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23. Januar 2008, 10:45 Uhr

Hasch mich in Nordrhein-Westfalen

Weil Hasch-Hobbyzüchter in Holland immer rigider verfolgt werden, verlagert sich der Cannabisanbau nach Nordrhein-Westfalen. Um die Plantagen aufzuspüren zu können, bekommt die deutsche Polizei nun Nachhilfestunden von den niederländischen Kollegen. Von Albert Eikenaar

Immer mehr "Grüne Daumen" versuchen sich am verbotenen Cannabis-Anbau© Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge/DPA

Der junge Mann, der im bunten Sportanzug die Tür öffnet, sieht mit seinen zerzausten Haaren nicht nur erschrocken aus, sondern auch verschlafen. Vier Mann einer Rotterdamer Polizeieinheit haben ihn aus dem Bett geklingelt, morgens um 6 Uhr. Drei Polizisten stürmen sofort an ihm vorbei in die Wohnung. Der Vierte nimmt den Jungen mit zum Polizeibus. Dort werden erstmal seine Personalien registriert. Er kommt aus Polen, stellt sich heraus. Inzwischen durchsuchen die Kriminalbeamten das verwohnte Appartement, in dem der schmächtige Jüngling lebt.

Schon schnell werden sie fündig. Ein Zimmer und die Küche machen einen bewohnten Eindruck. Alle anderen Räume stehen bis zur Decke voll mit ein paar Tausend Hanfpflanzen. Überall liegen Reste von früheren Ernten: "Es geht um eine professionelle Anlage wie man sehen kann", erklärt einer der Fahnder. Der Pole hatte die Aufgabe, die Plantage zu versorgen. Er wird festgenommen, unter dem Verdacht der Drogenzucht. Verräterisch hoher Stromverbrauch An jenem Tag, vor ein paar Wochen, zog in Rotterdam ein Anti-Rauschgiftteam durch Stadtviertel, wo der durchschnittliche Energieverbrauch bei den Bewohnern in den letzten Monaten kräftig zugenommen hatte. Der Stromlieferant analysierte die Zahlen pro Wohnung und stellte fest, an welchen Orten ungefähr die Abnahme am stärksten gestiegen war. Der erhöhte Verbrauch verrät fast immer die Anwesenheit der starken Wärmelampen, die nötig sind, das Wachstum der Pflänzchen zu stimulieren. Tatsächlich war es so heiß in der armseligen Etagenwohnung, dass die Temperatur der Außenmauern bis auf 25 Grad Celsius kletterte. Normal ist ein Wert von noch nicht einmal 20 Grad Celsius. Das Soko-Team der Rotterdamer Polizei stoppt an diesem einen Tag die Produktion bei insgesamt elf von 15 angepeilten Adressen. Dort wurde "Nederwiet", die niederländische Haschisch-Variante, in großem Umfang gezüchtet.

Immer mehr kriminelle Banden machen damit einen Riesenprofit. Sie kontrollieren die ganze Kette, von der Zucht bis zum Verkauf an die Kunden in den Coffeeshops. In den Niederlanden wird der Genuss eines "Joints" traditionell schon jahrelang geduldet. Der Handel des "Wiets" ist jedoch verboten.

Haschanbau als Volkssport

Früher kam der Stoff aus dem die Träume sind aus Marokko, Afghanistan oder Indien. Aber der Schmuggel war mit hohen Kosten verbunden. Wenn die Polizei ein paar Tonnen beschlagnahmte, war der Schaden erheblich. Also begannen die niederländischen Hasch-Barone, die den Markt beherrschten, nach Alternativen zu suchen. Einerseits verführten sie willige Privatpersonen zur Cannabiszucht Zuhause. Drei Pflanzen darf man in Holland für den Eigenbedarf haben. Durch diese Nachfrage entwickelte sich explosionsartig eine weit verbreitete Hobby-Hasch-Kultur. Dass die Mühe sich lohnte, sprach sich schnell herum. Die Hobbyhascher nahmen es nicht so genau. Aus drei legalen "Geldbäumchen" wurden bald zehn oder 50 illegale. Und diese sorgten für extra Kohle. 66.000 Hauszüchter soll es geben. Wietanbau wurde zum Volkssport.

