Die Art Basel ist die größte und wichtigste Kunstmesse der Welt. Zahlungskräftige Sammler schnappen sich hier gegenseitig die besten Stücke weg, Promis wie Brad Pitt oder Roman Abramovic sind da. Eine Milliarde Euro Umsatz in fünf Tagen - von der vollmundig prophezeiten Krise der Kunst keine Spur. Von Anja Lösel

Die Art Basel in Zahlen: 300 Galerien aus 33 Ländern zeigen 5000 Werke von 2000 Künstlern© Georgios Kefalas/Epa
Ja, Brad Pitt war auch da. Mit Hütchen und Umhängetasche eilte er durch die Flure, guckte hier und da und kaufte - nichts. War er auf der Suche nach einem angemessenen Geburts-Geschenk für Angelina und ihre Zwillinge? Auch Roman Abramovic war da, russischer Milliardär und Besitzer des Fußballclubs Chelsea. Bescheiden im hellblauen Hemd wandelte er an der Seite seiner Freundin Dasha Zhukova über die Messe. Sie ist Model, liebt Kunst und will im September eine Galerie in einem alten Moskauer Busbahnhof aufmachen. Ihr zuliebe hat auch Abramovic sein Herz und seinen Geldbeutel für die Kunst geöffnet. Vor ein paar Wochen ersteigerte er für 120 Millionen Dollar Bilder von Francis Bacon und Lucian Freud. Jetzt also: Art Basel.
Abramovic ist zum ersten Mal auf einer Kunstmesse. Und merkt schnell, wie schwer es ist, sich zu orientieren bei der Fülle von rund 5000 angebotenen Werken von 2000 Künstlern, dargeboten von 300 Galerien aus 33 Ländern. Und er muss aufpassen. Wenn einer wie Abramovic stehen bleibt, gibt es gleich Geflüster und Spekulationen. Guckt er nur? Oder will er tatsächlich eine der Bronzestatuen von Alberto Giacometti bei der Schweizer Galerie Krugier kaufen? 14 Millionen kosten die, ein Klacks für den Russen. Auch Gemälde von Marc Chagall und Alexej Jawlensky erfreuen sein Auge. Aber er kauft erst mal nichts, bleibt cool, geht weiter. Man kann ja immer noch per Telefon ordern.
Die Art Basel ist das Super-Ereignis des Kunstjahres. Die großen, milliardenschweren Sammler aus der ganzen Welt reisen an. Ihre VIP-Ausweise und Pre-Preview-Tickets nutzen ihnen hier allerdings wenig, denn Hunderte von anderen Kunst-Promis haben die auch ergattert. Und so stehen die feinen Herrschaften am ersten Messetag um kurz vor elf Uhr vor der Tür der Hallen, alle in bequemen Schuhen, alle aufgeregt, denn da drinnen könnte ja der Picasso, der Warhol, der Gursky warten, den sie schon längst haben wollten und nie kriegen konnten. Manche drängeln wie Fußballfans vor dem Finalspiel. Und rennen los, sobald die Türen aufgehen.
Sam Keller, bis vor kurzem Leiter der Art Basel und jetzt Direktor der feinen Fondation Beyeler, kennt jeden von ihnen. "Die großen Sammler kommen hierher, weil sie wissen, dass sie hier große Kunst sehen." Keller lädt sie am Abend zu exklusiven Dinners ins Museum nach Riehen. Oder trifft sie im Campari Café, draußen im Garten der Messe.
Gerade läuft Mick Flick in beiger Steppweste vorbei. Nein, bitte nicht ansprechen, der Sammler muss sich konzentrieren auf die Kunst und auf die Preise. Auch Maja Hoffmann ist da, die ihre Sammlung der Pharma-Firma Hoffmann-La Roche verdankt. Und natürlich Harald Falckenberg, der gerade in Hamburg das größte Privatmuseum Deutschlands eröffnet hat.
Und da ist ja auch Malcolm McLaren, britischer Musiker, Künstler und Ex-Sex-Pistols Manager. Das dicke Lambswool-Jackett über die Schulter gehängt, rennt er ein wenig verwirrt herum, mit rotem Haar und rotem Kopf. Auf der Sonderschau "Art Unlimited" ist seine Arbeit "Shallow" zu sehen. Zu Amateur-Filmschnipseln aus den 70er Jahren komponierte McLaren Musik. 90 Minuten lang kann man sich nun Menschen in seltsam erotisch aufgeladenen Situationen ansehen und dazu Punk-Klänge und romantische Schlagermusik hören. Gar nicht mehr raus möchte man aus der Videobox, so schön sind diese "Musical Paintings", so lustig und so berauschend.
Aber rasten ist nicht drin. Weiter geht's zum nächsten Kunstwerk, zur nächsten Galerie, zur nächsten Sensation. So ist das eben bei der Art Basel. Mit Kunstgenuss hat sie wenig zu tun, eher mit Jagd und Konkurrenz und natürlich mit Geld. Sehr viel Geld.
51 Millionen soll das Bacon-Triptychon in der Marlborough Galerie kosten. Ein Schnäppchen verglichen mit den 86 Millionen, die Abramovic auf der Auktion in New York für seinen Bacon zahlte. Einen Lucian Freud hätte die Galerie auch noch zu bieten: für schlappe acht Millionen. Fast geschenkt.