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30. April 2009, 15:43 Uhr

Heidis kopiertes Erfolgsrezept

Mehrere Millionen Zuschauer verfolgen jeden Donnerstag die Klum'sche Topmodelsuche. Ja, auch Männer. Das liegt nicht nur an den knapp betoppten Mädchen. Von der Kreisliga in die Champions League - Klum hat sich ihr Erfolgsrezept beim Sport abgekupfert. Von Johannes Gernert

Fußball und Formel 1 mit High Heels: Der Eventcharakter ist das Erfolgsrezept von "Germany's Next Topmodel"© Jörg Carstensen/DPA

Von Fußball habe sie so viel Ahnung wie die meisten Männer vom Modeln, soll Heidi Klum mal gesagt haben. Schwer zu glauben. Denn für ihre Topmodelsuche verwendet sie Grundprinzipien von Deutschlands populärsten Sportarten: Fußball und Motorsport. Der Laufsteg wird wahlweise zu Rasen oder Rennpiste. Mindestens bei den Autowettkämpfen verfügt sie über Kompetenz aus erster Hand: Schließlich gilt niemand anders als Flavio Briatore, Italiens bekanntester und erfolgreichster Formel-1-Manager, als Vater ihrer Tochter Leni. Was also sind genau sind die Zutaten, aus denen Heidi Klum ihre Model-Melange rührt?

Regel Nummer eins:

Noch das nebensächlichste Niesen wird zum TV-Tornado, wenn genug Kameras rumstehen, in die möglichst viele Menschen ihre Kommentare hineinsprechen. Je mehr man darüber redet, desto wichtiger erscheint die Sache. Völlig egal, ob es eigentlich was zu sagen gäbe. Das ist längst auch zur goldenen Dokufernseh-Regel geworden und bei sämtlichen Rachs, Zwegats, Saalfranks und Bohlens dieser TV-Welt zu beobachten.

Etwa: "Ich geh' mit null Erwartungen rein." Danach dann: "Da fühlt man sich echt Hammer." Oder auch: "Ich bin grad n'bisschen überwältigt, ich bin froh. Ich kann jetzt endlich aufs Klo gehen." Wie die Fußballstars stehen die Bewerberinnen gut ausgeleuchtet in irgendwelchen Katakomben oder neben den Laufstegen. Und schauen oft ähnlich belämmert. Vielleicht ahnen sie schon, dass der Hauptgewinn für die schrumpfende Topmodel-Auswahl dem brutalem Bundesligaalltag gleicht: Knebelverträge mit einer Spießerklamottenkette, begrenzte Transfermöglichkeiten und ständige Abstiegsgefahr. Dazu ein knallharter Spielerberater namens Günther. Wenn die Vor- und Nachberichterstattung stimmt, wirkt das Ganze trotzdem irgendwie Weltklasse. Echt Gucci.

Regel Nummer zwei:

Ein innovativer Umgang mit den Regeln erhöht die Spielattraktivität. Elfmeterschießen oder Golden Goal, passives oder aktives Abseits? Bild oder keins? Das Schiedsrichter-Trio (Heidi, Rolf und Peyman) ist dabei völlig unabhängig und muss sich für seine Entscheidungen weder vor FIFA, noch vor FIA, und auch nicht vor der WMA (World Model Association), sondern maximal vor der "Bild"-Zeitung verantworten, die in den Anfängen die Hungermodelmaße kritisiert hat. Alles ganz unbürokratisch, da ist man den Fußballvorbildern sogar voraus.

Mitunter geht es bei "GnTM" deshalb etwas härter zu. Nicht jedes Foul wird sofort geahndet. Manchmal fördert Hauptschiri Heidi kleinere Unsportlichkeiten gezielt mit überraschenden Einwechslungen. Sie ist ja Schiedsrichterin, Trainerin, Managerin und Spielersuperstar in einem. In der Nachbarliga "Austrias Next Topmodel" hat sie kurz nach Saisonbeginn beispielsweise den Neuzugang Larissa gekauft, die bei ihren wenig filigranen Alleingängen den Gegnerinnen so oft auf die Pumps getreten ist, bis die mit Psycho-Blutgrätschen reagierten. Larissa wurde im Mannschaftshotel isoliert.

In den wirklich heiklen Momenten verlassen sich die Schiedsrichter aber auf die fortschrittliche Technik des Videobeweises. So war das beispielsweise, als die Kandidatin Tessa einem Fotografen heulend den Mittelfinger gezeigt hat. Nach einer eingehenden Analyse der Szene gab es dafür sofort die Rote Karte.

Grundregel Nummer drei heißt trotzdem:

Vollgas geben. Das wird von Heidi Klum ständig wiederholt und gilt für Formatgestalter und Models gleichermaßen. Ein Erfolgsprinzip, mit dem es auch Michael Schuhmacher einmal weit gebracht hat. Sein Schicksal beweist: Wer viel Vollgas gibt, ist irgendwann echt Hammer. Also vielleicht auch reif für C&A und die langfristige Knebelvertragsbindung. Zu viel Vollgas allerdings katapultiert einen mit Karacho aus der Spur. Das hat die etwas forsche Pilotin Tessa mit ihrer Raserei gezeigt.

Grundregel Nummer vier:

Spannung durch K.O. Während Dutzender Mini-Events warten die Zuschauer auf die Endabrechnung und die existenzielle Frage: Wer fliegt raus? Da ist "GnTM" härter als die Champions-League, eine permanente K.O.-Runde, der Druck ist enorm. Um es mit Co-Schiri-Scheider zu sagen: "Das ist eine so große Herausforderung, dass kann man sich als Normalperson überhaupt gar nicht vorstellen." Man kann es sich als Normalperson immerhin anschauen. Glücklicherweise hält ProSieben ja die Rechte, nicht Premiere.

Von Johannes Gernert
 
 
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