Andererseits steckten die Großhändler ihre Millionengewinne in Profiplantagen, wo sie bis zu 50.000 Pflanzen unter besten Bedingungen großzogen. Sie entwickelten das sogenannte "Nederwiet" - das schon bald massenhaft exportiert wurde. In kürzester Zeit entstand eine gewaltige "Nederwiet"-Industrie mit allem drum und dran wie Machtkämpfen zwischen verschiedenen Banden, Mord und Totschlag. Hunderte von Millionen Umsatz stehen dabei auf dem Spiel. Diese Wende zur totalen Kriminalisierung der Cannabisbranche, regte die Justiz an durchzugreifen. Sie versucht, die Verbrecherorganisationen mit allen Mitteln auszuschalten.

Das geschieht nun seit etwa einem Jahr. Die Erfolge werden spürbar. Die Zahl der "Freizeitzüchter" verringerte sich in Holland rapide. Und die Großplantagen, die in den Gewächshäusern und Gärtnereien versteckt waren, gibt es ebenfalls kaum noch. Die Haschsyndikate, die sowieso international operieren, verlegten ihre Aktivitäten vorläufig ins benachbarte, sichere Ausland, vor allem nach Deutschland. Dort können die Hanfbanden fast noch nach Belieben arbeiten. Deutsche Polizei und Justiz haben - heißt es - bisher keine Ahnung, dass die Region vom Niederrhein bis Aachen sich zu einer Cannabishochburg entwickelt. Allmählich schleichen stets mehr "Nederwietbauern" über die Grenze. Sie setzen die modernsten Hilfsmittel ein, wogegen die deutsche Kripo in Nordrhein-Westfalen noch nicht ankommt. Die deutsche Drogenfahndung sei gegen die Methoden der niederländischen Ganoven nicht richtig gewappnet, meint man in Holland. Dazu kommt, dass die hunderttausende deutschen "Kiffer" nicht mehr nach Heerlen, Roermond, Venlo, Nimwegen und Arnheim "über den Zaun" fahren müssen um ihren Stoff zu kaufen. Er wird um die Ecke frisch auf deutschem Boden angebaut, mit derselben Qualität, demselben starken Wirkstoff (THC, Tetrahydrocannabinol) und demselben Preis.

Holländische Hilfe für deutsche Polizei

Die deutsche Polizei versucht, den Vertrieb, die neuen Haschwege in den Griff zu bekommen. Bislang mit bescheidenem Erfolg. Die deutschen Spürnasen finden ab und zu Glashäuser, Betriebshallen und Bauernschuppen voller Hanfpflanzen, aber an die wirklichen Betreiber, die Hintermänner, kommen sie nicht 'ran. Wenn die Polizei eine Plantage bestürmt, ist meist nur der einsame "Wassergießer" da. Gemeint wird der Mann oder die Frau, die die Technologie der Beleuchtung, der Nährstoffvergabe und Bewässerung bedient. Alles hoch komplizierte kapitalintensive Hightech-Apparatur.

Inzwischen informieren niederländische Sachverständige ihre deutschen Kollegen über das wo und wie Profis Cannabis anbauen. "Erste Ergebnisse stehen zu Buche. Die Zahl der komplizierten Zuchtanlagen die wir hochnehmen, steigt. Dieses Jahr verzeichneten wir eine Verdoppelung", erklärt ein deutscher Kriminalbeamter, der nur anonym reagieren will.

Wegen der neuen Lage bündelten niederländische und deutsche Dienste ihre Kräfte. Sie gehen zusammen auf Hanfjagd. So unternehme man Flüge mit Hubschraubern, um Wietfelder zwischen Maisackern zu orten. "Das gelingt nicht, wenn man versucht, sie zu ebener Erde mit einem Auto zu finden", sagt ein Spezialist der Kripo in Limburg. "So bringen wir unseren deutschen Kollegen bei, welche Tricks die Haschproduzenten benutzen, zum Beispiel Wiet zwischen Tomaten anzubauen". Die niederländischen Ermittler haben für ihre Expertise Jahre gebraucht. Im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit teilt man jetzt die Erfahrungen. Der niederländischen Ermittler: "Heute spricht alle Welt noch über Nederwiet, Cannabis Sativa Neerlandica. Wir müssen jedoch verhindern, dass das nicht zu Cannabis Germanica, zu Deutschwiet wird".

