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15. August 2007, 17:49 Uhr

Die letzte Feier vor dem Tod

Tommaso-Francesco V. feierte mit Freunden seinen 18.Geburtstag. Wenige Stunden später war er tot. Gestorben ist der junge Italiener im Kugelhagel vor dem Duisburger Hauptbahnhof - und mit ihm fünf seiner Bekannten. Hinter der grausamen Bluttat wird die kalabrische Mafia vermutet. Von Matthias Lauerer, Duisburg

In diesem Restaurant in Duisburg feierten die Opfer der Bluttat© Roland Weihrauch/DPA

Schnell ziehen die grauen Spätsommerwolken über den Himmel der Duisburger Innenstadt. Ganz so, als ob sie das Böse der letzten Nacht verjagen wollten. Sechs Menschen verloren vor dem Haus mit der Adresse Mülheimer Straße 46 ihr Leben. Sie wurden in ihren beiden Autos, einem gemieteten, blauen VW-Golf mit Pforzheimer Kennzeichen und einem weißen Opel-Lieferwagen mit Duisburger Kennzeichen kaltblütig niedergemäht. Alleine der dunkle Golf 4 TDI weist am Heck mindestens sieben Einschusslöcher auf.

Alle Opfer sind Italiener

Die sechs Männer waren laut Polizei-Aussagen zwischen 16 und 39 Jahren alt und sind italienischer Abstammung. Zwei von ihnen waren erst vor wenigen Wochen aus Italien nach Deutschland gekommen. Die ersten Mafia-Vermutungen kamen von italienischen Medien. Es könne sich demnach um eine Fehde zwischen italienischen Mafia-Banden gehandelt haben. Clans des kalabrischen Mafia-Syndikats "Ndrangheta" sollen in die Tat verwickelt sein. Mögliches Indiz: Alle Opfer stammen aus Kalabrien.

Beide Autos standen links vor dem italienischen Restaurant "Da Bruno". Die Pizzeria ist heute verwaist und verschlossen. Noch in der vergangenen Nacht hatten hier die Opfer im kleinen Kreis den achtzehnten Geburtstag von Tommaso-Francesco V. gefeiert. Er hatte gerade seine Ausbildung im Restaurant "Da Bruno" begonnen. Um 2.10 Uhr, so berichtet es die Polizei, wurde das Restaurant geschlossen. Die Gruppe löste sich auf. 25 Minuten später waren die sechs Männer, Francesco G., (16), Tommaso-Francesco V., (18), Marco P., (19), Francesco P., (21), Marco M., (25) und Sebastiano S., (38), tot. Zwar hatten die Rettungskräfte bei zwei der Männer noch letzte Lebenszeichen entdeckt. Doch schon bald entwich das Leben ihren zerschossenen Körpern.

Francesco P. und Marco P. waren Brüder, die in Duisburg lebten. Fünf der sechs Getöteten stammen aus einer Familie. Gegen Marco P. lief nach Aussagen der Polizei ein Verfahren wegen Geldfälschung. Alle sechs Männer lebten und arbeiteten im Dunstkreis des Lokals "Da Bruno". Bereits um drei Uhr in der Nacht begann die Mordkommission mit ihren Ermittlungen.

Eine Zeugin hat zwei Männer gesehen

Die Präsenz der Behörden ist groß: Zwölf Polizeiwagen und drei Feuerwehrwagen umrahmen den Ort des Verbrechens. Die Polizei hat das Gebiet großräumig mit rot-weißem Band abgesperrt. Auch die hastig gesprühten gelb-grünen Farbränder auf dem Teer erinnern noch an die Morde der vergangenen Nacht. Eine Zeugin soll um 2.30 Uhr zwei Männer gesehen haben, die sich schnell vom Mord-Ort entfernten.

