 10:27 Uhr

Sein Film über das legendäre Gangsterpärchen Bonnie und Clyde machte ihn weltberühmt. Einen Tag nach seinem 88. Geburtstag ist der amerikanische Regisseur Arthur Penn nach langer Krankheit in New York gestorben. Penn gehört zu den großen Erneuerern des US-Kinos.

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Der US-Regisseur Arthur Penn ist tot. Mit Filmen wie "Bonnie und Clyde" wurde er weltberühmt©

Der große amerikanische Regisseur Arthur Penn ist am Dienstag in seiner Wohnung in Manhattan einem Herzversagen erlegen - nur einen Tag nach seinem 88. Geburtstag. Penn gehörte zusammen mit Dennis Hopper und Sam Peckinpah zu den Wegbereiter New Hollywoods, der großen Erneuerungsbewegung des US-Kinos, die Francis Ford Coppola, Martin Scorsese und andere zur Blüte führen sollten. An europäischen Regisseuren wie Ingmar Bergman oder Francois Truffaut geschult, brachte Penn neue Themen und Darstellungsweisen in die amerikanische Filmindustrie ein. Seine Filme zwischen Mitte der 60er und Mitte der 70er Jahre veränderten die Sehgewohnheiten des Publikums nachhaltig - vor allem was die Darstellung von Gewalt angeht.

Penn wurde am 27. September 1922 in Philadelphia als Sohn eines Uhrmachers russischer Herkunft geboren. Nach der Soldatenzeit im Zweiten Weltkrieg profilierte sich Penn als Theater- und Fernsehregisseur. 1958 drehte er seinen ersten Spielfilm "Left-handed Gun", eine ambitionierte Auseinandersetzung mit dem Westernmythos um Billy the Kid. In den USA war er damit erfolglos, in Europa fand der Film dagegen viel Beachtung.

Vorliebe für Außenseiter

Der große Wurf gelang Penn nach einigen weiteren Kinoarbeiten 1967 mit "Bonnie und Clyde", der Faye Dunaway, Warren Beatty und Gene Hackman zu Weltstars machte. Penns Vorliebe für Außenseiter und die Infragestellung gesellschaftlicher Werte traf damals den Zeitgeist einer rebellischen Epoche. Der Film setzte zudem neue Maßstäbe bei der Darstellung von Sex und Gewalt in Hollywood. Er wurde für zehn Oscars nominiert, gewann aber nur zwei: für eine Nebenrolle und für die beste Kamera. Penn selbst war im Laufe seiner Karriere drei Mal für den Oscar nominiert, erhalten hat er die begehrte Statue aber nie.

Wie er das kurze Leben des berühmten Gangsterpärchens im Kino erzählte, war neu und anders, aber auch gewalttätiger als fast alles, was zuvor in Hollywood gemacht wurde. Obwohl der Film während der Great Depression der 30er Jahre spielte, verstand ihn die aufbegehrende Jugend der 60er Jahre als Kommentar zur Gegenwart: In dem Gangsterpärchen sahen die Jugendlichen Rebellen gegen die fragwürdigen Werte einer von Rassenunruhen erschütterten Gesellschaft. Die brutalen Gewaltdarstellungen - von vielen damals heftig kritisiert - interpretierten sie als Kommentar zu dem blutigen Krieg in Vietnam, in den sich die USA immer weiter verstrickten.

Ehrenbär für sein Lebenswerk

Zwei Jahre später setzte er der Gegenkultur mit "Alice's Restaurant" ein Denkmal. Der Film beruht auf dem Lied "Alice's Restaurant Massacree" von Arlo Guthrie und feiert das unangepasste Leben der Hippies. Der Spätwestern "Little Big Man" mit dem jungen Dustin Hoffman in der Hauptrolle erzählt die Schlacht am Little Big Horn aus einer anderen Perspektive: Die weißen "Helden" werden vom Sockel gestürzt und Indianer positiv dargestellt - für die damalige Zeit alles andere als selbstverständlich. 1975 erwies er dem Film noir der 40er Jahre Reverenz, indem er Gene Hackman als einsamen Privatdetektiv auf Ermittlungstour schickte. Der Film geriet selbst für das an sich schon düste Genre ungewöhnlich pessimistisch. Ein Jahr später kam die Pferdedieb-Geschichte "Missouri Breaks" mit Marlon Brando und Jack Nicholson in die Kinos.

Nach 1976 konnte der Regisseur nicht mehr an seine großen Erfolge anknüpfen. Seinen Rang in der Filmgeschichte hatte er da schon längst sicher. 2007 erhielt er auf der Berlinale für sein Lebenswerk den Ehrenbär. Mit seinem Tod verliert die Familie Penn einen weiteren großen Künstler. Erst im Oktober vergangenen Jahres war Arthurs älterer Bruder Irving Penn gestorben. Er war einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

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