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22. März 2009, 09:53 Uhr

"Everybody's Arschloch" will Frieden

Buhrufe, versteinerte Mienen und eine überraschende Entscheidung: Bei DSDS flogen die Fetzen. "Alle gegen Annemarie" war das unausgesprochene Motto der dritten Show. Gastauftritte von Bruce Darnell und Jürgen Drews gerieten zur Nebensache. Von Mareike Rehberg

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"99 Luftballons": Annemarie Eilfeld in der DSDS-Mottoshow© Hermann J. Knippertz/AP

"Die größten Partyhits aller Zeiten" sollten in der dritten Mottoshow für ausgelassene Stimmung sorgen- aber zum Feiern war am Samstagabend kaum jemandem zumute. Eine Aggressivität lag in der Luft, wie sie eher zum zwischendurch gezeigten Boxkampf gepasst hätte. Noch immer erhitzte der vergangene Clinch zwischen Zappelphilipp Holger Göpfert und der vermeintlichen Oberzicke Annemarie Eilfeld die Gemüter und die übrigen Kandidaten mussten sich für eine Seite entscheiden: für oder gegen das "blonde Gift" aus Dessau. Selbst die Fanblocks glichen inzwischen verfeindeten Gangs, nicht nur Annemarie wurde mit Buhrufen begrüßt.

Auch sonst tat RTL mal wieder alles, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Modelguru Bruce Darnell stakste erhobenen Hauptes über die Bühne, bereit aus Sarah Kreuz die "Diva von Deutschland" zu machen. "Bewegung, Englisch, alles" soll Darnell nach Dieter Bohlens Wunsch der 19-Jährigen aus Poppenhausen beibringen, sodass wir uns jetzt schon auf lustige Trainingsszenen in der nächsten Mottoshow freuen können. Englischunterricht hat Kreuz auch bitter nötig: Gesanglich war sie zwar wieder einmal die einzige, die halbwegs überzeugen konnte, der Text von "I Will Survive" saß aber alles andere als sicher.

Dritte Zähne ins Müsli gefallen

Die lispelnde Schlagerkönigin Vanessa Neigert hatte sich gleich zweifache Unterstützung gesichert. Malle-Opa Jürgen Drews saß im Publikum und gab sich zuversichtlich, zusammen mit Neigert Deutschlands Jugend in Schlagerfans zu verwandeln. Ob das bayerische Honigkuchenpferd und seine geleierte Version von "Ich will 'nen Cowboy als Mann" das schaffen, darf bezweifelt werden. Druck auf die Tränendrüse gab es dafür beim Wiedersehen mit ihrem Vater, einem gealterten Hochseilartisten. Der saß stolz wie Oskar im Publikum, über die Gründe seiner dreijährigen Abwesenheit erfuhr der interessierte Zuschauer aber leider nichts.

Überraschend positiv fiel das Jury-Urteil diesmal für Friseur-Azubi Benny Kieckhäben aus. Beim Anblick seiner nur bedingt erotischen Fotos mit "Wir-sind-beste-Freunde"-Marco in der Bild-Zeitung seien ihm beim Frühstück zwar fast die dritten Zähne ins Müsli gefallen, so Dieter Bohlen, bei Haddaways "What Is Love" habe Kieckhäben aber jeden Ton getroffen. Da hatte der sonst so kritische Poptitan wohl nicht genau hingehört. Auch Nina Eichinger war begeistert, lediglich Volker Neumüller erkannte in Kieckhäben vollkommen zutreffend einen auf der Bühne herumrennenden Vogel Strauß.

Eine "Megahammerriesenleistung"

Ansonsten zeugten die Einschätzungen der beiden Neben-Juroren Eichinger und Neumüller wie gewohnt von tiefgründiger Sachkenntnis: Sarah Kreuz wurde von Neumüller zu ihrer "Megahammerriesenleistung" beglückwünscht, Falsett-Sänger Daniel Schuhmacher überzeugte in erster Linie durch seinen neuen Haarschnitt. Eichinger paraphrasierte brav die Urteile ihrer Mitkritiker, "sensationell", "toll" oder "schön" lautete zumeist ihr Urteil. Erst als Dieter Bohlen Annemarie Eilfeld als "everybody's Arschloch" bezeichnete, das allenfalls als Sängerin einer Tanzkapelle tauge, sprangen seine Kollegen dem verstoßenen Mädchen bei. Das hatte seinerseits mit "99 Luftballons" subtil ein Friedensangebot unterbreitet, wollte den roten Ballon am Handgelenk schließlich aber doch nicht fliegen lassen. "Das ist hier nicht die Nacht der langen Messer", stellte Volker Neumüller nach einer erneuten Buhrufaktion klar und machte deutlich, was er von den gegenseitigen Anfeindungen des Publikums und der Kandidaten hielt.