Von Albert Eikenaar
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
max2006 (25.01.2008, 22:02 Uhr)
@alle
hier lesen:
http://www.prodrogen.de
unheilig (24.01.2008, 14:55 Uhr)
@CerberusDoe
warum hier kein nichtraucher schreibt?na die sind bestimmt alle zugekifft lölölölölölölöl
unheilig (24.01.2008, 14:52 Uhr)
tach
es gibt da noch ein unterschied zw alk und hasch,bei alk ist die 0,5 promille grenze,bei cannabis gibbet keinen festen wert,da muste sofort führerschein abgeben wenn einen geraucht hast.
Malt (24.01.2008, 11:16 Uhr)
@CerberusDoe
In was für Kreisen verkehren Sie denn? Nichts für ungut, aber ich kenn wenige Menschen, die nicht gelegentlich mal einen rauchen. Und ALLE haben einen Beruf und ein geregeltes Leben. Was sind DAS denn für Propagandasprüche?
Knuffiman (24.01.2008, 09:18 Uhr)
@ CerberusDoe - @Redaktion
hallo Redaktion, was ist bitte Wiet ?
Nur zur Info - WEED !
@ CerberusDoe wie wollen Sie denn bitte bei Gras passiv rauchen ? In welchen Kreisen bewegen Sie sich ? Das wird doch wohl nicht in der Kneipe an der Ecke oder gar in der Öffentlichkeit geraucht. Wieder so einer der Angst vorm Qualm propagiert und gar nicht in die Kneipe geht. OMG
TaraHamburg (24.01.2008, 06:50 Uhr)
@CerberusDoe
Weil man es nicht nur rauchen kann.
Man kann es auflösen und in Kakao oder Tee trinken, man kann Kuchen- Kekse oder Kräuterbutter draus machen.
Man kann sogar das reine Öl extrahieren.
Wer also glaubt- nur Raucher bevorzugen das Kraut- weit gefehlt
@aeternitas
Dann bitte stellen Sie doch noch einmal dagegen wieviele Jugendliche am WE in der Notaufnahme landen auf Grund von Alkoholvergiftungen.
Und anscheindend kennen wirklich nur Sie Menschen die mit Ihrem Leben nicht zurecht kommen- ich kenne einige Kiffer die durchaus Ihren Job beherrschen- Ihr Privatleben im Griff haben und trotzdem Ihr Tütchen mal rauchen.
Es ist vom Grundsatz her nichts anderes als am Abend 2-3 Gläschen Wein zu trinken. Nur mit weniger Nebenwirkungen wie der Alkohol.
Und genauso wie Sie einen Alkoholiker nicht erkennen würden, wenn er es nicht will- bzw. wenn der Alkohol noch nicht seine zerstörerische Arbeit geleistet hat, werden Sie auch nicht jeden Konsumenten von THC in welcher Form auch immer erkennen.
Und bitte- warum darf nicht ein wenig Kraut zur Entspannung verbrannt werden? Weil es Ihren moralischen Ansichten nicht entspricht?
Ich glaube bei Ihnen haben alle Parolen der Gegner von Marihuhana gewirkt.
CerberusDoe (23.01.2008, 22:58 Uhr)
achtung
...egal ob legal oder illegal..ihr gefährdet damit eure umwelt..denkt ans passivrauchen...warum schreit da kein nichtraucher?
aeternitas (23.01.2008, 22:36 Uhr)
@hjohjo

Sie haben größtenteils Recht mit Ihren Aussagen. Ich bestreite das gar nicht. Nicht aber mit "es gibt keine Überdosierung" und "es ist harmlos". Beides ist nicht richtig. Es wird zwar niemand an einer Überdosis STERBEN aber es ist auch nicht das Ziel in einer Psychatrie oder in Behandlung zu enden.
Zitat: "Personen, die Erfahrungen mit Cannabis gemacht haben, haben ein um 41 Prozent erhöhtes Risiko auf eine Psychose (Odds Ratio 1,41; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,20-1,65). Das Risiko ist dosis-abhängig. Bei Personen, die häufiger Cannabis rauchen, erkranken doppelt so häufig an einer Psychose (Odds Ratio 2.09; 1,54-2,84) als Personen ohne Drogenerfahrung." http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=106074
Warum kommen alle, die ich kenne, die sich ab und zu ein Tütchen genehmigen mit ihrem Leben nicht zurecht? Geben es die anderen nur nicht zu und kiffen heimlich? Oder kenne ausgerechnet ich nur solche Leute? Fragen Sie einfach einen Arzt Ihres Vertrauens der im KKH am Wochenende Notdienst hat, wenn die Kiddis angeliefert werden, was die häufigsten Ursachen sind (die hellen Neonröhren und die Atmosphäre sind es nicht, die die Kinder ausflippen lässt, das haben sie schon gemacht BEVOR der Krankenwagen kam).
Ich bin FÜR kontrollierten Einsatz in der Medizin, wofür auch immer es gut ist, aber DAGEGEN, dass man sich das Kraut anzündet um zu chillen. Baldriantee tut's auch. Oder Milch mit Honig.
Übrigens der Wirkstoff im Bier ist NICHT der Alkohol ...
TaraHamburg (23.01.2008, 19:48 Uhr)
Nachschlag
Sorry- eins hab ich noch vergessen. Etwas sehr wichtiges. THC bzw. ein guter Joint hat noch einen besonderen
Effekt, der der Pharma Industrie gerade einen Heidenbatzen Geld bringt und den sie sich garantiert nicht
ohne Wenn und Aber hergeben wird.
THC ist als Stimmulanzmittel und für die Potenz des Mannes sehr gut *zwinkert*
Frauen macht es unter anderem ebenfalls emfpänglicher für "Zärtlichkeiten"-
Es erhöht die Sensibilität der Haut bei prickelnder Erotik sowohl bei Mann als auch Frau.
Und nun stellen wir mal die Risiken von Viagra daneben und suchen noch ein Mittel für Frauen welches die
selben Effekte erzielt.
Das nur mal als kleines Amusement dazu- fiel mir eben noch ein :)
TaraHamburg (23.01.2008, 19:36 Uhr)
@aeternitas

