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"Maybritt Illner" "Gebt's mir mal die Handynummer von Olaf Scholz" – Michael Mittermeier springt für Künstler in die Bresche

Eine nichtssagende Plauderrunde bei "maybritt illner"
Eine nichtssagende Plauderrunde bei "maybritt illner": Manuela Schwesig, Comedian Michael Mittermeier, und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar (v.l.n.r.) sind per Video zugeschaltet, real im Studio sind Kanzleramtsminister Helge Braun, Moderatorin Maybritt Illner, Psychologin Ulrike Lüken und Ärztin Sibylle Katzenstein (v.l.n.r.)
© ZDF
Wie unbeschwert werden wir Weihnachten feiern? Für den Comedian Michael Mittermeier geht es bei "Maybritt Illner" um eine andere Frage: wer kümmert sich endlich um die Kulturschaffenden? Darauf gibt es keine Antwort genau wie auf viele andere Fragen.

Wie er Weihnachten verbringen werde und wie Silvester? Auf derlei Christmas-Geplänkel hat Michael Mittermeier nun wirklich keine Lust. Ihm reicht's. Der Comedian fordert am Donnerstagabend bei "Maybritt Illner" eine "Taskforce Kultur". Auch im Sinne eines Nachhilfeunterrichts für die Bundesregierung: "Politiker müssen lernen, die Branche zu verstehen." Denn der Umgang mit Künstlern in der Corona-Krise habe gezeigt: "Das geht an deren Lebenswirklichkeit vorbei." Er kenne einige, bei denen die für den Sommer beantragte Überbrückungshilfe immer noch nicht da sei: "Da wird's langsam düster." Also, unbedingt nachbessern, und, so Mittermeier, "gebt's mir die Handynummer von Olaf Scholz".

Frohe Weihnachten? "Das werden für viele aus unserer Branche extreme Weihnachten", prognostiziert der Komiker. Manche müssten überlegen, ob sie sich überhaupt die Geschenke für die Kinder leisten könnten. Damit stehen die Kulturschaffenden nicht alleine. "Feste ohne Freude – wie lang wird der Corona-Winter?", fragt Maybrit Illner und formuliert damit, was viele Menschen in Deutschland umtreibt, seit sich gestern Bund und Länder auf eine Verlängerung und eine Verschärfung des Teil-Shutdowns geeinigt haben. Im Studio dabei sind Kanzleramtsminister Helge Braun, die Allgemeinmedizinerin Sibylle Katzenstein und die Psychologische Psychotherapeutin Ulrike Lüken. Neben Michael Mittermeier auch zugeschaltet: Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar.

Schwesig: Weihnachtslockerungen wegen des "sozialen Friedens"

Verlängern und verschärfen einerseits, andererseits eine Lockerung über die Feiertage bis möglicherweise Silvester, um dann wahrscheinlich wieder anzuziehen. Zitat Schwesig: "Wenn man sich nicht anstrengt, drohen weitere harte Maßnahmen." Ist dieses Hin und Her ein kluges Manöver? Die Pause an Weihnachten und zwischen den Jahren sei, so die SPD-Politikerin weiter, wegen des "sozialen Friedens und Zusammenhalts" notwendig. Mehr Pathos bei Yogeshwar: "Jetzt ist die Familie wichtig. Das Geschenk ist Weihnachten mit unseren Liebsten." Ein Zugeständnis an die Bundesbürger findet auch Braun wichtig: "Dass Großonkel Karl nicht mit an den Weihnachtstisch darf, kann man nicht kommunizieren." Andererseits kommuniziert der CDU-Politiker deutlich, dass man "seine Lieben" nicht in einem Hotel unterbringen könne. Denn: Hotels ziehen Touristen an. Und man wolle nicht "durch die Hintertür touristische Reisen ermöglichen."