Holger Göpfert, der nuschelnde Teddybär mit den zuckenden Armen, hatte unterdessen die Sympathien der Jury auf seiner Seite. "Großes Kino" bescheinigte ihm Volker Neumüller nach seinem zweiten Auftritt als Freddy-Mercury-Double. "Du lebst Queen", ließ sich die sonst eher wortkarge Nina Eichinger zu einem Lob hinreißen. Göpfert lieferte allerdings nicht nur seine bekannte Zappelshow ab, diesmal traf er nicht einmal die Töne, schrie stattdessen einfach nur ins Mikro. Aber auch Dieter Bohlen war wahrscheinlich einfach zu verzückt von Göpferts Ausflug ins Kinderschwimmbecken, als dass er seinen Liebling ernsthaft hätte kritisieren können.

Die Gerechtigkeit der Zuschauer

Die Entscheidung brachte der ansonsten unspektakulären Sendung schließlich doch noch die ersehnte Überraschung: Statt der verhassten Sexbombe im roten Minikleid flog der smarte Frauenschwarm Marc Jentzen aus dem Rennen. Zwar war sein Auftritt als "Celebration"-trällernder Gute-Laune-Clown gelobt worden, aber auch er hatte vor laufender Kamera gegen Annemarie Eilfeld gehetzt. Manchmal haben Zuschauer eben doch Sinn für Gerechtigkeit.

Von Mareike Rehberg
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
asdfghjkl (23.03.2009, 14:17 Uhr)
Die wollen ja gar keinen Sänger mehr bei DSDS
Der Sieger beim letzten mal, Godoj, hatte eine gute Stimme und hat seine Songs interpretiert statt die Originalsänger nur zu imitieren.
Der war ziemlich gut eigentlich. So einen bekommen sie so einfach nicht wieder.
Der Sieger vom vorletzten mal, Medlock - man mag von ihm halten was man will - ist ein ziemliches Showtalent.
Daher ist DSDS auch mit den besten aus zehntausend nicht mehr unbedingt Steigerungsfähig.
Jetzt haben die sich wohl gedacht: Das mit dem arbeitslosen Mundharmonikaspieler hat so gut geklappt, nehmen wir mal bevorzugt Kandidaten mit rührseligem Schicksal und zum Auflockern ein paar total abgedrehte Freaks.
Zudem haben sie das Format so umgestellt, dass es noch mehr als früher seifenopernmäßig um die "personality" der Kandidaten geht als um die tatsächliche Sangesleistung. Gerüchteweise wurden bereits im Vorcasting gute Sänger aussortiert weil sie "zu langweilig" waren.
Jetzt ist die Show für diejenigen Zuschauer optimiert, die die Castingsendungen gucken, um zu sehen wie sich irgendwelche talentfreien Leute öffentlich blamieren.
schade drum
asdfghjkl
Vincent_Vega (23.03.2009, 09:23 Uhr)
Die Kandidaten können gar nicht singen...
das war alles, was mir vom Samstag in Erinerung blieb. Leider musste ich mitgucken. Aber Holger Göpfert schoß wirklich den Vogel ab. Mit seinem Gezucke erinnert er an Joe Cocker auf Entzug, mit seinem Singsang an eine Karaoke-Vorstellung besoffener Japaner ;).
Das war aber auch schon das Einzige, was komisch war. Umso erstaunlicher, dass Bohlen seine "Leistung" als meisterlich wertete, dagegen die des Einzigen, der einigermaßen den Ton treffen konnte, runtermachte (Namen habe ich leider vergessen).
Was auffallend ist: die meisten Teilnehmer scheinen gar nicht oder nur schlecht singen zu können. Wie kann das passieren, wenn man aus Tausenden auswählen kann und schon so viele Shows gemacht hat wie Bohlen?
Blacky007 (22.03.2009, 15:30 Uhr)
Dank Besuch von Freunden mit einer 10jährigen
konnten wir uns den musikalischen Leistungen der DSDS-Sternchen nicht entziehen. War alles soweit erträglich, bis dieser Holger die Bühne betrat. Da hat es mir und allen im Raum binnen Sekunden ein schmerzverzerrtes Gesicht eingebracht, vor lauter qualvoller Tonsuche. Noch verwunderter war ich dann von dem Urteil der Jury. Da wurde der Kerl auch noch für seine Darbietung gelobt, was mir eindeutig beweis, dass diese Sendung eine hinten und vorne getürkt ist. Wenn einer abgewählt werden hätte müssen, dann dieser Holger. Aber es scheint, als ob diese Sendung wohl nicht ohne solche Lachnummern auskommt.
Benutzername2303 (22.03.2009, 15:28 Uhr)
oh oh oh
Na, da klingt aber jemand zornig?!
Es ist ja durchaus legitim, ein solches Format zu kritisieren, aber hier werden ja auch die Menschen heftig angegriffen. Auf eine Art und Wiese die der Show an sich ebenbürtig ist. Dann haben wir ja ein Niveau erreicht.
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