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2. Dezember 2008, 15:30 Uhr
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Ein Großwildjäger, der das Maul aufreißt

MacGyvers und TV-Wahnsinn hat Michael Mittermeier in seiner 20-jährigen Comedy-Karriere gerne im Visier. Als Safari-Fan erlegt er verbal politisches Großwild. Jetzt stellt er sein neues Programm im Fernsehen vor. Im stern.de-Interview ballert er gegen Merkel, CSU-Debakel und spricht über soziales Engagement.

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Comedian Michael Mittermeier betätigt sich in seinem neuen Programm "Safari" als Großwildjäger© Jörg Carstensen/DPA

Sie sind Anfang des Jahres Vater geworden. Haben Sie den gerade sehr angesagten Vaterschaftsurlaub eingelegt?

Ich wollte zwei Monate daheim bleiben, aber das Kind kam spät, so waren es sechs Wochen nach der Geburt. Ich gehe generell weniger und kürzer auf Tour, länger als vier Tage bin ich nicht weg von zu Hause. Ich kann die Wickeltasche selbstständig packen. Gut, da hat es eine Anleitung von meiner Frau gegeben, wir Männer sind da nicht die Wickel-MacGyvers. Ich mag nicht in zehn Jahren sagen, 'ich musste touren Kind, damit du es besser hast.' Schauspieler sagen gerne, 'ich habe viel falsch gemacht'. Und dann werden sie mit 60 noch mal Vater, weil sie nachholen wollen, was sie versäumt haben. Das habe ich nicht vor. Es ist eine Chance, die Welt mit komplett neuen Augen zu entdecken.

Und was entdecken Sie? Viel Neues. Ich führe keine großen Kinderinterviews, ich werde mir das jetzt alles anschauen und dann werde ich berichten. Wir bekommen keine Details über Michael Mittermeier auf dem Spielplatz? Nein, noch nicht.

Schade.

"Safari" ist mein schönstes Programm, ein stimmiger und geschlossener Reisekosmos, indem sich der Comedian auf Tour und der Mensch Mittermeier in Afrika oder Burma miteinander kreuzen. Da klatsche ich keine zehn Kindernummern rein und mache es kaputt. So ein Programm ist wie ein Film, ich habe einen Anfang, es gibt Running gags und eine Handlung, am Schluss steht das Finale. Das Kinderthema kommt irgendwann mal dran.

Wo sehen Sie die Weiterentwicklung zu den vorherigen Programmen "Back to life" und "Paranoid"?

Es klingt an vielen Stellen locker leichtfüßig, ich hample nicht nur, sondern erzähle auch. Man kann sofort ablachen, wenn man das Programm live sieht, aber es steckt viel schwarzer Humor in den Worten, den man erst nach drei, vier Mal Anhören entdeckt. Ich bin ein Grenzgänger zwischen Comedy und Kabarett und mag Slapstick, Blödelei genauso wie die harte Politnummer. Die Klimawandel-Nummer zum Beispiel - Absurditäten, die einen Wahrheitsgehalt haben: Der Meeresspiegel steigt - die Malediven gucken jetzt nach neuen Inseln. Man muss sich das mal reinziehen, das ist wahr, die wissen, in hundert Jahren wird es sie nicht mehr geben. Der Staatschef sucht nach Land, um seine Leute umzusiedeln. Wenn du das vor zehn Jahren auf der Bühne gemacht hättest, hätten alle gesagt, 'geile Nummer' - aber das ist Realität, das kannst du nicht mehr toppen. Diese Mischung aus globalen Themen, ein bisschen Politik, ein bisschen Reiseerzählung - ich glaube, die Leute nehmen dabei viel mit.

Ihr Programm dient sozusagen der Horizonterweiterung. Ja. Es sind aber keine Bildungsfilme. Ich bin in erster Linie Unterhalter, kein Dokumentarfilmer, kein Weltverbesserer und kein Politiker. Ich will die Leute intelligent unterhalten. Deswegen haben wir auf die dritte DVD alle Filme, die meine Frau und ich kommentieren, draufgepackt - wie wir den Kilimandscharo bestiegen haben, wie wir das Massai-Dorf besucht haben, in dem sie mit Spendengeldern eine Schule gebaut haben. Es bringt die Leute ins Land hinein. Frag mal hundert Deutsche, wo der Kilimandscharo liegt, dann sagen sie Nairobi oder Kenia. Bildungsfernsehen und eine Art persönliches Reisetagebuch also? Ja, irgendwo ja, aber es ist amüsant, mal Satire, auch mal nur Ernst, es gibt Bilder von Nashorn, Löwe, Elefant, zu denen ich satirische Texte lese, es gibt einen Beitrag, wie ich mit Hai tauchen war... ...Mittermeiers bunte Tierwelt... Ich bin ein Reisender, kein Comedian, der auf Reise geht. Ich liebe die Länder, in die ich reise. Ich will darüber erzählen, auch mal lustig, mal schräg. Mein Begehr ist nicht, das blöd zu machen. Es ist sehr echt und real. Klingt ein bisschen nach Diashow... Nein, gar nicht. Ich bin großer Verehrer von Peter Jackson, dem Regisseur von "Herr der Ringe". Er sagt, Bonusmaterial muss Premiummaterial sein. Ich habe immer mehr Bonusmaterial auf DVD gehabt als andere. Diesmal ist es so viel geworden, dass wir es auf drei Discs verteilen mussten. Sie engagieren sich für eine Myanmar-Stiftung und waren auch bei der Veranstaltung "Deine Stimme gegen Armut" von Herbert Grönemeyer in Heiligendamm dabei. Nach welchen Kriterien wählen Sie ihr soziales Engagement aus? Jeder sucht sich was. Ich kann aber auch nicht alles machen, ich bin kein Gutmensch. Jeder Sozialarbeiter, der in den Kongo geht, oder jemand, der bei der Caritas jeden Samstag umsonst arbeitet, tut aktiv mehr als ich. Aber ich kann das Maul aufreißen und Leute aktivieren, die Geld spenden. Das ist mein Job. Das ist auch das, was Bob (Geldorf, Anm.d.Red.) immer sagt: Wir rütteln auf, wir machen Druck auf die Politiker. Damit die Sachen, die in Heiligendamm ausgehandelt wurden, umgesetzt werden. Wenn wir die Themen hochhalten und viele tausend Jugendliche sich für Afrika interessieren, dann hat Frau Merkel Druck.

