Drei Gänge ohne Tricks. Speisen, die von allein garen. Zeit für die Gäste. Wäre das nicht schön? Wäre, wieso wäre? Das wird schön! Mit den stern-Rezepten für Pfingsten kann nichts schiefgehen. Von Bert Gamerschlag
Für andere zu kochen ist Transsubstantiation,
zu Deutsch: Man gibt
von sich an andere weiter, teilt sich
mit - und zwar wesentlich. Schön, wenn
das entspannt geschieht. Schrecklich, wenn
das schiefgeht, Hektik ausbricht. Ein gestresster
Koch verbreitet schlechte Laune.
Das ist dann immer noch Transsubstantiation,
nur negativ. Er sollte nichts anbieten,
was ihn bei Erscheinen der Gäste noch aus
der Bahn wirft. Alles muss fertig sein, allenfalls
darf noch kombiniert werden. Was
alles nur eine Frage der Planung ist.
Das Herzstück unseres Relax-Menüs ist
ein preiswert-langsam-zarter Braten - die
Kalbsbrust. Weil wir sie nicht füllen, brauchen
wir für ihre Zubereitung keinerlei Geschick.
Aber: Wir müssen sie beim Metzger
vorbestellen, telefonisch. Drei bis vier Kilo
sättigen zwölf Gäste. Preis: rund 40 Euro
(zum Vergleich: Drei Kilo Rinderfilet kosten
100 Euro). Das Garen im Ofen dauert
gemächliche drei bis vier Stunden bei linden
120 Grad. Währenddessen kann man endlich
der gelassene Gastgeber sein, der man
immer schon gern gewesen wäre.
Weil wir schlau sind, haben wir die Vorspeise
schon am Vortag zubereitet. Es handelt
sich um einen Selbstläufer, der selbst
dann gelingt, wenn man zehn Daumen an
den Händen hat - einen leckeren Pflaumen-Hackbraten.
Für 12-14 Scheiben 2 dicke Scheiben altbackenes Weißbrot; 300
ml Milch; 1-2 EL weiche Butter; 2-3 EL frische
Semmelbrösel; 180 g magerer Räucherspeck
(gewürfelt); 1 Zwiebel (fein gewürfelt);
300 g Schweinemett; 4 Stiele Petersilie
(gehackt); 2 EL Schnittlauchröllchen; 1 Ei; Salz;
Pfeffer; 175 g Mehl; 350 g entsteinte Backpflaumen
(am besten pruneaux mi-cuits,
siehe Bestellkasten). Außerdem: Alufolie,
1 Kastenform (ca. 1,25 l bzw. 25 x 10 cm)
1. Brot würfeln, in Milch einweichen. Die
Form buttern, mit Bröseln ausstreuen. 2. Speckwürfel in eine Pfanne geben und
bei mittlerer Hitze auslassen. Zwiebelwürfel
dazugeben und bei milder Hitze 15 Minuten
unter Rühren dünsten. 3. Mett, Kräuter, Ei und Speck-Zwiebel-
Mischung zu den Brotwürfeln geben, mit
1 TL Salz und herzhaft mit Pfeffer würzen.
Alles gut mischen, dann das Mehl nach
und nach unterarbeiten. Den Backofen auf
180 Grad vorheizen. 4. Die Hälfte des Teiges in die Form füllen,
darauf gleichmäßig Pflaumen verteilen,
den restlichen Teig einfüllen, die verbliebenen
Pflaumen eindrücken und den Teig
glatt streichen. Alufolie mit Butter bestreichen
und die Form damit abdecken. Den
Kuchen in der 2. Einschubebene von unten
30 Minuten backen. Die Folie entfernen
und weitere 45 bis 50 Minuten backen, bis
der Teig leicht gebräunt ist oder ein eingestochener
Holzspieß ohne Anhaftungen
herausgezogen werden kann. 5. Den Pflaumen-Hackbraten auf ein Gitter
stürzen, leicht abkühlen lassen, in 1 cm
dicke Scheiben schneiden und servieren. Tipp: Der Pflaumen-Hackbraten lässt sich
auch sehr gut zimmerkalt essen.