THC wird erst sehr langsam in der Schmerztherapie erfasst. Er ist auch nicht wirklich gewollt.
Ärzte dürfen bis heute kein THC aufschreiben- auch wenn es helfen würde.
THC ist ein uraltes Heilmittel. Für viele Bereiche wurde es eingesetzt. Gut ist zu erwähnen wofür.
Mir ist bekannt bei:
Leichten Schmerzen, da besonders in der Langzeit Schmerztherapie bei Dauerschmerz.
Parkinson
Muliple Sklerose
Krebs (gerade begleitend in der Chemo- da er die Übelkeit nimmt und zum Essen animiert)
Unterleibskrämpfen bei Frauen mit PMS
Es wirkt Allgemein Muskelentspannend und Appetitanregend.
Es kann sogar als leichtes Antidepressiva helfen da es Stimmungsaufhellend ist.
Es wurde seit Jahrhundernten und wird bis heute in der Geburtshilfe eingesetzt in vielen Ländern
Es gibt sicher noch viele Wirkungen mehr, die dieses Mittelchen in der Medizin kann. Ich kenne nicht
alle- nur die- die mir im Laufe der Jahre begegnet sind.
Nur- wenn THC als so ein Multitalent daher kommen würde - bitte warum sollte die Pharmaindustrie
ihre hart erarbeiteten Vorteile gegenüber so einem "Viel Könner" aufgeben und nicht fleissig
mit bei den Parolen gegen THC machen, wenn Sie für das was THC kann doch so viele feine
Mittelchen verkaufen kann. Ist auch irgendwie klar oder?
Alkohol hat in Grundzügen ebenfalls medizinische Wirkung ausser als Trägerstoff.
1 Glas Rotwein ab und an- hat die selbe entspannende Wirkung wie ein kleiner Joint.
Dazu sind die Inhaltsstoffe in Rotwein auch gut für das Blutbild und für das Imunsystem.
Alkohol wie in Bier z.B. ist als nahrhaftes Stärkungsmittel und auch für die Nieren sehr gut.
Allerdings rede ich hier von einem halben Liter Bier- nicht 3 Liter.
Kinderbier (Malzbier) ist blutbildend und gut für Mütter in der Stillzeit. Enthält aber auch einen
minimalen Anteil an Alkohol der in dem Fall sogar Kreislauf stärkend ist.
Viele Homöphathische Mittel würden ohne Alkohol ebenfalls nicht herstellbar sein.
Man kann alles verteufeln, verharmlosen oder auch verglorifizieren.
Natürlich hat Marihuhana nichts in Kinder und Jugendlichen Händen zu suchen.
Aber Alkohol auch nicht.
Und dann erinnern wir uns bitte an mal eben an die Meldungen von Kindern die Koma - Saufen betreiben
und daran, wie leicht es für einen Jugendlichen ist an Alkohol ran zu kommen.
Wer z.B. glaubt ein Alkoholiker würde nicht ebenfalls die Zeit verpennen oder unpünktlich sein-
oder sonst was, der hat eine Einseitige Sicht. Schade drum.
Natürlich macht ein Joint "lasy" aber Alkohol genau so.
Und kein Mensch hat was am Steuer eines Autos zu suchen- egal ob er einen Joint gerraucht hat oder
2 Flaschen Bier getrunken hat.
Soviel Klarheit sollte jeder haben- haben aber nun mal nicht alle. Egal ob Kiffer oder Alkoholiker.
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