Dazu kann Gerlinde S. nichts sagen. Sie hat um 2.30 Uhr bereits selig geschlafen. Jetzt steht sie in der Hedwigstraße auf ihrem kleinen Balkon und hängt Wäsche auf. Links am Gitter des Balkons hängt - wie als böse Omen - eine schwarze Plastik-Katze. Ihr Mann hat ihr heute in aller Hergottsfrühe von seinem zufälligen Tat-Wissen erzählt: "Warum klatschen die denn so laut mit den Autotüren?", hatte sich ihr Mann Gerhard S., 65, in der Nacht gewundert. S. war somit zum unfreiwilligen Ohrenzeugen des Massakers geworden.

Italienische Ermittler sollen helfen

Vor dem Tatort auf dem Mittelstreifen steht der Pressesprecher Egbert Doernemann, 44. Er arbeitet sonst in der ruhigeren Kleinstadt Wesel und ist sichtlich vom massiven Presseauftrieb überrascht worden. Doch trotzdem beantwortet er freundlich und gebetsmühlenartig die immer wiederkehrenden Fragen der Journalisten, versucht sogar zu scherzen. "Nein", sagt er "es kommen keine Leichenspürhunde, sondern Sprengstoff-Suchhunde". Der Grund: die Patronenhülsen.

Nachmittags gab die Polizei bekannt, dass die Bilder einer Überwachungskamera nur die zwei davoneilenden mutmaßlichen Täter zeigen, die in Richtung der Danziger Straße davon liefen. Weiterhin fuhren wohl etliche Fahrzeuge zur Mordzeit am Tatort vorbei. Auch Fußgänger sind als Zeugen möglich. Interessant: der Leiter der Mordkommission Sprenger rät zur unbedingten Vorsicht bei den Mutmaßungen, es könne sich um eine Tat der Mafia handeln: "Wir ermitteln in alle Richtungen!" Er sagt es deutlich und mehrfach. Vielleicht auch, weil sich die Journalisten immer wieder daran fest beißen wollen. Doch wie es in der vergangenen Nacht wirklich war, und warum die sechs jungen Männer ihr Leben lassen mussten, das wird sich erst im Laufe der Ermittlungen zeigen. Immerhin erwartet man Kollegen aus Italien, die bei der Aufklärung der Irrsinns-Tat helfen sollen. Die Obduktion der Toten soll noch Tage andauern.

Links neben dem Tatort liegt eine Telekom- Niederlassung, die sich um das Großkunden-Management kümmert. Doch Mitarbeiter gingen dort heute nicht ein- und aus. Nur fünf große, dicht-belaubte Bäume stehen als stumme Zeugen am Tatort.