Um auf das Weihnachtsfest im engen Kreis von Familie und Freunden - maximal zehn Menschen, auch aus mehr als zwei Haushalten, Kinder bis 14 Jahre nicht eingerechnet - gut vorbereitet zu sein, solle man die Kontakte in der Vorweihnachtswoche auf ein Minimum reduzieren. Der letzte Schultag sei bundesweit der 18. Dezember. Was aber, wenn am 15. Dezember, dann findet eine nächste Corona-Tagung statt, die Zahlen weiterhin hoch sind? Kommen dann doch noch Änderungen? Die Moderatorin fragt nach – bekommt allerdings keine Antwort. Fest steht laut Braun: "Silvesterpartys sollten nicht stattfinden." In einigen Bundesländern gebe es Böllerverbot, in anderen nicht.

Ärztin spricht sich gegen permanenten Kurswechsel aus

Gegen permanenten Kurswechsel spricht sich Sibylle Katzenstein aus: "Wir brauchen langfristige Strategien." Sie finde es weniger wichtig, ob fünf oder zehn Menschen feiern, sondern man solle sich darauf verlegen, zu kommunizieren, wie man sich effektiv schützen könne – und was unnötig sei. "Ich trage draußen keine Maske, denn an der frischen Luft ist das Risiko minimal", so die Ärztin, die sonst mit ihrer Maske "verheiratet" sei. Zudem: Den Bürgern solle der Zugang zu Schnelltests besser ermöglicht werden – und sie sollen sie auch, siehe Schwangerschaftstests, eigenständig durchführen können. Braun verweist darauf, dass von den Herstellern die Tests ausschließlich als Medizinprodukt "in Hand des Arztes" zugelassen sind. Zudem, wolle man "aufpassen, dass man Menschen mit Diagnose nicht alleine lässt".

Superspreading via Kulturveranstaltungen? Inwiefern ist das nachgewiesen? Mittermeier besteht auf die Klärung dieser Fragen. Die Art, wie er fragt, tut gut, inmitten der doch auf weiten Strecken -Ausnahme Ärztin Katzenstein - wenig ambitionierten Runde – hier liegt einem eine Sache wirklich am Herzen. "In 85 Prozent der Fälle kennen wir Ansteckungsumstände nicht“, lässt Braun wissen. "Eben", kontert Mittermeier. Wieso dann die Künstler? "Man versteht´s nicht mehr“, stellt der Comedian klar. Und: "Man fühlt sich alleingelassen." Er höre dauernd Zahlen und Argumente. "Es hört sich alles so technisch an." Mehr Herz also? Yogeshwar springt bei: "Ich will Michael unterstützen; neben all den Zahlen, braucht es ein emotionales Signal." Mittermeier schlägt vor, dass Beamte und Politiker das 13. Monatsgehalt spenden sollten. Yogeshwar ist begeistert: "Das 13. Monatsgehalt geht an Mittermeier and friends."

Der wiederum stellt klar, dass er stellvertretend spricht: "An mich muss nichts gehen." Dass überhaupt so eine Idee umsetzbar wäre, ist aus der Sicht Brauns nicht denkbar. Denn die "Spende" bestehe ja längst aus den Steuergeldern, die "wir alle zahlen“ und aus denen nun die Hilfen finanziert würden.

Vieles wird nachlässig vorgebracht

Ungeachtet dessen: Die Sonderzahlung für Landesbeamte variiert je nach Bundesland und Besoldungsgruppe. In manchen Bundesländern ist die Sonderzahlung über das ganze Jahr hinweg in das Grundgehalt integriert. Das nachgereicht, denn es wurde in der Sendung nicht erwähnt. Auch sonst blieb vieles Gesagte unkommentiert oder wurde nachlässig behandelt. Besonders die Hinweise von Ulrike Lüken hätten mehr Aufmerksamkeit verdient. Sie gab an, das Thema Depression sei in den letzten Wochen besonders groß geworden und "chronischer Stress als Haupttreiber für psychische Störungen." Zudem gab sie zu bedenken, das Thema Weihnachten würde "von der Politik übertrieben."

tis

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