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Kommentar

So macht's die "Tagesschau" den Lügenpresse-Hetzern recht

Der Fall bewegt ganz Deutschland. Doch als am Samstag die Freiburger Polizei im Mordfall Maria L. einen Verdächtigen präsentiert, schweigt die "Tagesschau" um 20 Uhr dazu. Die Begründung ist absurd - und leistet dem Vorwurf der Lügenpresse Vorschub.

Tageschau mit Thorsten Schröder

In der "Tagesschau" am Samstagabend um 20 Uhr mit Thorsten Schröder kam der Mordfall in Freiburg nicht vor.

Die Themen der 20-Uhr-"Tagesschau" am Samstagabend waren wichtig. Die ARD-Nachrichtensendung berichtete über Italien vor dem Referendum, über die geplatzte Übernahme von Aixtron oder über das Vorrücken des syrischen Militärs in Aleppo. Eine Meldung fehlte jedoch: die von der Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall der in getöteten Studentin Maria L.

Der Fall habe eher "regionale Bedeutung", zudem gelte bei dem noch minderjährigen Verdächtigen "der besondere Schutz von Jugendlichen", schrieb die in Hamburg ansässige Redaktion von ARD-Aktuell am späten Samstagabend in einem Facebook-Kommentar. Das ist völlig absurd. Sollte die Nachrichtenredaktion der wirklich zu dieser Einschätzung gekommen sein, hat sie ihren Job verfehlt.

Mordfälle in Freiburg beschäftigten ganz Deutschland

Der Fall der getöteten Studentin beschäftigt seit Wochen nicht nur die Medien im Süden der Republik, sondern ganz . Für diese Erkenntnis ist nicht mal journalistisches Gespür gefragt. Ein Blick ins Internet hätte genügt. Das "Hamburger Abendblatt", die "Berliner Zeitung", die "Lübecker Nachrichten" und selbst österreichische Medien hatten über den Fall berichtet.

Spätestens seitdem drei Wochen nach der Tötung von im nahe gelegenen Endingen eine weitere Frau vergewaltigt und getötet wurde, kennt den Fall die ganze Republik. Sogar "Aktenzeichen XY ungelöst" berichtete darüber, die Pressekonferenz zur Festnahme wurde live auf N24 und N-TV übertragen. Doch die "Tagesschau" nennt den Fall "regional" und verschweigt den Fahndungserfolg der Freiburger Polizei in ihrer 20-Uhr-Ausgabe.

Doch die Fehleinschätzung des ARD-Nachrichtenflaggschiffs ist nicht das Schlimmste. Viel verheerender ist die Wirkung, die das Verschweigen der Festnahme eines 17-jährigen Flüchtlings aus Afghanistan hat. Sie leistet den Hetzern Vorschub, die traditionelle Medien wie die "Tagesschau" unter den Generalverdacht der stellen. Deren Version: Die "Tagesschau" verschwieg die Festnahme, weil es sich um einen Flüchtling handelte.

Begründung schwer nachvollziehbar

Leider vermögen die bislang gelieferten Begründungen der Redaktion den Vorwurf in keiner Weise zu entkräften. Auch das Argument, die "Tagesschau" habe deshalb auf einen Bericht verzichtet, weil es sich um einen Minderjährigen handele, zieht nicht. Denn der Schutz bezieht sich doch auf eine Einzelperson, deren Identität aber weder die Polizei, noch irgendein anderes Medium preisgegeben hat. Wer soll also geschützt werden? Alle 17-Jährigen in Deutschland?

Ob es Unvermögen der Redaktion oder ein falsch verstandenes Verständnis von Täterschutz war: So oder so ist das Verschweigen eine der wichtigsten Nachrichten des Tages eine Fehlleistung der "Tagesschau". Sie setzt sich damit dem Vorwurf der Lügenpresse aus.


Hinweis des Autors: In einer früheren Version endete dieser Kommentar mit dem Satz: "Und dieses Mal nicht ganz zu Unrecht." Dieser Satz ist missverständlich. In keiner Weise möchte ich mir den Vorwurf der Lügenpresse zu eigen machen.

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