"Safari" auf DVD und im Fernsehen

"Safari" auf DVD und im Fernsehen Das neue Programm von Michael Mittermeier heißt "Safari". Mittermeier tourt damit gerade durch Deutschland. Es ist jetzt auch auf DVD erhältlich, mit zahlreichem Bonusmaterial umfasst das Paket drei Discs.
Am 2. und 9. Dezember ist Mittermeier mit "Safari" jeweils um 20.15 Uhr auf ProSieben zu sehen.

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
Necros (02.12.2008, 23:10 Uhr)
Humor ist...
... noch individueller als Musikgeschmack, also lasst doch einfach die Hetzarien im Schrank. Mir gefällt er auch nicht (selbst Monty Python würde ich mit andauerndem Grimassenschnieden und Hampelei nicht mögen), aber ab und an schneidet er sogar mal ein wichtiges Thema an und die eine oder andere Pointe verdient es sogar, gehört zu werden. Einigen wir uns doch einfach darauf, dass Mario Barth erbärmlich ist... :-)
master_of_chaos (02.12.2008, 22:59 Uhr)
dämlich...
finde ich, dass das Programm WÄHREND der Tour schon auf DVD und auf ... uaaahhhh.. Pro 7 verwurstet wird.
Wer bitte schaut sich dann noch die Show an, wenn er´s im Fernsehen sehen konnte? Wohl die wenigsten.
Ich aber nicht mehr.
BreadMan (02.12.2008, 22:56 Uhr)
Das schöne...
...am Michael ist seine Wandlungsfähigkeit. Der kann Unterschichtenfernsehen, aber der kann auch anders. Ich mag ihn sehr, weil er eben genau den Grat zwischen Comedy und Kabarett entlangwandeln kann, mit gezielten Ausflügen in beide Lager. Das deutet doch darauf hin, dass hier kein Mario Barth am Werk ist, den ich grenzenlos abartig finde. Es muss auch einen Grund geben, warum Mittermeier bei "Neues aus der Anstalt" auftreten kann, wo man einen Mario Barth wohl nie sehen wird. Da war Mittermeier letzte Woche und da gehört er auch hin, würde mir viel mehr von ihm im kabarettistischen Lager wünschen. Das Unterschichten-Comedy-Programm hat zumindest den Vorteil, ab und zu mal einen echten Diamanten hervorzubringen. Einer davon ist Mittermeier, der -so auch im Interview zu erkennen- ne ganze Menge mehr auf der Pfanne hat, als blöde Grimassen zu schneiden.
deholgi (02.12.2008, 22:02 Uhr)
@forentrolle
Das ihr die Gags von Michael nicht versteht, wundert mich überhaupt nicht. Denn dazu braucht es Intelligenz. Und Unterschichtenfernsehen: Das war seit langem mal wieder ein Highlight im Werbefernsehen.
-
Holgi
fenzel (02.12.2008, 19:56 Uhr)
Lustig?
Mittermeier und lustig?
Da geh ich lieber auf ne Beerdigung, dort ist's lustiger.
DasBertl (02.12.2008, 17:28 Uhr)
Wer es nicht versteht
muss es sich ja nicht ansehen. Das das "Unterschichtenfernsehen" wohl mittlerweile jeden Sender einschließlich PayTV betreffen müsste, da dieser "Komiker" praktisch auf allen Sendern, öffentlich rechtliche, wie Private, wie auf einzelnen PayTV-Kanälen zu sehen war und ist, scheint dabei nicht grob aufzufallen. Na wer heut noch freiwillig fern sieht ist eh selbst schuld. Diese Spaßbremsen aus der Oberschicht sind eine Zumutung....
mit freundlichen Grüßen
Ein Mittelschichtler
vegefranz (02.12.2008, 15:57 Uhr)
diese "Komiker" aus dem Unterschichtenfernsehen sind eine Zumutung
diese "Komiker" aus dem Unterschichtenfernsehen sind eine Zumutung
Motte07 (02.12.2008, 15:49 Uhr)
21 Jahre auf Tour...
21 Jahre auf Tour und immer noch nicht lustig. Nur oberflächliche Grimassenschneiderei mit herausgeschrieenen Pointen. Geh und leg dich zum Barth...
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