Der Hackbraten schmeckt bombig. Weil
er gehaltvoll ist, reichen ein bis zwei Scheiben
pro Nase. Begleitet von der Frische
eines Blattsalats mit Zitronenvinaigrette ist
diese Vorspeise aber locker wegzustecken.
Für 6-8 Portionen3 EL Zitronensaft; Salz; schwarzer
Pfeffer aus der Mühle; 1 1⁄2 TL Ahornsirup;
1-2 Schalotten (sehr fein gewürfelt);
1 EL Pflaumenkernöl; 12 EL bestes Olivenöl;
Blattsalat der Saison 1. Salat waschen und trocken schleudern. 2. Zitronensaft, 1-1,5 TL Salz, Pfeffer,
Ahornsirup und Schalottenwürfel in ein
Schraubglas (z. B. ein Marmeladenglas)
füllen und schütteln. Beide Ölsorten dazugießen,
nochmals schütteln und herzhaft
abschmecken. Den Salat damit anmachen. Tipp: Pflaumenkernöl erinnert an Marzipan,
denn die Pflaume ist mit der Mandel
verwandt. Wer es einmal verwendet hat,
will nie mehr ohne sein. Leider findet
man es nur selten, etwa bei www.buy-box.com. Die Vinaigrette ist aber auch nur mit
Olivenöl gut, jedoch nicht ganz so raffiniert.
Bequembolde bestellen das Öl (deutlich
preiswerter) zusammen mit anderen wesentlichen
Zutaten zu diesem Menü (siehe
Abschnitt am Ende). Dann ist auch gleich der
bestmögliche Wein dabei. 99 Euro frei
Haus, und alles Suchen hat ein Ende.
Selbst trübe Zeiten hellen sich erstaunlich
rasch auf, wenn man seinen Gästen
Champagner und ein wenig Stopfleber
gönnt (auch die Leber ist im Bestellpaket).
Das ist politisch nicht korrekt, schmeckt
aber auf eine nicht wegzudiskutierende Art
umwerfend. Darum noch vor dem ersten
Gang des Hackbratens etwas
Entenleber auf Toast.
Für 6-8 Portionen3-4 Scheiben Weizentoastbrot (wer kann,
greift zu Brioche); 1 Dose Enten- oder Gänsestopfleber;
halbierte Trauben o. ä. als Garnitur 1. Die Stopfleberkonserve im Kühlschrank
vorkühlen, so schneidet sie sich leichter.
20 Minuten vorm Servieren herausnehmen,
Boden und Deckel mit dem Dosenöffner
entfernen. Den Inhalt von einer
Seite herausdrücken und in nicht zu dünne
Scheiben schneiden - zwei pro Gast
genügen. 2. Das Brot eher dünn als dick schneiden
und zweimal schwach toasten, dadurch
erhält es eine zartgoldene Bräune. Mit der
leeren Stopfleberdose Kreise ausstechen
und die Leberscheiben darauflegen. Mit
den halben Trauben garnieren. Tipp: Der Klassiker zur Stopfleber ist ein
Gläschen Süßwein. Ein Sauternes muss es
nicht sein. Gute Weingeschäfte führen
auch den Nachbarn Monbazillac, der erschwinglicher
ist. Für den deutschen Geschmack
noch besser und abermals erschwinglicher
ist eine Riesling Beerenauslese.
Portwein tut es auch, den man ohnehin
für die Sauce zur Kalbsbrust braucht.
Derweil man die Gäste verwöhnt,
schmort im Ofen die Kalbsbrust. Das tut
sie bei 120 Grad, und zwar seit Stunden.
Sie mosert nicht, denn diese Ofentemperatur
ist kaum höher als die einer Sauna.
Kalbs-Wellness pur! Die Sauce hat man
schon am Vormittag reduziert, was im
Grunde wie von selbst geschieht, solange
man ein Auge auf den Prozess wirft.
