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"Prince of Persia"-Produzent Jerry Bruckheimer: Das Erfolgsrezept des Königs von Hollywood

Jerry Bruckheimer ist der erfolgreichste Produzent Hollywoods. Mit "Prince of Persia - Der Sand der Zeit" präsentiert der 64-Jährige eine intelligente Fusion von Videospiel und Kino. stern.de hat er das Geheimnis seines Erfolges verraten - und sein Fitnessprogramm.

Von Sophie Albers

Okay, Mister Bruckheimer, was ist das Geheimnis eines guten Films?
Ich verrate es Ihnen, es ist ein gutes Drehbuch, die Kunst eine Geschichte gut zu erzählen. Es geht immer nur um die Charaktere, die Themen, die Storyline. Um nichts anderes. Wenn man ein gutes Drehbuch hat, sind die Chancen groß, dass auch der Film gut wird.

Das reicht nicht. Sie müssen doch irgendein Wissen haben, das anderen fehlt ...


Ich arbeite mit talentierten Leuten zusammen. Ich glaube, das ist es: Talente finden.

Die "Washington Post" nannte Sie den "man with the golden gut" (in etwa: der Mann mit dem goldenen Bauchgefühl) ...


Da bin ich mir nicht so sicher.

Wie funktioniert es denn? Sie lesen ein Skript und dann ...


Nein, wir entwickeln es immer weiter. Es dauert Jahre, bis alles stimmt. An "Prince of Persia" haben wir sechs Jahre gearbeitet! Es dauert wirklich seine Zeit. Deshalb mache ich auch Fernsehen, weil es so schnell ist (schnippst mit den Fingern). Da hat man in sechs bis acht Monaten ein Ergebnis.

Das befriedigt schneller ...


Es ist auf jeden Fall schneller. Da kriegt man mehr fertig.

Das Markenzeichen Ihres Konzerns "Jerry Bruckheimer Films" ist ein Baum, der grünt, nachdem er vom Blitz getroffen wurde. Geht es um die geniale Idee, die einen wie ein Blitz trifft?
Es geht darum, wie eine Idee zu einem Film erblühen kann. Und sie kann überall herkommen. Du nimmst die Idee, baust sie aus, und sie wächst.

Was macht denn die Magie eines Films aus?


Ich weiß nicht, was die Magie ist.

Aber irgendetwas muss Ihnen doch sagen: Damit ist eine Menge Geld zu machen.


Wissen Sie, was es ist? Wenn Sie abends ausgehen und einen Film sehen wollen, und Sie informieren sich online, welcher Film es sein soll, dann treffen Sie Entscheidungen. Und warum nehmen Sie "Avatar" anstatt irgendeinen anderen Film, der an dem Wochenende gestartet ist? Weil er Sie neugierig macht. So ist es auch bei mir: Ich kriege diese ganzen Sachen zugeschickt, und ich wähle die aus, die selbst sofort sehen wollen würde.

Und das ist nach all den Jahren immer noch so?


Ja, so einfach ist das. Es ist das Gleiche, wenn Sie Ihren Fernseher einschalten ...

Und rumzappe ...


Sie treffen Entscheidungen darüber, was Sie sehen wollen.

Sie machen das aber schon verdammt lange. Wird es da nicht zur Routine?


Ich liebe es immer noch, ins Kino zu gehen. Ich gehe andauernd, weil ich wissen will, was gerade läuft.

Hatten Sie jemals das Gefühl, dass der Erfolg Sie lähmen könnte?
Ich denke nicht über den Erfolg eines Films nach, weil ich mich immer schon mit dem nächsten beschäftige. Was immer Erfolg bedeutet, es liegt in der Vergangenheit, und du kannst dich nicht um die Vergangenheit kümmern.

Müssen Sie sich dazu zwingen?


Nein, man lernt aus der Vergangenheit, das ist alles. Man guckt sich die Fehler an, damit man sie in Zukunft nicht noch einmal macht.

Machen Sie noch Fehler?


Natürlich, wir alle. Immer wieder.

Hatten Sie noch nie das Gefühl, sich zu wiederholen?


Nein. Es sind ja immer neue Leute. Es ist immer frisch und immer anders.

Aber Sie drehen auch Fortsetzungen.


Die sind noch viel schwieriger! Weil das Publikum die gleiche Erfahrung erwartet, die aber anders sein muss. Es sieht einfach aus, ist aber wirklich sehr kompliziert.

Wie gehen Sie mit Enttäuschungen um?


Puh, das ist hart. Ich warte auf die nächste. (lacht)

Und ernsthaft?
Das ist die Wahrheit. Ich verwende sehr viel Energie auf mein morgendliches Fitnessprogramm. Jeden Tag zwei Stunden. Da kann ich viel rauslassen.

Können Sie so richtig sauer werden?


Ich denke, wir alle können so richtig sauer werden.

Sind Sie eher leidenschaftlich oder kontrolliert?


Ich bin leidenschaftlich, aber ich bin kein Vulkan. Ich explodiere nicht. Ich bin eher ausgeglichen: nicht zu begeistert, aber auch nicht zu enttäuscht.

Jagen Sie nach dem perfekten Film?


Ich weiß nicht, ob ich den jemals drehen werde. Ich weiß nicht, ob es den überhaupt gibt.

Aber was finden Sie denn in einem fertigen Film? Oder driften die einfach so an Ihnen vorbei? Gibt es nicht einen Augenblick der Befriedigung?


Doch, den gibt es. Wenn man merkt, dass der Film beim Publikum ankommt. Wenn man das Leben anderer beeinflusst, und die sich für zwei Stunden besser fühlen. Das ist wunderschön, und deshalb mache ich das alles. Es geht mir nicht ums Geld. Davon haben ich schon genug gemacht.