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Immobilienmogul Aby Rosen: "Kauft Kunst, dann gehört ihr dazu"

Aby Rosen hat Hotels auf der ganzen Welt, er ist Multimillionär, Clubbesitzer und Kunstsammler. Im Interview mit dem stern spricht er über den neuen Miami-Boom und "Kunst als soziale Eintrittskarte".

Aby Rosen

Der Mann mit dem goldenen Händchen: Aby Rosen, 1960 geboren in Frankfurt/Main als Sohn von Holocaust-Überlebenden, mischt seit Ende der 80er Jahre den Immobilienmarkt auf. Ihm gehören unter anderem das Lever-Haus in New York und das Luxushotel W in Tel Aviv. Neben seinem Faible für Promi-Partys ist er für seine Kunstsammlung bekannt: Er besitzt alleine 100 Kunstwerke von Andy Warhol zudem Stücke von Damien Hirst und Jeff Koons

Wenn Aby Rosen über Miami spricht, klingt alles so federleicht wie die pastellfarbenen Wolken am Abendhimmel überm Ocean Drive. Alles passt, alles wird gut. Geld verdienen und Geld verschwenden, beides scheint für ihn ein großer Spaß zu sein. Rosen trägt das weiße Hemd gern zwei oder drei Knöpfe weit offen. Er ist sehr leger und sehr reich. Zu seinem Besitz zählt er Hotels und Bürohäuser in New York, Las Vegas, Tel Aviv, Frankfurt und natürlich in Miami. Lange vor dem Miami-Boom kaufte und sanierte er mit einem Partner das abgetakelte Hotel Delano im Art-Deco-Viertel. Später ließ er das Hotel W bauen, das erste Fünf-Sterne Haus in Miami Beach. Rosen sammelt auch moderne Kunst. Hundert Werke des Popartkünstlers Andy Warhol gehören ihm. Seine Partys im Nachtclub "The Wall" während der Kunstmesse Art Basel Miami sind legendär.

Mit dem stern sprach Aby Rosen über den neuen Miami-Boom und warum Kunst für reiche Aufsteiger so wichtig ist.

Herr Rosen, während der Art Basel Miami stauen sich die Privatflieger am Flughafen. Warum dieser Hype?

Durch den Kauf von Kunst bekommen Sie Zutritt in eine andere Gesellschaft. Durch Kunstkäufe können Sie in Amerika - und inzwischen ist es fast überall auf der Welt so - sozial aufsteigen. Wenn Sie in Miami für fünf Millionen Dollar ein Apartment kaufen, interessiert sich für Sie kein Mensch. Wenn Sie aber für fünf Millionen ein Gemälde kaufen, laufen Ihnen zwanzig Galeristen hinterher, die sie auf jede Vernissage und Party einladen. Ihr Name wird heiß, er wird rumgereicht, Sie gehören dazu.

Das funktioniert wirklich?

In Miami redet man über Leute, die aus dem Nichts kommen und sich gerade Kunstsammlungen zusammenstellen. Die sind interessant.

Wo landen die vielen Bilder und Skulpturen? In den neuen Wohntürmen?

Das Zweit- und Drittapartment will dekoriert sein. Innendesigner sind heute auch Kunstberater. Und die arbeiten ganz eng mit der Kunstszene zusammen. Die Künstler sind mit Architekten dicke. Und so kommt alles gut zusammen. Da werden dann Kunden weitergereicht. Und der Kunde hat ja auch etwas davon. Der Reiche, der gekauft hat, hat ein phantastisches Apartment, er hat Kunst zu Hause, er wird eingeladen und hat sozialen Anschluss.

Gibt es wirklich so viel gute Kunst, die ihren Preis wert ist?

Okay, da kaufen Leute auch ein paar Sachen, die sie nicht hätte kaufen sollen. Aber wichtig ist doch auch, dass alle Spaß dabei haben. Ist doch besser das Geld auszugeben, als es auf der Bank liegen zu lassen, wo es ein oder zwei Prozent Zinsen bringt.

Besser zwei Prozent Zinsen als einen teuren Fehlkauf an der Wand - oder?

Viele Leute mit Geld möchten heute nicht mehr so leben wie ihre Eltern oder Großeltern, die immer nur angelegt haben und dem Geldmanager ihr Vermögen anvertraut haben, der dann im Zweifel auch nur Blödsinn damit gemacht hat. Die sagen, ich kauf mir lieber ein paar Apartments und Häuser. Eines in Gstaad, eins in Miami, eines in Monaco. Die füll' ich dann mit Kunst. Und meist steigt die Kunst im Wert schnell, weil die Nachfrage so groß ist.

Wie finden das eigentlich die Künstler?

Gut natürlich. Früher haben Sie als Käufer den Künstler nie getroffen. Heute wollen viele Künstler die Sammler kennen lernen. Ich kann Ihnen eine Liste geben der Künstler, die zu mir auf die Partys kommen: Jeff Koons ist in Miami oder Rachel Feinstein. Die Künstler interessiert dabei nicht ob der Sammler Industrieller oder Metzger ist. Die wollen wissen, wo ihr Zeug hingeht.

Wie kommt man zu Ihrer legendären Party im Nachtclub "The Wall" während der Art Basel Miami?

Da müssen Sie gut drauf sein. Da wird es eng.

Und wie kommt man in die anderen Clubs, die gerade angesagt sind?

Seien Sie gut gelaunt. Auch wenn man nicht so gut aussieht oder nicht so gut gekleidet ist, in Miami findet jeder etwas.

Finden Sie Miami anstrengend?

Nach fünf Tagen bin ich total ausgelaugt. Ich sehe und treffe so viele Leute. Viele will man sehen, manche nicht. Aber egal. Man sitzt an großen Tischen, redet und bekommt so viel Input. Die Stadt ist voller Energie. Das erfrischt meinen Kopf. Ich schau’ was ist im Markt los, bei Kunst, Leuten und Kultur.

Haben Sie neue Pläne in Miami?

Wir bauen im Design District neue Läden. Das Hotel W wird renoviert. Das machen wir dauernd. Die Konkurrenz schläft ja nicht. Man muss auf der Hut sein, damit man frisch bleibt. Wer sich auf den Lorbeeren ausruht, ist in Miami am falschen Platz.

Hält der Miami-Boom noch lange an?

Wenn zehn der höchste Wert auf einer Skala ist, dann sind wir in Miami gerade bei neun. Aber für Miami ist neun nicht gefährlich. Die Nachfrage nach Immobilien ist so groß. Ganze Stadtteile werden gerade umgekrempelt. Die High Roller sind in der Stadt. Und dann kommen auch die Low Roller, weil die gern bei den High Rollern sein wollen. So geht das Spiel in Miami.

Und was stört Sie an der Stadt?

Der einzige Nachteil ist, dass der Verkehr zusammenbricht. Wenn ich in Miami Beach ankomme, parke ich mein Auto und steige auf mein Fahrrad oder auf mein Motorrad. Das Wetter ist ja immer klasse.


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Interview: Norbert Höfler