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26. September 2006, 18:09 Uhr

"Kniefall vor Terroristen"

Wirbel um die Mozart-Oper "Idomeneo": Innenminister Wolfgang Schäuble kritisierte die Absetzung der Inszenierung als "lächerlich". Die Intendantin verteidigte ihre Entscheidung aus Furcht vor islamistischen Angriffen.

Eine Szene aus der Oper "Idomeneo": Die Inszenierung wurde jetzt abgesetzt© Claudia Esch-Kenkel/DPA

In Hans Neuenfels' Inszenierung der Mozart-Oper "Idomeneo" präsentiert König Idomeneo neben Jesus, Buddha, Poseidon auch den abgeschlagenen Kopf von Mohammed auf einem Stuhl. Im Islam sind bildliche Darstellungen Gottes und des Propheten nicht erlaubt. Die Deutschen Oper Berlin hat aus Furcht vor islamistischen Anfeindungen die Aufführungen abgesetzt. Politiker aller Parteien und Künstler haben nun vor Selbstzensur und vorauseilendem Gehorsam gewarnt. Die Intendantin der Deutschen Oper, Kirsten Harms, verteidigte dagegen ihre Entscheidung. Es habe eine Warnung der Berliner Sicherheitsbehörden gegeben. Bestimmte Szenen der Inszenierung hätten ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko für das Opernhaus dargestellt. Schäuble findet Absetzung lächerlich Für Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der in der Integrationsdebatte für diesen Mittwoch zu einer Islam-Konferenz eingeladen hat, ist die Absetzung "inakzeptabel und lächerlich". Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sprach von einem "Kniefall vor Terroristen". Bosbach sieht in den Konflikten um die Mohammed- Karikaturen, das Papst-Zitat und die "Idomeneo"-Inszenierung einen Zusammenhang: Aus Sorge, in islamischen Ländern einen heiligen Zorn hervorzurufen, dürfe keine "Selbstzensur" erfolgen.

Neuenfels’ Anwalt Peter Raue nannte die Absetzung "grottenfalsch". Nach diesem Prinzip müsste man auch Mozarts "Entführung aus dem Serail" oder Lessings "Nathan der Weise" absetzen. Er berate mit dem Regisseur über rechtliche Schritte. Es gehe dabei nicht um Geld, sondern um die Freiheit der Kunst. Neuenfels hatte von "vorausgeeiltem Gehorsam und Hysterie" gesprochen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte, wenn die Sorge vor möglichen Protesten "schon zur Selbstzensur führt, dann gerät die demokratische Kultur der freien Rede in Gefahr". Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, wandte sich ebenfalls gegen "vorauseilenden Gehorsam". Die Angst vor möglichen Reaktionen müsse schon sehr konkret sein.

Keine konkrete Bedrohung

Polizeisprecher Bernhard Schodrowski sagte, das Landeskriminalamt habe das Opernhaus bereits im Juli auf mögliche islamistische Anfeindungen aufmerksam gemacht. Eine konkrete Gefährdung sei zurzeit aber nicht bekannt. Auch Intendantin Harms nannte keine konkrete Bedrohung und verwies auf eine Warnung von Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) vom August. Körting habe ihr damals über einen "anonymen Hinweis" berichtet, den er jedoch nicht präzisiert habe. Der Senator habe ihr gesagt, er liebe die Deutsche Oper sehr, "möchte aber nicht erleben, dass sie einmal nicht mehr da ist".

Die "Idomeneo"-Inszenierung von Neuenfels setzt sich mit den Weltreligionen, unter anderem auch mit dem Islam, auseinander. Sie war bereits während der Premiere 2003 auf Publikumsproteste gestoßen.

Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion verlangte der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Börnsen, die Gefährdungsanalyse des Berliner Landeskriminalamtes gehöre nun auf den Tisch. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer nannte die Absetzung "pure Feigheit". Nach Auffassung von SPD-Fraktionschef Peter Struck ist die Absetzung die Kapitulation "vor einer möglichen Gefahr". Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz sprach von einem "peinlichen Vorgang". Dieses "Einknicken hatten wir auch schon mal anders erlebt", sagte er der "Sächsischen Zeitung".

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält die Entscheidung der Intendantin für falsch. Aus seiner Sicht sei eine konkrete Gefährdung, die eine Absetzung der Oper rechtfertigen würde, nicht zu erkennen. Eine freiwillige Selbstbeschränkung gebe denen, "die unsere Werte bekämpfen, eine vorauseilende Bestätigung, die wir ihnen nicht zugestehen sollten".

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, warb für die Freiheit der Kunst: "Kunst muss frei sein." Er könne zwar nachvollziehen, dass ein abgeschlagener Kopf des Propheten die Gefühle frommer Muslime möglicherweise verletze. "Ich empfehle aber allen Muslimen, bestimmte Sachen zu akzeptieren." Dagegen sagte der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, eine Szene, in der die enthaupteten Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed gezeigt würden, verletze die religiösen Gefühle von Muslimen. "Eine Oper oder eine Karikatur - das macht keinen großen Unterschied", meinte Kizilkaya.

