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10. Februar 2010, 17:27 Uhr

Der Glücks-Keks

Es gibt kein Entrinnen. Der "Glücks-Doktor" Eckart von Hirschhausen schreibt nicht nur Bestseller, verkauft "Glücks-Boxen", tritt in jeder Fernsehsendung auf und moderiert eine Talk-Sendung im NDR. Wie die ARD jetzt bekannt gab, bekommt er künftig zwei große Fernsehshows. Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Bernd Gäbler, Afghanistan, Kundus

Eckart von Hirschhausen wird Show-Moderator in der ARD© DPA

Es war einmal ein etwas ungewöhnlicher Comedian. Er wirkte etwas ernsthafter als die anderen. Er trug keine bunten Klamotten. Er trug ein Köfferchen bei sich, dem er gerne ein Modell des menschlichen Gehirns entnahm. Sein Humor bestand nicht aus Schenkelklopfern, sondern war verschmitzt. Gelegentlich wirkte sein Auftritt etwas unsicher, fast immer ein wenig distanziert. Für seine Pointen verarbeitete er medizinisches Wissen, etwas Neurologie und viel Freud. Sie wirkten fundiert. Er selbst war nicht nur freundlich, sondern beglaubigte seine Auffassung vom Glück durch das eigene Leben. Für den Bühnenspaß hatte der promovierte Mediziner Eckart von Hirschhausen seine Karriere aufgegeben.

Die Masche mit dem Glück
Freundlich ist Eckart von Hirschhausen immer noch. Seine Funktion aber hat sich gewandelt. Aus dem Kleindarsteller ist ein kalkulierter Konsens-Konzern geworden. Wie mit einer Überdosis Moltofill füllt er eine Marktlücke, die groß ist wie ein Scheunentor, mit allerlei Tipps und Versprechen. Die Marktlücke heißt "Glück". Wer wollte es nicht? Zumindest danach streben? Hier gibt es ein riesiges Feld brachliegender Bedürfnisse. Seit Eckart von Hirschhausen diesem Thema nicht nur ein Bühnenprogramm gewidmet, sondern auch einen eingängigen Bestseller hinterher geschrieben hat, wohnt er die meiste Zeit im Fernsehen. Als Quizgast und in Talkshows erzählt er seitdem, wie toll er es findet, dass das Streben nach Glück ("pursuit of happiness") in der US-Verfassung verankert ist; dass man lieber eine schöne Reise buchen soll als ein teures Auto anzuschaffen; dass es zwar schön sein kann im Grünen zu wohnen, man aber sich aber lieber den Ärger morgens im Stau ersparen soll.

Studenten rät er, Probieren sei die beste Strategie zur Studienfachwahl, in der "Bunten" gibt er für Weihnachten den Tipp: "Erlebnisse bleiben länger im Gedächtnis als Dinge". Jedesmal vertritt er gerade soviel Post-Materialismus, dass es niemandem wehtut. Wo die Wertpapiere verfallen sind, boomen eben die Werte - Eckart von Hirschhausen profitiert davon. Er ist ein Freundlichkeits-Apostel der Mittelschicht. "Glück kommt selten allein" - das weiß inzwischen jeder. Und Frauen, die sich Postkarten kaufen mit dem Aufdruck "Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum" nicken ihm begeistert zu. Sehr gerne wird sein "Glücks-Buch" verschenkt. Dann dient es als "Glück-Wunsch" und gilt nahezu universell als gute Geschenkidee.

Inzwischen ist die Produktpalette erweitert. Für 19,95 Euro gibt es auch die "Box zum Buch" mit Tagebuch, Teebeutel und "Wunder"-Tasse, die sich füllt, wenn man etwas hinein tut. Statt dieses Kalauers könnte da auch gleich stehen: Wer das kauft, ist doof. Fehlt nur noch, dass bald eine Eckart-von-Hirschhausen-Glückskeks-Fabrik feierlich eröffnet wird. Glückskekse zum Selberbacken gibt es schon. Bekanntlich sind Glücks-Kekse innen ein wenig hohl, haben aber immer einen Spruch parat.

Eine Zeit lang wirkte Eckart von Hirschhausen auch bei Harald Schmidt mit. Da wurden Grenzen sichtbar. Er bot Auszüge aus seinem Bühnenprogramm dar, die aber immer ein wenig aufgesagt wirkten. Eine geschmeidige Integration gelang nicht, stets wirkte der Medizin-Comedian ein wenig deplatziert. Inzwischen ist Eckart von Hirschhausen, der Krawattenmann des Jahres 2009, an der Seite von Bettina Tietjen auch Gastgeber einer Talk-Show im NDR. Bisher wird hier vor allem deutlich, was er nicht kann: andere mit ernsthaftem Interesse sachlich befragen. Unbedingt will er Harmonie verströmen, kriecht in seine Gäste hinein, biedert sich an. Der routinierte Talk-Gast ist nicht unbedingt auch ein cleverer Gastgeber.

Show
Jetzt reicht auch der eigene TV-Talk nicht mehr. Aus dem schon omnipräsenten Comedian und Talker soll auch noch ein Showmaster werden. Neben dem Morgenmagazin-Mann Sven Lorig soll Eckart von Hirschhausen die Lücke füllen, die Jörg Pilawas Wechsel zum ZDF in der ARD-Unterhaltung reißt. Dahinter steckt der Gedanke, an den Shows selbst möglichst wenig zu verändern, nur den einen stets freundlichen Konsens-Stifter durch den nächsten zu ersetzen. Mit "Frag' doch mal die Maus" ist es der ARD gelungen, eine starke Marke vom Kinderprogramm in die Prime-Time zu transferieren. Mit der Maus wird Erklärung und freundliche Pädagogik assoziiert. Diesen Gedanken könnte man auch für kluge und witzige Erwachsenen-Unterhaltung übernehmen. Der ARD aber dient die "Maus" vor allem als Legitimation zur Infantilisierung des Publikums via Quiz-Show. Daneben wird von Horschhausen "Das fantastische Quiz vom Körper und Menschen" moderieren.

