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2. Dezember 2008, 14:02 Uhr

Ein Großwildjäger, der das Maul aufreißt

Michael Mittermeier, Baby,

Den Kampf mit großen Tieren nimmt Michael Mittermeier gerne auf© ProSieben

Sie haben eine längere Zeit in New York gelebt. Hätten Sie Obama unterstützt, wenn Sie in den letzten Monaten dort gewesen wären?

Ich denke schon. Als ich damals in New York in Clubs aufgetreten bin, habe ich mich gegen die Republikaner stark gemacht. Damals war das dort gar nicht angesagt. Kurz nach dem Irak-Krieg hatte Bush Zustimmungsraten von 87 Prozent. Obama ist intelligent, clever, er führt Leute zusammen. Der redet. Wir müssen mehr reden. Die Zusammenhänge herstellen - Bush hat's nie begriffen, McCain auch nicht, er ist ein Krieger. Ein Krieger hat kein Programm. Wir brauchen Krieger, wenn man das Land verteidigen muss. Irak ist kein Angriffskrieg, von Bush aus aber schon. Das ist aber so, als ob man in eine Disco geht und sagt, der hat mich blöd angeschaut, der wird mir bald in die Fresse hauen, also gehe ich prophylaktisch hin und hau ihm eine rein. So zeige ich am kleinen Beispiel, wie es im Großen ist, und so funktioniert Satire. Das kommt dann leichtfüßig daher. Am Ende des Tages kannst du es immer herunter brechen: Es geht um Entscheidungsprozesse von Menschen. Wie beim Wähler.

Seit gut zwei Jahren steht Ihr aktuelles Programm "Safari", eine Reise um den Globus. Inzwischen ist aber sehr viel brisanter Stoff aus der Realität für Kabarettisten dazu gekommen. Wie gehen Sie damit um? Das Debakel der CSU ist ein Heimspiel für mich. Die Nummer dazu läuft in verschiedenen Teilen Deutschlands anders: Im Norden läuft alles. In Franken läuft es gar nicht, wenn du gegen die CSU wetterst, aber wenn ich Huber und Stoiber fertig mache, lieben die Leute das. Denen im Osten ist "Stoiber meets Star Wars" mittlerweile wurscht, da sind mir bundespolitische Themen lieber. Wenn ich in Hessen bin, mache ich immer was über Roland Koch. Die Programme ändern sich regional. Hat Sie die Finanzkrise beeinflusst? Klar, die habe ich im Programm. Wenn ich die Statements von Angela Merkel zur Lösung der Finanzkrise höre, habe ich das Gefühl, ein Banker erzählt mir Islandaktien sind wieder groß im Kommen. Was macht ProSieben in der Finanzkrise? Schickt Uri Geller auf Sendung und lässt ihn mit Außerirdischen telefonieren. Das ist ein Ansatz. Ich sollte Banker werden, ich war in Mathe immer eine Null und konnte nie mit Zahlen umgehen. Das ist heute scheinbar die Voraussetzung dafür, Chef einer Bank zu werden. Alle jammern, alle schimpfen, aber irgendwer hat es durchgelassen. Wenn mir einer die Hypothek anbietet von der Hypothek, die jemand an eine Bank verkauft hat, die eine Hypothek aufgenommen hat bei irgendeinem Verleiher, der dann Geld daraus gemacht hat, und es an die Börse gebracht hat und dann noch eine Hypothek darauf aufgenommen hat. Und dann gibt es jemanden, der verkauft dir das und sagt: 'Guck mal hier, kannst dein Geld anlegen' - dann sag ich, 'was ist der Gegenwert? Eine Hypothek auf eine Hypothek in Amerika, da wurde eine Hypothek drauf aufgenommen, die haben wir jetzt verliehen - und wo ist das Geld?' Ja ist 'ne Hypothek - das Prinzip ist unerklärlich. Auch die Auswirkungen der Krise sind keine Themen für Sie? Das spiegelt sich in den politischen Nummern wieder: Wenn die Leute sagen, jetzt wählen wir die FDP, die können besser mit Geld umgehen, ist das Wahnsinn. Das sind die einzigen, die den komplett deregulierten Markt fordern - genau das, warum die Scheiße passiert ist. Ich verstehe nicht, dass eine FDP in Bayern mehr als zwei Prozent bekommen kann. Wie funktioniert so was? Das muss mir mal jemand erklären. In solchen Nummern spiegelt sich das bei mir. Dann geht es weiter zu Merkel. In drei Jahren hat sie sich nie aus dem Fenster gelehnt. Es gibt kein Konzept, das von ihr initiiert wurde, nichts. Trotzdem ist sie der Weihnachtsmann. Frau Merkel ist ein Wunder.

Interview: Kathrin Buchner

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