Von Matthias Lauerer, Duisburg
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
v._Sigmaringen (18.08.2007, 17:42 Uhr)
Historisch-wissenschaftliche Betrachtung
Die Geschichte und die Wissenschaft haben gezeigt, daß es theoretisch nur eine Möglichkeit gibt, die Mafia zu überwinden: die Allmacht eines zentralistischen Staates (Hegel). Solange es Demokratie gibt, solange wird es Mafia geben.Die Demokratie, und das mag einigen merkwürdig vorkommen , ist der liberal-tolerante Nährboden der Mafia. Ich möchte an dieser Stelle stark betonen, daß ich ein glühender Anhänger der Demokratie bin, allerdings müssen wir dann diese Pest ertragen lernen.Und noch ein letztes: das Duisburg-Massaker hat dem Ansehen der Italiener in Deutschland massiv geschadet und alte Nazi-"Rassestereotype" vom "grausamen Südländer" wieder einmal bedient. Außerdem hat es dem Ansehen der sowieso schon schwerst angeschlagenen Stadt Duisburg massiv geschadet , CNN hat Duisburg schon als "Mafia-Stadt Duisburg" tituliert und dem Ansehen Deutschlands ist auch massiv geschadet worden.Es wird immer schlimmer, aber auch die Reaktion der Deutschen wird langfristig immer stärker. Man sollte keinen Cent Steuergelder für die Ermittlungen ausgeben, die sicher in die Millionen gehen, sondern Kindergärten und Kulturzentren bauen.Ich selbst bin wieder mal erschreckt über die strukturelle Unwehrhaftigkeit der Demokratie. Wenn morgen ein neuer Diktator käme, was hätte Deutschland ihm dann entgegenzusetzen, wenn es noch nicht mal mit rumballernden, ungebildeten Gaunern fertig wird ?
hardrain (16.08.2007, 15:59 Uhr)
Hallo mupfi und vegas,
so ist es nun mal: Ich finde, in einem solchen Forum dürfen auch Gegensätze benannt werden. Aber es ist leider bei einigen Teilnehmern eher der Fall, ihren persönlichen Frust über Gott und die Welt zusammen in einem Gehirnmixer weiterzuleiten. Papst, Stalin, Hitler, Marx und Kondome - passt irgendwie überhaupt nicht und hat auch mit dieser elenden Mordtat aus dem italienischen Mittelalter nichts zu tun. Mupfi - danke daß Sie den ollen Papa Marx so toll in Schutz genommen haben - zu Recht!
Vincent_Vega (16.08.2007, 12:10 Uhr)
@mupfeline, @guzziman; @H.P.
der Beitrag von Guzziman war solange okay, bis er mit Huren beim Papst anfing.
Im Einen hat er recht: der Papst/die Kirche tut mir zuwenig; ich bin selber Katholik aber wenn eszum Beispiel darum geht, in Gebieten mit einer hohen Zahl von Aids-infizierten und weitem auch durch christliche Pfarrer (nicht nur katholische auch evangelische oder Freikirchen) Aberglauben den Gebrauch von Kondomem zu verdammen ist für mich eine Vernachlässigung der wirklichen Interessen der anvertrauten Gläubigen. ABER: das ist eine andere Geschichte.
@H.P.: ich würde die Tat so nicht überbewerten, als ob jetzt plötzlich jedes Wochenende in Deutschland Killerkommandos ihr Unwesen treiben. Wir sind hier nicht im Irak, wo beinahe jeden Tag Bomben in die Luft gehen.
mupfeline (16.08.2007, 11:36 Uhr)
@guzziman
Ich habe deinen Beitrag der Redaktion des Stern gemeldet. In Zukunft wirst du es dir hoffentlich überlegen, solche ehrabschneidenden Thesen über Papst Benedikt öffentlich zu äußern.
mupfeline (16.08.2007, 11:32 Uhr)
Hitler und Marx in einen Topf zu schmeißen
... das haut dem Faß den Boden ins Gesicht. Aber natürlich sind solche Äußerungen nicht überraschend. Eine Gesellschaft welche die Bildung derartig sträflich vernachlässigt die treibt eben auch solche "Blüten" - resistent gegen jedes Geschichtswissen!
Karl Marx war Philosoph, das Schlimmste was man ihm vorwerfen kann ist die Tatsache dass er ein oder zwei uneheliche Kinder hat und den Frauen auch nicht abgeneigt war. Sein vermögender Freund Friedrich Engels hat ihn unterstützt. Denn von Thesen allein konnte man auch früher nicht leben. In einem Zeitalter der industriellen Revolution stellte er seine Thesen vom Proletariat und seinen Ideen einer veränderten Gesellschaft vor. WAS dies mit Hitler zu tun haben soll das verschließt sich jedem auch nur einigermaßen normal denkenden Menschen.