Für 8-10 PortionenBraten: 1-2 Biozitronen; 1⁄2 EL grobes Salz;
2 EL Rosmarinnadeln, gehackt; 1 TL Pfeffer,
geschrotet; 1-2 Knoblauchzehen, gehackt;
2 EL Senf; 2 EL Olivenöl; 3 kg Kalbsbrust (ohne
Knochen) - beim Metzger vorbestellen Gemüse: je 1 kg festkochende Kartoffeln und
Rote Bete; Salz; 2 EL Zitronensaft; 2 EL Olivenöl;
schwarzer Pfeffer; 1-2 EL Majoran Sauce: 0,5 l Rotwein; 0,3 l Portwein (Ruby);
1-2 Knoblauchzehen, 2-3 cm Biozitronenschale;
1/2 Peperoni; 2 Lorbeerblätter;
4-5 Gewürznelken; 1,2 l Kalbsfond (Glas) Außerdem: eine große Plastiktüte (vom
Schlachter mitgeben lassen), Alufolie 1. Zitronenschale dünn von der Frucht
schneiden und hacken. Frucht auspressen.
2 EL Saft mit Salz, Rosmarin, Pfeffer,
Knoblauch, Senf und Olivenöl verrühren.
Das Fleisch damit einreiben, in eine Plastiktüte
legen, verschließen und 1 bis 3 Tage
im Kühlschrank marinieren. 2. Kartoffeln und Rote Bete getrennt halb
gar kochen, abkühlen lassen, pellen und in
Spalten oder Würfel schneiden, in einer
Schüssel mit Zitronensaft und Olivenöl
mischen, salzen und beiseitestellen. 3. Für die Sauce sämtliche Zutaten - mit
Ausnahme des Kalbsfonds - aufkochen
und bei mäßiger Hitze um die Hälfte reduzieren
(immer mal vorbeischauen, aber
nicht einschlafen oder gar weggehen).
Kalbsfond dazugeben, aufkochen und wieder
um die Hälfte reduzieren, das kann 3
bis 4 Stunden bei ganz milder Hitze köcheln.
Am Ende hat man etwa 1 Liter. 4. Den Backofen auf 120 Grad vorheizen.
Das Fleisch aus dem Plastikbeutel nehmen,
die Gewürzzutaten nicht abstreifen, auf
den Rost legen und in die zweite Einschub Einschubebene
von unten schieben. Die Saftpfanne
mit etwa 125 ml Wasser auf den Backofenboden
stellen. 5. Kartoffeln und Rote Bete nach 2 1⁄2 Stunden
Bratzeit in die Saftpfanne unter dem
Braten geben, mit dem Sud, der sich dort
gebildet hat, gut mischen und ausbreiten. 6. Nach 3 Stunden den Braten aus dem
Ofen nehmen, mit Folie abdecken und
warm halten. 7. Ofen auf 190 Grad hochschalten und das
Gemüse unter gelegentlichem Wenden 20
bis 30 Minuten rösten. Die Sauce aufkochen,
mit etwas kalt angerührter Kartoffelstärke
binden und mit Salz, Pfeffer und
Zitrone abschmecken. 8. Den Braten in Scheiben schneiden, das
Gemüse mit Majoran und Pfeffer mischen
und daneben anrichten. Die Sauce getrennt
dazu reichen. Tipp: Die Kalbsbrust sieht zunächst gespenstisch
blass aus. Auch möchte man den 120
Grad nicht trauen. Vertrauen Sie! Mit der
Zeit wird der Braten golden knusprig, zur
Not am Ende kurz den Grill einschalten.
Und nun: ans Werk!
Wichtige Zutaten für das stern-Menü
können Sie bestellen: drei Flaschen
Rotwein in bester Qualität vom Biogut
Mouthes le Bihan aus dem schönen Dorf
Soumensac, 250 ml Pflaumenkernöl,
200 g Entenstopfleber und 500 g Pflaumen
mi-cuits. Preis: 99 Euro frei Haus. Tel.:
0180/506 20.00*; Fax: 0180/508 20.00*
Online: www.sternwebshop.de
E-Mail: service@guj.com
Post: stern-Versandservice,
Werner-Haas-Straße 5, 74172 Neckarsulm
*14 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz,
Mobilfunkpreise können abweichen
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