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
jochenn (27.09.2006, 21:47 Uhr)
Wie war es mit dem türkischen Film "Tal der Wölfe"
Wo sind jetzt die Kritiker des türkischen Films "Tal der Wölfe-Irak", der wegen Antiamerkianismus fast abgesetzt werden sollte.
Damals wollte keiner von "Kunst- oder Filmfreiheit" sprechen oder diese verteidigen.
Einige Politiker riefen sogar öffentlich dazu auf, den Film nicht zu sehen!!
Jetzt, wo es um die Beledigung von Muslimen geht, kommen die alle an und wollen die Kunstfreiheit verteidigen. Immer so wie es einem gerade passt.
Das nenne ich DOPPELMORAL !!
Max_Sternberg (27.09.2006, 15:55 Uhr)
Angstfrei leben
Ich weiß ja nicht, wie es ihnen ging, als sie klein waren. Ich jedenfalls hatte eine Heidenangst vor den älteren Junx. Ein Held war ich nicht.
In meiner Kindheit gab es einen, der hieß Kai, und war, über die Grenzen der Straße hinaus, gefürchtet.
Wenn der auftauchte, schrien Alle: „Der Kai – daaa!“
Und man lief um sein kleines Leben.
Geholfen hat mir dann manchmal mein älterer Bruder. Der war stärker als ich.
Der Kai war auch immer gut für Ausreden, wenn man verdreckt und mit zerrissener Hose nach Hause kam. „Was ist passiert?“ - „Das war der Kai“. Und das Seufzen aus elterlichem Munde: „Ja, ja – der Kai...“
Heute ist alles ganz anders: Ich bin ja jetzt groß.
Und KAIner kann mir mehr, so ohne weiteres, eins auf die Mütze geben.
Mal ganz unter uns: Aus Kai ist später ein braver Angestellter geworden, hat Familie und ein Häuschen mit Vorgarten. Da stehen auch Gartenzwerge. Neulich, am späten Abend, beim Vorbeigehen, hab` ich doch tatsächlich einen davon umgehauen. Ich konnte nicht anders.
Und jetzt ist sie wieder da: die alte Angst. Aber besser KAInem erzählen.
Auch mein älterer Bruder hilft mir nicht mehr.
Einfach KAIner da, wenn man ihn braucht.
Daneel (27.09.2006, 13:31 Uhr)
Und jetzt die Zehnfache Menge
Als Mick Jagger und Keith Richards
im Gefängnis waren, hat The Who nur
Rolling-Stones-Lieder aufgenommen, bis
sie frei kamen. Ich fordere alle
Opernintendanten in Deutschland auf,
nur Idomeneo und nichts anderes zu
spielen, bis sie in Berlin wieder
gespielt wird. Man erinnert an
Dänemark als der König auch einen
gelben Stern trug. Die Menge
macht's!
Hdk1 (27.09.2006, 13:09 Uhr)
Provokation ist Notwendig
Ich finde es sehr kontraproduktiv auch noch eine Lanze für radikale religiöse Fanatiker (welcher Zugehörigkeit auch immer, in diesem Fall der Moslems) zu brechen! Kunst, Meinungsfreiheit und Satire gehören zu unserer Kultur und unserem demokratischem Selbstverständnis, genau wie die freie Wahl des Speisezettels (Schweinefleisch etc.). Es ist unerträglich, wie eine Minderheit, die zudem auch aus einem fremden Kulturkreis kommen, versuchen uns ihren Willen aufzuzwingen und wir aus Feigheit, mangelnder Zivilcourage und freiwillig auf unsere Rechte verzichten! Wir haben keinen Irakkrieg unterstützt, keinen Moslem gedemütigt oder irgendetwas in dieser Richtung unternommen, im Gegenteil: Wir nehmen diese Menschen hier auf und versuchen uns mit ihrer Lebensweise zu arrangieren. Zu akzeptieren, das Frauen drei Schritte hinter ihrem Mann laufen müssen, eingehüllt in garnicht mal so geschmackvolle Gewänder, das Moscheen gebaut werden dürfen, das kurzgesagt jeder hier ohne sich auch nur ansatzweise integrieren zu müssen leben kann, wie er es möchte. Es ist ein pluspunkt unserer Gesellschaft, das so etweas hier möglich ist, aber es reicht diesen Menschen nicht: sie möchten uns auch noch ihre Lebensweise aufdoktrinieren! Und diesem Treiben gehört unverzüglich der Riegel vorgeschoben! Zu fordern das unsere Meiniungsfreiheit haltzumachen hat vor religiösen Gefühlen ist nicht akzeptabel! Jeder Prominente, jede Partei oder Ideologie ist in keiner Form vor Satire, Anfeindungen, sei es geschmackvoll oder nicht sicher. Da darf unsere Bundeskanzlerin wegen Ihrer Kleider oder ihrer Frisur lächerlich gemacht werden, wobei sich andererseits keiner über das aufgesetzte martialische R-Gerolle z. Bsp. eines Wolfgang Gerhard lustig macht, nur weil er keine Frau ist. Da dürfen in Comedyshows auch einfache Leute wegen ihrer mangelnden Bildung lächerlich gemacht werden ( seltsamerweise zünden weder Frau Merkel noch andere Mitmenschen fahnen an oder ermorden ihre 'Peiniger'), nur auf die lieben ungepflegten Nachthemdträger muss unbedingt Rücksicht genommen werden! Ich plädiere im Gegenteil dazu, bei Allergien hilft es auch oft, diese 'Herren' einer Desensibilisierungskur zu unter ziehen. Wenn jeden Tag in jeder westlichen Zeitung und allgemein in den Medien neue Karikaturen, Bilder, Zitate dieser Kanaille ihr wahres Gesicht vor Augen führen, werden ihnen bald die Fahnen und Puppen ausgehen und das viele Geschrei wird in Heiserkeit enden!!!
PeterMax (27.09.2006, 13:08 Uhr)
Stoibers Worte
Zitat:
"Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber sorgt mit kritischen Äußerungen über den Islam für Empörung beim Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland. Dessen Vorsitzender Ali Kizilkaya warf Stoiber in einem Interview eine "hochgradige Beleidigung des Islam" vor. Der CSU-Chef müsse seine Worte korrigieren. "