Mann/Frau muss nicht die Ideen von Karl Marx teilen. Das verlangt gar niemand. Aber ihn in einen Topf mit Hitler zu schmeißen ist einfach abartig und zeugt von der völligen Abwesenheit jeglicher Kenntnis von geschichtlichen Zusammenhängen.
guzziman (16.08.2007, 09:23 Uhr)
Fanatiker
Erstens mal: Christen sind nicht besser als Moslems, zumindest dann nicht, wenn es um Fanatiker geht, und die gibt es in beiden Lagern. Zweitens: Hier handelt es sich nicht um religiöse Morde, sondern es geht ums Geschäft, um Waffen und Drogen und da zählen Menschenleben nichts mehr. Drittens: Adolf war Österreicher (auch wenns die Österreicher heute noch nicht wahrhaben wollen). Viertens: Dieses Jahrhundert wird das vorhergehende an Morden übertreffen, wenn die religiösen Fanatiker (Moslems wie Christen) so weitermachen. Ich gehöre keiner Religion an und so wird es auch bleiben. Alle Religionen (aussr dem Buddhismus) haben Dreck am Stecken. Wievielen Kindern schaut denn der ach so verehrte Papst beim verhngern zu? Der Papst hebt seine Hand und segnet sterbende Kinder in Afrika. Stattdessen sollte er finanziell helfen, diese Kinder zu retten (ah ja, die Kirche ist ja so arm...). Aber der sitzt lieber in seinem Prunkvollen Palast und lässt sich über geheime Gänge die Huren einschleusen. Seit dem Mittelalter hat sich eben nichts geändert für die Pfaffen.
Vincent_Vega (16.08.2007, 09:13 Uhr)
@mramorak
Ja richtig: "Es ist eine unfassbare Dreckarbeit, dieses Blutbat als politische Hetze gegen Andersdenkende zu gebrauchen"
Es zeugt aber auch von schwindendem Hirnschmalz, nun auch nich den Stalinismus und seine Folgen mit Deutschland in Verbindung zu bringen.
Man kann Marx vorwerfen was man will, aber Massenmord, Gulags etc. hat er nicht gewollt. Er hat einfach nur gesehen, dass zu seiner Zeit quasi zwei Klassen existieren, rm und Reich, und sich überlegt, wie man es ändern kann. Den politischen Mord mit Demokratiebestrebungen zu verknüpfen, gab es spätestens seit der Guillotine der französiscchen Revolution.
Davon abgesehen waren Menschen schon immer dazu fähig, ihre "Mit"menschen abzuschlachten, dazu braucht es kein Deutschlandbashing ebenso wenig wie ein Italienbashing.
mramorak (16.08.2007, 02:59 Uhr)
Bluttat las Instrument zur politischen Hetze gebrauchen?
Es ist eine unfassbare Dreckarbeit, dieses Blutbat als politische Hetze gegen Andersdenkende zu gebrauch, H.P.
Und Hardrian steckt selber noch im "Mittelalter" sonst waere ihm doch schon aufgefallen, dass in der ganzen Weltgeschichte nicht soviele Menschen ermordet wurden wie im letzten Jahrhundert. Und beide moerderischen Ideen waren atheistisch und gingen vom deutschen Sprachraum aus. Hitler und Marx waren Deutsche und sie waren Atheisten! Und heute geht wieder soviel Hetze gegen die Demokratie von unserem Land aus. Weil der deutschen Jugend eine echte politische und geschichtliche Bildung verweigert wurde. Wann wacht die Mitte in Deutschland auf?
sprach
H.P. (15.08.2007, 19:50 Uhr)
Die Mafia in Deutschland
Die Mafia in Deutschland, nicht nur der Nahe Osten versinkt in barbarische Taten, es sind zivilisierte Christen im kath. Italien die zu solchen Taten fähig sind.
hardrain (15.08.2007, 18:15 Uhr)
Ein schnelles Ende dieser Morde
kann nur dann erwartet werden, wenn die Mitglieder dieser Clans endlich zur Vernunft kommen und endlich verstehen, daß das Mittelater vorüber ist. Es wissen Dutzende von dieser Tat und den Tätern, und keiner wagt es sich zu äußern. Einfach schäbig und elendig kriminell. Mitleid? Natürlich - aber Verfolgung mit aller Härte!
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