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13. August 2008, 07:04 Uhr

Ein echtes Vorbild

Fabian Hambüchen - er war der Pechvogel des Turn-Mehrkampfes. Er griff am Reck daneben und verpasste die Krönung seiner bis dahin fabelhaften Leistung. Was hängen bleibt, ist aber etwas ganz anders: Hambüchen ist zu einem Vorbild gereift, zu einem Sportler, der vorangeht und der sich längst in die Galerie der deutschen Sportidole eingereiht hat. Von Jens Fischer, Peking

Längst kein "Floh" oder "Professor" mehr: Turner Fabian Hambüchen ist inzwischen zu einem deutschen Sportidol gereift© Frank Fife/AFP

Fabian Hambüchen ist 20 Jahre alt. Fabian Hambüchen ist Weltmeister am Reck. Aber vor allem ist Fabian Hambüchen ein Sportler, von dem wir in Deutschland nicht viele haben. Über seine sportlichen Leistungen braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Wenn er in Höchstform ist, turnt er die schwerste Reck-Übung der Welt. Und das in einer Sportart, die die Weltmacht China seit Jahrzehnten dominiert.

Hambüchen ist jetzt schon einzigartig. Und das nicht nur wegen seiner Auftritte in den Turnhallen in dieser Welt. Was ihn so besonders macht, ist sein unerschütterliches Selbstbewusstsein, seine Leadermentalität und sein eisenharter Wille, immer der Beste zu sein. Das macht ihn zu einem Sportler, von denen wir in Deutschland nicht mehr viele haben. So klein wie er ist, so groß ist sein Charisma.

Das hat er am Dienstag bewiesen. Im olympischen Mehrkampf hat er seine Mannschaft angeführt. In Peking, in einer Halle randvoll mit enthusiastischen Chinesen. In einem Land, wo Turnen Religion ist. Wo Tausende blutjunge Turner gedrillt, geschunden und systematisch zu einem großen Ziel geprügelt werden: dem Olympiasieg. Selbst hier, in der Höhle des Löwen, war Hambüchen noch ganz besonders.

Da macht es auch nichts aus, dass es am Reck diesmal nicht perfekt gelaufen ist. Dass er Schwäche gezeigt hat. Der enttäuschte Aufschrei von Tausenden Chinesen nach seinem Fehlgriff beweist: Hambüchen ist auch hier in Peking ein Held, sie mögen ihn. Er ist viel mehr als nur ein Gegner ihrer Turner.

Beeindruckend auch Hambüchens Reaktion nach dem nur vermeintlichen Desaster. "Ich bin auch nur ein Mensch", sprach er da in die vielen Mikrophone. Er wirkte unerschüttert, weiter von sich überzeugt und zeigte in diesem Moment auch seinen Mannschaftskollegen: Alles halb so wild, wir kämpfen weiter, ich werde alles für euch geben.

Hambüchen ist ein Gewinner. "Ich werde es auch allen noch zeigen" - dieser Satz bleibt hängen. Solche Aussagen kannte man von Boris Becker oder Steffi Graf. Michael Schumacher war so einer. Und jetzt hat Deutschland Hambüchen. Einen, der vorangeht. Spitznamen wie "Turn-Floh" oder "Turn-Professor" greifen nicht mehr. Er ist viel mehr. Hambüchen ist zum Sportidol geworden.

Von Jens Fischer, Peking
 
 
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