Was erlauben Sie sich Herr Kizilkaya !!
Deutschland hat eine freiheitliche Grundordnung und in dieser ist das Recht auf freie Meinungsäußerung verankert.
Hier in Deutschland bestimmen noch immer deutsche Politiker und keine Gäste, wie Sie!
Wenn es Ihnen nicht passt, wie wir denken und leben, dann gehen Sie in Ihr Land zurück.
Wir halten Sie hier nicht, denn wir haben Sie auch nicht gerufen!
Sorgen Sie erst einmal dafür, dass in den muslimischen Staaten ein Minimum der Rechte durchgesetzt werden, die Bürger Ihres Glaubens bei uns in Deutschland haben.
Langsam ist auch unsere Geduld zu Ende und wir werden uns Ihre Unverschämtheiten nicht mehr länger bieten lassen.
Verlassen Sie Deutschland, wenn Ihnen das alles hier nicht passt. Wir wollen euch Muslime hier nicht haben, wenn Ihr euch nicht uns anpasst. Kein Europäer dürfte sich diese Frechheiten in einem Muslimischen Staat herausnehmen, wie Sie und ihre Glaubensbrüder es hier tun!

P.V.
Berlin
Manni_B (27.09.2006, 08:53 Uhr)
Untergang der Meinungsfreiheit
Die westliche Welt kapituliertr immer mehr gegenüber einer handvoll militanter Muslime deren Kultur im Mittelalter stecken geblieben ist. Das ist unerträglich!! Wie lange noch soll dieser Zustand anhalten?? Kunst ist eine Form der freien Meinungsäusserung -- und das ist bei uns sogar ein von unserer Verfassung verbrieftes Grundrecht. Wem diese Meinungsäusserung nicht passt soll weghören und wegsehen. Und den Muslimen die sich durch unsere Freiheit und unsere Kultur angegriffen fühlen kann ich nur sagen: "ich mag auch einiges an eurer Kultur nicht - doch ich akzeptiere es als eure Lebensart. Seid bitte so fair und tzt das auch mit der unsrigen. Aber fairnis ist ja bei euch nicht im Programm vorsgesehen."
marcm (26.09.2006, 23:06 Uhr)
Fehlende Courage
Ich finde die Absetzung bedauerlich und falsch. Wenn demokratische Grundwerte wie Meinungsfreiheit bzw. künstlerische Freiheit nicht mehr ausgeübt werden können stimmt etwas nicht in diesem Land.
Als nächstes wird wahrscheinlich das Tagebuch der Anne Frank nicht mehr gedruckt, um Anhänger der NDP oder DVU nicht zu provozieren.
jochenn (26.09.2006, 20:56 Uhr)
sinnlose Provokation von so vielen Muslimen
Irgendwie schienen die Intendantin und ihr hübscher Kollege während der Pressekonferenz sehr erfreut darüber zu sein, dass es Drohungen gegeben hat. Das ist gute Werbung.
Man hätte das Stück auch ohne so viel Rummel absetzen können. Aus Einsicht.
Die Grenze zur legitimen Provokation hört dort auf, wo man eine andere Religion antastet, der man weder selbst noch durch die Familie angehört. Warum sollen Anstandsregeln für Künstler nicht gelten? Auch wenn sie Mozart heißen.
Die Muslime werden bereits durch den Irak-Krieg und den Nahostkonflikt genügend gedemütigt und mißachtet. Eine zusätzliche Provokation durch ein solches Opernstück halte ich da für völlig überflüssig. Mehr Anstand bitte.
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