Hübsch, wenn das auch noch ein bekannter Glücks-Onkel befördert. Dabei ist Show-Master gar nicht so einfach. Aber vielleicht wächst ja nicht nur die Leber mit ihren Aufgaben. Möglicherweise muss auch nur jemand Eckart von Hirschhausen erklären, dass Glück nicht darin besteht, jeden Job anzunehmen, den das Fernsehen einem bieten.

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

ARD setzt auf Moderatoren-Vielfalt Nach dem Wechsel von Jörg Pilawa zum ZDF setzt die ARD bei ihren Unterhaltungsshows auf verschiedene Moderatoren. Die beiden Shows zum 60. ARD-Jubiläum am 15. und 17. April wird Reinhold Beckmann präsentieren. Frank Plasberg moderiert im Herbst an drei Abenden "Das Quiz der Deutschen". Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar führt durch zwei Shows zum Thema "Populäre Irrtümer". Eckart von Hirschhausen moderiert die bisherige Pilawa-Samstagabendshow "Frag doch mal die Maus" sowie "Das fantastische Quiz vom Körper und Menschen". "Morgenmagazin"-Moderator Sven Lorig soll die "Große ARD-Weltreise" präsentieren, die im Sommer an zwei Abenden zu sehen sein wird.

Von Bernd Gäbler
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
bR4iNST0RM (11.02.2010, 11:12 Uhr)
Muss man nicht mögen, kann man aber!
Ich habe mir sein Programm angeschaut und bin der Meinung: dumm ist das nicht! Seine Art und Weise muss man nicht mögen, aber er ist sehr Gebildet und kann, und das ist selten, kompliziertes einfach ausdrücken.
Dass diese Art Humor nicht für jedermann etwas ist, da er ein gewisses Mitdenken erfordert und nicht einfach nur plumpe Pointe und flache Attitüden zum Besten gibt, kann man in der heutigen Zeit, die von Komikern wie Mario Barth oder diesem Pocher dominiert wird, durchaus nachvollziehen. Denken ist eine der schwersten Arbeiten, das ist wohl auch der Grund, warum es vielen erspart bleibt.
Ein Kritikpunkt ist, dass er es mit seiner Präsenz übertreibt. Er wiederholt sein Programm zu häufig, selbst bei Interviews bedient er sich an seine Programm, dadurch wirkt es schnell etwas staubig. Allen voran sollte man aber auch seine Leistungen fernab der Bühne beachten, denn er engagiert sich in vielerlei Hinsicht Gemeinnützig, und das ist sehr lobenswert!
ailiea (11.02.2010, 10:41 Uhr)
ich find den gut
er mag nicht der beste Moderator sein, weil er dafür zu unlocker ist, aber das heisst ja nicht gleich, dass alles, was er macht schlecht ist. Ich find das "Glücks"buch toll.
vombromsberg (11.02.2010, 10:04 Uhr)
mich nervt der.....
.......
arniston (11.02.2010, 04:57 Uhr)
bei der mutter ?
man hat den eindruck der oberflächlichkeit,
zumal jeder profi ihn in die tasche steckt.
lachen kann man eigentlich nur über ihn,
wohnt er eigentlich noch bei der mutter ?
siwijan (11.02.2010, 00:33 Uhr)
Der Glücks-Keks
Ich empfinde diesen Kollegen als zutiefst lästig und kann mir darüber hinaus nicht vorstellen, daß auch nur EIN Mensch mit Alkoholproblemen sein Buch in die Hand nehmen würde. Wenn mein Gefühl mich aber nicht täuscht, werden wir seine impertinente Allgegenwärtigkeit nicht mehr lange hinnehmen müssen!
bali (10.02.2010, 23:37 Uhr)
@Anne 60
Toll, Sie haben genau das geschrieben, was ich auch über Herrn von H. denke. In jeder Buchhandlung biegen sich die Tische unter seinen unsäglich hohlen Glücksbüchern,-karten etc. und der Höhepunkt des Schwachsinns ist wirklich diese Glücksbox! In fast jeder Zeitung/Zeitschrift hat er seine Kolumne, manchmal denke ich, der Mann hat mehrere Klone.
Die Omnipräsenz im TV ist ja jetzt schon unerträglich.
Wenn v.H. wirklich so klug wäre, würde er den letzten Satz der sehr treffenden Artikels endlich beherzigen.
Er verbraucht sich so schnell, dass ihn in einem Jahr wirklich KEINER mehr sehen kann!!!
Anne60 (10.02.2010, 19:26 Uhr)
Nervensäge!
Endlich mal ein Bericht, der das ausdrückt, was ich schon lange denke:
Der Mann ist längst nicht so witzig oder interessant oder lustig oder...
wie es sein Dauergrinsen und seine vielen Auftritte überall vermuten lassen würden. Mich nervt er schon lange, denn er ist so wenig witzig, dass er sich auch ständig überall wiederholt, weil er alles auswendig gelernt daher sagt! Spontan ist da gar nichts. Wäre er doch lieber Arzt geblieben - dann hätte ich nicht ständig wegzappen müssen!
dido09 (10.02.2010, 18:12 Uhr)
Ein wirklich kluger Mann
Der wird nicht so schnell langweilig.
tannebaum (10.02.2010, 17:17 Uhr)
nur weiter so...
...in einem jahr können wir das viele glück dann definitiv nicht mehr ertragen.
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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